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Eine Trennlinie gibt die Sitzordnung im neuen Trauzimmer auf der Huberspitz vor (Bild oben). Links ist Haushamer Flur, rechts beginnt das Gebiet der Markgemeinde Schliersee.

Brautpaar muss auf der richtigen Seite sitzen

Kurios: Durch dieses Trauzimmer verläuft eine Gemeindegrenze

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„Ob Ihr wirklich richtig steht, seht Ihr, wenn’s die Ringe gibt“: Dieses Motto gilt künftig für die Eheschließungen auf der Huberspitz. Der Grund ist kurios. 

Hausham – Wen kurz vor dem Ja-Wort Torschlusspanik befällt, der flüchtet normalerweise aus der Kirche. Im neuen Trauzimmer auf der Huberspitz in Hausham reicht dazu ein Schritt nach rechts. Dann nämlich stehen Braut oder Bräutigam plötzlich in der Nachbargemeinde Schliersee – und die Ehe ist hinfällig, bevor sie überhaupt geschlossen wurde.

Damit das nicht passiert, haben die Betreiber des Almbad Huberspitz nach Rücksprache mit dem Standesamt eine rote Linie durch ihr Trauzimmer im Wintergarten gezogen. Zwei hölzerne „Ortsschilder“ an der Wand zeigen, dass es sich dabei um nicht weniger als die Gemeindegrenze handelt. „Wir wollen ja kein Scheidungsgrund sein“, sagte ein sichtlich amüsierter Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) nun im Gemeinderat.

Was klingt wie ein vorgezogener Aprilscherz, ist tatsächlich eine amtliche Notwendigkeit. Aufgefallen ist die Kuriosität bereits vor gut einem Jahr. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat im Dezember 2015 beschlossen, einen Raum im Almbad Huberspitz für Eheschließungen und zur Begründung von Lebenspartnerschaften zu widmen. Bei der Suche nach einem geeigneten Zimmer sei dann aufgefallen, dass die Grenze zwischen Hausham und Schliersee exakt über die Terrasse des Hauses verlaufe, berichtete Zangenfeind. Das Vermessungsamt habe dies bei einem Ortstermin im August 2016 offiziell bestätigt – und die Trennlinie auf den Zentimeter genau ermittelt.

Damit nicht genug: Eine Nachfrage der Gemeinde bei der als Aufsichtsbehörde für alle bayerischen Standesämter zuständigen Regierung von Mittelfranken ergab, dass die Grenze auch für die Ehe von Bedeutung ist: Sowohl das Brautpaar, als auch der Standesbeamte müssen sich bei der Eheschließung auf Haushamer Flur befinden – im konkreten Fall also links vom Strich. Freie Platzwahl haben die Gäste. „Die dürfen auch in Schliersee sitzen“, berichtete Zangenfeind schmunzelnd. Zudem, so die Aufsichtsbehörde, sei der Grenzverlauf im Raum deutlich sichtbar zu machen. Das ist nun mit der roten Linie und den beiden Schildern geschehen. Den Widmungsbeschluss fällten die ebenfalls erheiterten Gemeinderäte lachend – und einstimmig.

in Auge auf die korrekte Sitzordnung hat die neue Leiterin des Haushamer Standesamts, Katharina Harwart.

Dass die Hochzeitsgesellschaften im neuen Trauzimmer auch richtig sitzen, darauf wird künftig Katharina Harwart ein Auge haben. Die 44-Jährige hat Anfang Februar das Standesamt von Petra Süsens übernommen. Letztere hatte laut Zangenfeind Ende 2016 ihre Tätigkeit im Rathaus beendet, weil sie eine andere Stelle gefunden hatte. Seitdem suchte die Gemeinde händeringend nach Ersatz. Alleine schon durch die tausend Geburten pro Jahr im Krankenhaus Agatharied fällt im Haushamer Standesamt jede Menge Arbeit an. Umso glücklicher ist der Bürgermeister, in Harwart eine erfahrene Nachfolgerin gefunden zu haben.

Die 44-Jährige arbeitete zuvor im Bürgeramt Süd in Nürnberg. Als ihr Lebensgefährte dann beruflich in den Süden musste, fuhr auch Harwart häufiger in den Landkreis. „Bei einem Ausflug an den Schliersee habe ich gesehen, wie schön es hier ist“, erzählt die Standesbeamtin. Per Zufall wurde sie auf die Stellenanzeige der Gemeinde Hausham aufmerksam – und sie zögerte nicht. Im Gemeinderat wurde sie nun einstimmig als Leiterin des Standesamts ernannt.

Für ihre neue Aufgabe fühlt sich Harwart gut vorbereitet. Auch in Nürnberg deckte sie das gesamte Aufgabenspektrum im Standesamt ab – von Geburten über Trauungen bis hin zu Sterbefällen. „Trotzdem muss ich noch einiges dazulernen“, sagt sie. Vor allem mit Flüchtlingen hatte sie bisher nichts zu tun. Weil die oft keine Dokumente bei sich hätten, sei die Beurkundung von Geburten mit großem Aufwand verbunden.

Der Trend zu außergewöhnlichen Trauorten ist Harwart hingegen gut bekannt. So hat sie in Nürnberg etwa immer wieder Ehen auf der Burg geschlossen. Ein Trauzimmer auf einem Berg hat aber auch sie noch nicht erlebt. Und erst recht keins, das sich auf zwei Gemeinden erstreckt.

sg

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