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Krankenhaus verzeichnet „dramatisches Defizit“

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Von: Stephen Hank

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Strategische Neuausrichtung: Der neue Krankenhaus-Vorstand Benjamin Bartholdt muss das Krankenhaus Agatharied zukunftsfit machen. Corona habe wie ein Brandbeschleuniger gewirkt, sagt er.
Strategische Neuausrichtung: Der neue Krankenhaus-Vorstand Benjamin Bartholdt muss das Krankenhaus Agatharied zukunftsfit machen. Corona habe wie ein Brandbeschleuniger gewirkt, sagt er. © Thomas Plettenberg

Beim Krankenhaus Agatharied ist 2021 ein Minus von 12,5 Millionen Euro aufgelaufen. Ein Negativ-Rekord. Derzeit ist die Klinik dabei, sich strategisch neu auszurichten.

Agatharied – Eigentlich, so Benjamin Bartholdt, hätte er sich in der Pflicht gesehen, im Kreistag bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer Vorstand mit einer frohen Botschaft aufzuwarten. Tatsächlich aber musste der 40-Jährige, der seit Februar im Amt ist, ein „dramatische Defizit“ verkünden. 12,5 Millionen Euro seien im vergangenen Jahr aufgelaufen. Einigen Kreisräten stockte im Rottacher Seeforum bei dieser Botschaft hörbar der Atem.

Qualität und Angebot des Krankenhauses stimmen

Es liege nicht an der medizinischen Qualität und dem Angebot des Krankenhauses, betonte Bartholdt. Agatharied genieße höchste Zufriedenheitsraten. Vielmehr habe sich die Corona-Krise als „Brandbeschleuniger“ erwiesen und negative Entwicklungen weiter verstärkt: die Preis-Kosten-Schere, nach der Erlöse langsamer steigen als die Kosten; das dringend reformbedürftige Fallpauschalensystem, nach dem nur dasjenige Krankenhaus sein Ergebnis halten kann, das seine Fallzahlen schneller steigert als der Durchschnitt in Deutschland; und die übermäßige Arbeitsbelastung, die Personal aussteigen oder erst gar nicht einsteigen lässt und damit den Fachkräftemangel weiter verschärft.

Corona hat schweren Schaden hinterlassen

„Auch bei den Krankenhäusern hat Corona einen ganz schweren Schaden hinterlassen, an dem wir zu knabbern haben“, gestand der Vorstand. Für die normale Patientenversorgung fehle derzeit rund ein Drittel der Betten. Im Vergleich zu 2019 gingen die Fallzahlen bei höheren Kosten um rund 15 Prozent zurück.

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Bartholdt nahm den Kreisräten die Hoffnung, dass sich die Lage von alleine wieder erholt. Man müsse sich dem Defizit stellen und sich den neuen Rahmenbedingungen anpassen. Wie bereits berichtet, arbeitet derzeit eine Projektgruppe auch unter externer Begleitung an der strategischen Neuausrichtung. Der Krankenhaus-Vorstand bat die Kommunalpolitiker darum, ihm und seiner Mannschaft einen Zeit- und Vertrauensvorschuss einzuräumen, um gut analysieren und den richtigen Weg finden zu können. Er sei zuversichtlich, den größten Teil des Defizits bis 2024 abzubauen. Gleichzeitig rief er die Kreisräte dazu auf, im persönlichen Umfeld fürs Krankenhaus zu werben und ihre politischen Kontakte zu nutzen, um die dringend nötigen Reformen im Krankenhauswesen anzustoßen.

Landrat zum neuen Vorstand: „Sie geben richtig Gas“

Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Olaf von Löwis (CSU) sprach Bartholdt sein uneingeschränktes Vertrauen aus. „Sie geben richtig Gas“, lobte er den 40-Jährigen. Am „absoluten Ziel, die Klinik in kommunaler Trägerschaft zu behalten“, wie es Georg von Preysing (CSU) formulierte, ändere sich trotz des hohen Defizits nichts, so Löwis: „Die Gründung des Kommunalunternehmens bedeutet ja auch eine deutlich engere Anbindung an den Landkreis.“

Solidaritätsbekundungen aus allen Fraktionen

Ähnliche Solidaritätsbekundungen kamen aus allen Fraktionen. „Wir dürfen jetzt nicht aufhören, in die Zukunft zu investieren“, warb Ursula Janssen (Grüne) für weitere Investitionen. Was man bisher schon leiste oder geleistet habe, sollte man den verantwortlichen Landespolitikern durchaus auch zeigen, meinte Vize-Landrat Jens Zangenfeind (FWG) und regte an, Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nach Agatharied einzuladen. SPD-Fraktionssprecherin Christine Negele hielt das für eine gute Idee. Sie sei zuletzt erschüttert über einen Bericht gewesen, in dem der Minister Informationsdefizite hinsichtlich der Lage der Krankenhäuser habe erkennen lassen.

Eine gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten wünschte sich Thomas Straßmüller (FWG). Er selbst habe – auch als Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands – vollstes Vertrauen in Bartholdt. In den vergangenen Jahren seien Ärzte und Krankenhaus durch die äußeren Rahmenbedingungen aber in eine Konkurrenzsituation geraten. Straßmüller: „Da hat die Politik Fehler gemacht.“

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