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Die neuen Chefärzte (v.l.) Peter Prodinger, Steffen Herdtle und Peter Klare wollen mithelfen, das Krankenhaus Agatharied auf medizinisch hohem Niveau zu halten.

Krankenhaus Agatharied wünscht sich klare Strukturen für Patienten

Klinik warnt vor „Notfalldschungel“

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Klare Strukturen für alle Notfall-Patienten – die wünscht sich das Krankenhaus Agatharied. Es ist eines der großen Themen fürs laufende Jahr.

Landkreis – Bei akuten gesundheitlichen Problemen den Hausarzt anrufen, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst kontaktieren oder gleich in die Notaufnahme fahren? Im Notfall sind viele Patienten überfordert. Von Parallelstrukturen und einem „Notfalldschungel“ spricht der neue Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Krankenhaus, Dr. Steffen Herdtle. Der 41-Jährige soll die Abteilung fit machen für die Herausforderungen der Zukunft. Und die sind groß.

„Wir brauchen eine zentrale Anlaufstelle für den Patienten, der sich akut krank fühlt“, sagt Klinik-Geschäftsführer Michael Kelbel und macht keinen Hehl daraus, wo sich diese befinden sollte: im Krankenhaus. Der Entwurf eines Notfallgesetzes, mit dem der Bund die Strukturen wieder in den Griff zu bekommen versucht, ist am 8. Januar veröffentlicht worden. Jetzt geht es in die Diskussion.

Rund 30.000 Patienten durchliefen 2019 die Notaufnahme

Unabhängig davon baut das Krankenhaus seine Zentrale Notaufnahme weiter aus. Rund 30.000 Patienten durchliefen im vergangenen Jahr die Abteilung. Am 1. Februar wird dort eine Beobachtungsstation in Betrieb gehen. Sie schließt eine Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Sechs Betten, in denen Patienten maximal 24 Stunden überwacht werden, stehen zur Verfügung. Gleichzeitig arbeiten Herdtle und sein Team mit den anderen Abteilungen der Klinik daran, die Strukturen zu verschlanken. Das Ziel: die richtigen Patienten in den richtigen Betten zur richtigen Zeit. „Wir möchten Doppeluntersuchungen vermeiden und die Abläufe für die Patienten und uns planbarer machen“, sagt Herdtle. „Nicht jedes gesundheitliche Problem erfordert, dass der Patient gleich über Nacht im Krankenhaus bleibt. Es ist entspannter für alle Seiten, wenn die Dinge klar geregelt sind.“

Neue Abläufe greifen tief in gewachsene Strukturen ein

Die Schaffung neuer, strafferer Abläufe – laut Geschäftsführer Kelbel ein tief greifender Einschnitt in gewachsene Strukturen – ist auch den Anforderungen im Gesundheitswesen geschuldet. Das Krankenhaus muss schauen, wo es wirtschaftlich bleibt. „Wir werden künftig viele vollstationäre Leistungen nicht mehr erbringen dürfen“, berichtet der 55-Jährige und zeigt sich auch sonst besorgt über die zunehmenden Eingriffe der Gesundheitspolitik in die Krankenhauslandschaft. Derzeit ist ein Papier in Arbeit, wie es gelingen kann, auch in Zukunft die medizinische Versorgung auf dem erreichten Niveau für die Region zu erhalten. „Das Konzept soll dem neu gewählten Kreistag im Sommer zur Diskussion vorgelegt werden“, kündigt Kelbel an.

Ein Ziel ist schon klar: Die Klinik möchte ihr medizinisches Angebot weiter ausbauen und mit den ambulanten Strukturen verzahnen, wie derneue Orthopädie-Chefarzt Dr. Peter Prodinger (41) berichtet. „Wir möchten ein möglichst großes Spektrum abbilden – quasi vom Fuß bis zum Hals.“ Neben der laufenden Zertifizierung als Endoprothetikzentrum ist das Krankenhaus derzeit auf der Suche nach einem Knie-Spezialisten. Er soll beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Klinik in Holzkirchen angestellt werden, als Belegarzt aber auch in Agatharied operieren.

Zahl der Bauchspeicheldrüsenerkrankungen nimmt zu

Mit dem Endoskopie-Spezialisten Dr. Peter Klare hat das Krankenhaus außerdem einen versierten neuen Chefarzt für die Abteilung für Gastroenterologie gewonnen. Der 40-Jährige soll unter anderem das Pankreaszentrum Oberland, das Agatharied 2019 zusammen mit der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz gegründet hat, voranbringen. „Die Fälle von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen steigen stark an“, sagt Klare. Allein in diesem Bereich gab es von Mai bis Dezember 2019 am Krankenhaus Agatharied 20 Operationen, die Zahl dürfte unabhängig von der neuen Kooperation weiter steigen. „Es ist ein Feld, das in Zukunft wichtiger wird“, sagt Klare. „Eine Anforderung an uns wird auch sein, klinische Studien bei uns anzubieten oder Patienten klinischen Studien zuzuführen.“

sh

Lesen Sie auch, welche ungewöhnliche Rettungsaktion dieser Patient in Agatharied erlebt hat.

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