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Herr über den Computerraum – und noch mehr: Rudi Geidner geht nach 34 Jahren als Haushamer Volkshochschulleiter in den Ruhestand. Das gut ausgestattete Haus war sein Stolz. 

Rudi Geidner geht in den Ruhestand

Langjähriger Leiter über die Stärke der vhs Hausham: „Wir sind Generalisten.“

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Die Lehrerschwemme an den Realschulen brachte Rudi Geidner 1984 in die Erwachsenenbildung. Jetzt geht der Leiter der Volkshochschule Hausham in den Ruhestand. 

Hausham – Die Lehrerschwemme an den Realschulen brachte Rudi Geidner 1984 in die Erwachsenenbildung. Statt Jugendliche in Biologie und Erdkunde zu unterrichten, organisierte er fortan PC-Kurse, Rückentrainings und Englisch-Stunden. In 34 Jahren machte Geidner die Volkshochschule (vhs) Hausham zu dem, was sie heute ist: ein Ort der Bildung, Inspiration – und des sozialen Austauschs. Ende August geht der Chef der 1946 gegründeten und damit ältesten und einzigen kommunal getragenen vhs des Landkreises nun in den Ruhestand. Im Interview erklärt der 64-jährige Tegernseer, wie sich die Erwachsenenbildung über die Jahre verändert hat und warum sie auch in Zeiten von Online-Seminaren und Fusionsbestrebungen noch eine Zukunft hat.

-Herr Geidner, was macht einen guten vhs-Kurs aus?

Rudi Geidner: In erster Linie ein guter Dozent. Der muss nicht nur fachlich top sein, sondern auch menschlich. Wenn der Draht zu den Teilnehmern stimmt, dann läuft es. Der soziale Aspekt ist unsere große Stärke als Volkshochschule. Ich denke da an einen unserer Englischkurse. Da sind Leute seit 20 Jahren regelmäßig mit dabei. Die kommen nicht mehr nur fürs Vokabellernen, sondern um sich überwiegend gemeinsam auf Englisch zu unterhalten – und gemütlich Kaffee zu trinken. Wenn es das nicht geben würde, wäre auch der Kurs nicht mehr da.

-Aber so etwas kann man ja im Vorfeld schlecht planen, oder?

Rudi Geidner: Ich hab mich da immer auf mein Bauchgefühl verlassen. Wenn sich ein Dozent zum ersten Mal vorstellt, bekommt man schon einen ganz guten Eindruck von ihm. Zertifikate alleine waren für mich nicht ausschlaggebend. Eine Hausfrau mit Yoga-Ausbildung war mir lieber als ein zertifizierter Yoga-Lehrer, der seinen Kurs nur runter rattert. Trotzdem habe ich immer darauf geachtet, dass alle Qualitätsstandards eingehalten werden. Vor allem im Gesundheitsbereich sind die Vorgaben sehr streng.

-Wie viele Freiheiten hatten Sie da noch bei der Auswahl der Kurse?

Rudi Geidner: Durch die Breite unseres Angebots eigentlich schon sehr viele. Ich habe aber nie einen Kurs ins Programm genommen, in den ich mich nicht selbst reingesetzt hätte. Also so was wie Wünschelruten-Gehen wäre für mich nicht in Frage gekommen. Als Volkshochschule muss man schon seriös bleiben. Aber man muss auch mal was ausprobieren. Ich hatte schon oft Kurse, wo ich mir kaum vorstellen konnte, dass sie zustande kommen – und wurde positiv überrascht. Wir vhs-Leute sind in gewisser Weise Generalisten.

-Wie hat sich das Angebot denn über die Jahre verändert?

Rudi Geidner: Es ist vor allem viel, viel größer geworden. Als ich angefangen habe, hatten wir 900 Doppelstunden im Programm. Heute sind es 3500. Früher waren Schreibmaschinen- und Stenokurse gefragt, später dann PC-Unterricht. Deshalb haben wir auch in einen eigenen Computerraum investiert. Der ist gelaufen wie geschnitten Brot. Das geht jetzt wieder zurück. Es gibt aber auch Klassiker, die sich über all die Jahre gehalten haben.

Lesen Sie auch: Volkshochschulen vor Reform: Zusammenschlüsse noch dieses Jahr?

-Zum Beispiel?

