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Asylbewerber statt Sport: Die Landkreis-Turnhalle in Hausham ist als Unterkunft im Gespräch.

Landratsamt Miesbach plant Belegung

Landkreis-Turnhalle in Hausham für Flüchtlinge im Gespräch

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Hausham - Die nächste Sportstätte steht kurz davor, mit Asylbewerbern belegt zu werden. Das Landratsamt plant, in der Landkreis-Turnhalle in Hausham eine Flüchtlingsunterkunft einzurichten. Ein Szenario, das Bürgermeister Jens Zangenfeind unbedingt verhindern möchte.

Von den Plänen, die ihn umtreiben, weiß Jens Zangenfeind seit einigen Tagen. „Der Landkreis beabsichtigt, die Dreifachturnhalle für Flüchtlinge einzusetzen“, sagt Haushams Bürgermeister. Bis zu 200 Asylbewerber sollen dort unterkommen. Doch bevor eine Entscheidung ergeht, bat der Rathaus-Chef um eine außerordentliche Bürgermeister-Dienstbesprechung – „als Hilfeschrei“ an die Gemeinden und das Landratsamt. „Wir müssen alles versuchen, um das zu vermeiden“, sagt Zangenfeind. Bei dem Treffen am Montag appellierte er an die anderen 16 Landkreis-Gemeinden, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten – als Alternative zur Turnhalle. 

Der Plan der Behörde: In etwa vier Wochen – wegen der nötigen Umgestaltung der Sportstätte zu Wohnraum – sollen die ersten 29 Flüchtlinge in der Turnhalle einziehen. Wöchentlich sollen weitere 29 hinzukommen, bis die Maximalzahl von 200 erreicht ist. Das berichteten Vize-Landrätin Ingrid Pongratz und ein Mitarbeiter des Landratsamtes Zangenfeind Anfang vergangener Woche. „Alle sind sich der Verantwortung bewusst“, betont Miesbachs Bürgermeisterin Pongratz, „aber wo sollen wir die Menschen unterbringen?“ Zumal die Masse der in den vergangenen Wochen angekommenen Flüchtlinge sich bald auch im Landkreis bemerkbar machen werde. 

Für Zangenfeind ist die Turnhalle dennoch eine schlechte Lösung. „Das Landratsamt hat ein Problem, es wäre aber ein Armutszeugnis“, findet er. Seine Befürchtung: „Das ginge zu Lasten der Anton-Weilmaier-Schule.“ Die 202 Kinder und Jugendlichen aus dem Landkreis, die die Förderschule besuchen, seien wegen ihrer Behinderung und Aufmerksamkeitsstörung dringend auf die Sportmöglichkeit angewiesen. „Sport ist Teil des Therapie- und Beschulungskonzepts“, erklärt Zangenfeind. Neben den regulären Sportstunden stehen so auch Einzeltherapien nach Bedarf auf dem Stundenplan. „Die Kinder können wegen ihres Behinderungsgrads nicht einfach woanders hingebracht werden. Schon in die Schule zu kommen, ist für sie ein Riesen-Kraftakt.“ Zudem seien die Förderschüler an feste Abläufe gebunden. Nächstes Problem: „Die Halle und das Schulgebäude sind eins. Die Asylbewerber stehen dann auf dem Schulgelände.“ 

Eine problematische Situation – neben den ohnehin großen Abstrichen für die Schüler, die die Halle vor allem vormittags nutzen, und den Vereinen, die nachmittags dort sporteln. Ohnehin zieht Zangenfeind dezentrale Unterkünfte und kleine Wohneinheiten den Sammelunterkünften vor. „Eine Massenunterkunft bietet in jeder Hinsicht Konfliktstoff, bei Anwohnern und Asylbewerbern“, sagt er. „Eine Turnhalle sollte die letzte Möglichkeit sein.“ 

Um das Szenario abzuwenden, bat er die anderen Kommunen bei der Dienstbesprechung um Solidarität. Und verschiedene Gemeinden hätten ihre Hilfe erklärt. „Uns ist allen bewusst, dass wir eine Verantwortung haben“, betont Zangenfeind. In seiner Gemeinde möchte er daher neben den 49 Flüchtlingen, die schon in Hausham wohnen, 30 weitere aufnehmen – die Quote sieht nur zwölf vor. Ein Ergebnis gab es bei der Sondersitzung noch nicht. Wann das der Fall ist, ist noch offen. Das Landratsamt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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