Bindeglied der Kliniken: Dr. Städtler legt Covid-Schwerpunktkliniken fest und regelt die Verteilung der Patienten. Die Betten reichen für den Winter, sagt er. Foto: MM
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Bindeglied der Kliniken: Dr. Städtler legt Covid-Schwerpunktkliniken fest und regelt die Verteilung der Patienten. Die Betten reichen für den Winter, sagt er.

Die Pläne für die zweite Corona-Welle

Krankenhauskoordinator Dr. Städtler: „Weit weg von Triagierung“

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Krankenhauskoordinator Dr. Michael Städtler soll den Landkreis sicher durch den Corona-Winter bringen. Er sagt: Die Betten reichen, Zustände wie im Frühjahr in Italien sind weit weg.

Agatharied – Dr. Michael Städtler soll die Krankenhäuser im Landkreis sicher durch den Corona-Winter bringen. Als Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordination des Rettungsdienstbereichs, zu dem der Landkreis Miesbach zusammen mit dem Landkreis Rosenheim und der Stadt Rosenheim gehört, koordiniert er die Verteilung der Patienten, legt Schwerpunktkrankenhäuser fest und bildet das Bindeglied zwischen den Kliniken. Bereits im Frühjahr hatte er diese Aufgabe. Wir haben mit ihm über die anstehenden Herausforderungen, die Unterschiede zum Frühjahr und die Inzidenz, die die Krankenhäuser bewältigen können, gesprochen.

Krankenhauskoordinator Dr. Städtler: „Weit weg von Triagierung“

Herr Städtler, wie ist die Lage in den Krankenhäusern des Rettungsdienstbereichs derzeit?

Mit dem Belegungsdruck kommen sie momentan gut zurecht. Sie sind auch für mehr gerüstet. Aber wir alle wären froh, wenn wir nicht mehr davon brauchen und sich die Zahlen im Rahmen halten.

Warum ist die Lage trotz der hohen Inzidenz entspannter als im Frühjahr?

Wenn ich das erklären könnte, wäre ich sehr berühmt. Am 10. April lagen im Rettungsdienstbereich Rosenheim 58 Patienten mit Covid-19 auf den Intensivstationen, 272 auf den Normalstationen. Jetzt sind es zehn und 62. Wir haben also ganz andere Dimensionen. Eine Erklärung könnte die deutlich höhere Testzahl sein. Im Frühjahr haben wir nur die getestet, die Symptome hatten. Jetzt kann jeder getestet werden. Dadurch fallen auch asymptomatische Fälle auf. Das treibt die Inzidenz, belegt aber keine Betten in den Kliniken. Das macht sicher etwas aus. Aber das sind nur Vermutungen. Genau weiß es niemand.

Bei einem Virus mit so vielen Unsicherheiten: Wie planen Sie voraus?

Unsicherheit gehört im Rettungsdienst zum Alltag. Ich weiß nie, was morgen passiert. Das ist bei Corona genauso. Es gibt keinen sicheren Zusammenhang zwischen Inzidenz und Klinikbelegung. Ich weiß also nie, wie viele Patienten heute kommen werden. Damit gehen wir um, indem wir immer ein wenig Luft nach oben haben. Habe ich zwei Stationen für Covid-Patienten reserviert und die Kapazität nähert sich 80 Prozent, weiß ich, die Klinik muss eine dritte Station vorbereiten. So funktioniert das.

Das heißt, es gibt keine Maximal-Inzidenz, die der Rettungsdienstbereich verträgt? Sie planen nach Bedarf?

Genau. Völlig unabhängig von Covid sind Intensivstationen meist zu 80 bis 90 Prozent voll. Darunter sind aber auch Patienten, die nicht mehr unbedingt auf der Intensivstation liegen müssten. Bei ihnen denkt der Arzt vielleicht, die Zeit tut ihnen noch gut. Passiert ein Unfall und ein neuer Patient braucht ein Bett, können die Ärzte bei diesen Patienten die Behandlung guten Gewissens auf der Normalstation fortsetzen und dem Notfall das Bett geben. Es gibt also immer Flexibilität. Man sollte nicht zu stark auf Zahlen schauen.

Befürchten Sie, im Winter könnten Ärzte auch wählen müssen, welchen Patienten sie wichtige Behandlungen geben und welchen nicht, wie im Frühjahr in Italien?

Diese Gefahr sehe ich nicht. Im Frühjahr hatten wir sie auch nicht. Von einer Triagierung wie in Italien sind wir ganz weit weg.

Wie wissen Sie, was in den Kliniken los ist?

Im Frühjahr gab es eine Koordinierungsgruppe der Pandemiebeauftragen der Klinikverbünde. Das sind meine Ansprechpartner. Die haben wir im Sommer inoffiziell fortgeführt, ab September wöchentliche Telefonkonferenzen abgehalten. Wir überlegen gemeinsam Strategien zur Patientenstromsteuerung, sprechen über Kapazitäten. Das ist mein Bindeglied in die Kliniken. Da sind die RoMed-Kliniken drin, das Krankenhaus Agatharied, die Schönkliniken, die Reha-Kliniken und die Integrierte Leitstelle.

Wer entscheidet, in welches Krankenhaus Covid-Patienten kommen?

Das läuft in mehreren Stufen ab. Zunächst lege ich Schwerpunktkrankenhäuser fest. Das sind das Krankenhaus Agatharied und die RoMed-Kliniken Rosenheim, Wasserburg und Bad Aibling. Danach funktioniert die Verteilung wie bei jedem anderen Patienten: Die Krankenhäuser zeigen über ein internetbasiertes System ihre Kapazitäten an. Die Leitstelle schaut, wo das nächstgelegene geeignete Krankenhaus ist, und schickt den Patienten dorthin. Das Ziel ist, die Versorgung von Covid-Patienten in den Alltag zu integrieren. Sie sollen behandelt werden, wie alle anderen Patienten auch.

Wie haben Sie die Schwerpunktkrankenhäuser festgelegt?

Die Auswahl der Schwerpunktkrankenhäuser liegt einfach am Versorgungsauftrag. Das sind allgemeinversorgende Krankenhäuser mit einer Notfallversorgung. Sie haben einen Internisten und Intensivmediziner. Das brauchen wir für Covid-Patienten. Außerdem muss ich schauen, dass ich die Bevölkerung flächendeckend versorge. Deswegen sind die Schwerpunkthäuser über den Rettungsdienstbereich verteilt und daher gehört zum Beispiel Agatharied dazu.

Sie waren bereits im Frühjahr in ähnlicher Position tätig. Was hat sich seitdem in den Krankenhäusern geändert?

Die Intensivbehandlung für Covid hat sich deutlich geändert. Zum Beispiel werden Patienten weniger invasiv beatmet, also weniger unter Narkose intubiert. Wenn es irgendwie möglich ist, bekommen sie über die Nase mit speziellen Geräten aufbereiteten Sauerstoff. Man sieht: Es gibt eine Entwicklung und eine steile Lernkurve für die Behandlung der Patienten.

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