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Unter Beschuss und auch auf unserem Facebook-Portal ein heiß diskutiertes Thema: das Krankenhaus Agatharied.

Nach Vorwürfen gegen Agatharied

Krankenhaus unter Beschuss: Das sagen unsere Leser

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Kein anderes Thema ist in jüngster Zeit so intensiv diskutiert worden, wie die Personalsituation in Agatharied. Patienten und Mitarbeiter zeichnen ein noch differenzierteres Bild.

Hausham - Ist die Belastung für das Pflegepersonal am Krankenhaus Agatharied wirklich zu groß oder sind die anonymen Vorwürfe in Richtung Geschäftsführung völlig haltlos? Eines steht fest: Der Bericht in unserer gestrigen Ausgabe hat für Diskussion gesorgt. Dies belegen die direkten Kommentare auf merkur.de und auf der Facebook-Seite unserer Zeitung:

Viele ehemalige Patienten oder Angehörige haben ihre Erfahrungen aus Agatharied berichtet. Wir haben hier zwei Meinungen stellvertretend herausgepickt: So berichtet Jutta B., dass sie als Patientin in Agatharied auch das Gefühl gehabt habe, „dass das Personal ständig nur in Eile war“. Da es keine normale Visite gebe, seien auch die zuständigen Ärzte selten anzutreffen.

Ein anderer Patient oder Angehöriger spricht bei Agatharied von einer „reinen Farce“. So sei die Notaufnahme „ein Witz. Wenn Du Kassenpatient bist, wartest Du zwischen fünf bis acht Stunden ... und wirst irgendwo abgestellt, zur Not sogar im Keller.“ Dabei gilt seine Kritik ganz klar nicht dem Personal, sondern dem Management, denn: Die Schwestern und das Pflegepersonal tun „alles Menschenmögliche, jedoch sind diesen Grenzen gesetzt“. Und zum Noro-Virus: „Der Virus war schon Wochen zuvor da. Da hat die Klinikleitung wieder gepennt und das ist nichts Neues, ausbaden müssen es die Schwestern und die Patienten.“

Viele Patienten betonen aber auch, dass sie es toll finden, ein Krankenhaus in nächster Nähe zu haben, das auch nicht privat geführt wird, sondern in öffentlicher Hand geblieben ist.

Auch das Personal meldet sich zu Wort

Auch eine langjährige Krankenschwester der Kreisklinik meldet sich zu Wort. Sie sagt: „Ich kann die Vorwürfe so nicht teilen, auch wenn der Beruf immer schwieriger auszuüben ist.“ Aber das sei kein Problem, das nur Agatharied betreffe – „deswegen arbeite ich auch in Teilzeit“. Dabei beklagt sie „mehr Leistung und immer weniger Miteinander. Ärzte interessiert die Pflege einfach nicht, und wir fühlen uns in der Zusammenarbeit einfach nicht ernst genommen. Das Krankenhaus würde ohne uns gar nicht funktionieren. Warum versteht das keiner?“

Ein anderer Pflegemitarbeiter aus Agatharied stört sich an den anonymen Briefen: „Wenn man fair ist, sollte man mit den Führungskräften des Hauses reden und sich dort beschweren. Dass zu wenig Personal da wäre, kann ich von meinen Bereichen nicht behaupten.“ Es sei normal, dass im Januar viele Mitarbeiter krank sind. Es gebe auch Mitarbeiter, die im Pool arbeiten und in solchen Fällen unterstützen. Zudem sei seine Erfahrung, „dass wir mit unseren Ärzten und Oberärzten reden können“. Es gebe auch Häuser „in München und Umgebung“, wo echt Personalmangel herrsche, „aber ich kann es nur bestätigen, dass das bei uns nicht der Fall ist“. Agatharied sei da „ziemlich weit oben“.

Eine andere Leserin, die offenbar ebenfalls im Krankenhaus arbeitet, bestätigt dies nur bedingt. „Es sieht im Großen und Ganzen bei uns noch recht gut aus. Allerdings nicht auf allen Stationen, und auch der Pool scheint oft überlastet bzw. ausgelastet“, schreibt sie. Es sei klar, dass man für kranke Kollegen einspringe, „aber irgendwann ist ein Limit erreicht“. Schließlich habe man auch noch ein Privatleben. „Nur wer sich selbst pflegt, kann auch andere gut pflegen.“

Dass die Vorwürfe anonym geäußert wurden, hält sie nicht für schlimm, auch wenn das Vorgehen „feige“ sei: „Hier hat jemand seine Meinung mitgeteilt und sieht Handlungsbedarf.“ Es gehe wohl nicht darum, dass jemand einen „chilligeren Job“ wolle.

ddy

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