Rudi Geidner: Unsere Gesundheitskurse. Die laufen eigentlich immer. Anders als ein Fitnessstudio haben die Leute bei uns einen festen Termin und trainieren in der Gruppe. Auch im Sport macht das soziale Miteinander sehr viel aus.

-In anderen Bereichen geht der Trend aber mehr zum digitalen Lernen. Wie kann die Volkshochschule da noch bestehen?

Rudi Geidner: Zum einen bieten wir selbst Online-Kurse – sogenannte Webinare – an. Die Teilnehmer und Dozenten haben da den Vorteil, dass wir uns um die Organisation und Abwicklung kümmern, sie müssen sich nur einloggen. Ein zweites Standbein sind Schulungen, die Firmen bei uns buchen. Damit können wir auch unseren Computerraum noch nutzen. Überhaupt ist es ein großer Pluspunkt, dass wir ein so modernes Haus für uns alleine haben.

-Wie ist es dazu gekommen?

Rudi Geidner: Ursache war eigentlich eine Notlage. Wie die meisten anderen Volkshochschulen war die vhs-Hausham ein Verein mit einem ehrenamtlichen Vorstand. Als die Budgetverantwortung immer größer geworden ist, wollte niemand mehr das Haftungsrisiko eingehen. So ist die Idee entstanden, die vhs in einen kommunalen Betrieb zu überführen.

-Hatten Sie nie Angst, Ihre Eigenständigkeit zu verlieren?

Rudi Geidner: Nein, und das musste ich auch nicht. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat uns nur Vorteile gebracht. Nicht zuletzt konnten wir so im Jahr 2007 vom Haus der Vereine an der Brentenstraße in unser schönes, eigenes Gebäude neben der Sparkasse umziehen.

-Dann sehen Sie auch die anstehende Neustrukturierung der Volkshochschulen im Landkreis entspannt?

Rudi Geidner: Grundsätzlich schon. Auch wenn vieles noch zu klären ist, geht es meines Erachtens in die richtige Richtung. Erfreulich ist, dass die politische Bereitschaft für einen Verbund da ist. Ob das nun in Form eines Zweckverbands oder in einer anderen Struktur geschieht, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass wir nur so weiter an staatliche Fördergelder kommen – und somit unseren fachlichen wie sozialen Aufgaben weiter nachkommen können.

Die Nachfolge

von Rudi Geidner als Leiter der Volkshochschule Hausham wird ab 1. September die ebenfalls bereits vhs-erfahrene Danielle Döbbener übernehmen.

Der aktuelle Stand der Umstrukturierung

Sechs von sieben Volkshochschulen (vhs) im Landkreis werden von einem Verein getragen, und auch der Kreisverband wird ehrenamtlich geführt. Die Strukturen seien wesentlich für den Aufbau der Erwachsenenbildung im Landkreis gewesen, berichtete Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) nun im Gemeinderat. Den heutigen Anforderungen an Professionalität, Organisation und Qualität würden sie aber nicht mehr genügen. 

Bereits seit Längerem prüft eine Arbeitsgruppe, wie sich die Volkshochschulen im Landkreis gemeinschaftlich neu aufstellen können, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren (wir berichteten). Im nächsten Schritt sollen nun alle Gemeinde- und Stadträte einen Grundsatzbeschluss fällen. Das Haushamer Gremium sprach sich einstimmig dafür aus. „Unsere Volkshochschule wird eh schon kommunal betrieben“, erklärte Zangenfeind. In welcher Rechtsform der kreisweite Zusammenschluss erfolgen soll, sei noch nicht geklärt. Im Gespräch seien ein Verein und ein Zweckverband. 

Fest stehe jedoch, dass die Volkshochschulen durch neue Vorschriften des Kultusministeriums nur noch dann eine Zertifizierung und damit Fördermittel erhalte, wenn sie bis 2020 ein Qualitätsmanagementsystem nachweisen kann. Dies sei bislang in keiner vhs im Landkreis der Fall. Bis auf die vhs Holzkirchen-Otterfing sei auch keine Schule für eine Mitgliedschaft im bayerischen Verband zugelassen. Zangenfeind signalisierte bereits seine Unterstützung für eine neue, landkreisweite Struktur. „Es wäre klasse, wenn hier alle Städte und Gemeinden zusammen helfen würden.“

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