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Stein des Anstoßes: Eine Visualisierung zeigt, wie das Neubaugebiet in Hausham-Abwinkl aussehen könnte. Mittig ist die Wohnbebauung zu sehen, rechts die Gebäude des neuen Haus Bambi der Lebenshilfe.

Gefahr für das neue Haus Bambi

Lebenshilfe-Chefin zum potenziellen Bürgerbegehren in Hausham

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Kommt es zum Bürgerentscheid? Seit der Landschaftsschutzverein Unterschriften gegen das geplante Baugebiet in Hausham-Abwinkl sammelt, stellen sich viele im Ort diese Frage. Wie die Lebenshilfe damit umgeht, erklärt Geschäftsführerin Inga Kockerols (53) im Interview.

Hausham – Kommt es zum Bürgerentscheid? Seit der Landschaftsschutzverein Unterschriften gegen das geplante Baugebiet in Hausham-Abwinkl sammelt, stellen sich viele im Ort diese Frage. Wie man bei der Lebenshilfe mit der potenziellen Gefahr für das neue Haus Bambi umgeht, erklärt Geschäftsführerin Inga Kockerols (53) im Interview.

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Lebenshilfe-Chefin zum potenziellen Bürgerbegehren in Hausham

Frau Kockerols, die Unterschriftensammlung gegen das Baugebiet und damit auch das Haus Bambi in Hausham-Abwinkl läuft. Wie ist Ihre Stimmungslage?

Grundsätzlich bin ich ein Fan von jeder Art der Bürgerbeteiligung. Früher habe ich mich sogar selbst so engagiert. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich erstmals gegen ein Baugebiet demonstriert. Verhindert haben wir es damals nicht, aber geschafft, dass es sich besser in die Landschaft einfügt.

Also müssten Sie auch das Anliegen des Landschaftsschutzvereins Hausham nachvollziehen können.

Dass sich Bürger kritisch zu Bauvorhaben äußern, ist absolut legitim. Ich weiß aber nicht, ob in diesem speziellen Fall wirklich ein Bürgerbegehren angebracht ist. Denn eigentlich hat die Beteiligung hier ja bereits auf Initiative der Gemeinde stattgefunden. Die Verwaltung im Rathaus und der Gemeinderat haben jedes einzelne Argument geprüft und, wo notwendig, in die Planungen einfließen lassen. So weit ich es sehe, sind eigentlich alle Fragen beantwortet.

Das sehen die Initiatoren der Unterschriftensammlung aber anders. Sie betonen immer wieder, dass das Haus Bambi an anderer Stelle in Hausham besser aufgehoben wäre.

Darum haben wir wiederholt weitere mögliche Standorte geprüft. Wohlgemerkt auch das vom Landschaftsschutzverein vorgeschlagene Grundstück an der Tegernseer Straße, das sich übrigens auch im Landschaftsschutzgebiet befindet. Hier haben wir sämtliche baulichen Möglichkeiten intensiv und sorgfältig ausgelotet. Leider konnten wir aber kein positives Ergebnis erzielen.

Wieso nicht?

Details aus den Verhandlungen können wir schlicht nicht nennen, weil wir da zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Darum tun wir uns ja so schwer, es den Leuten glaubhaft zu versichern, dass es wirklich keine andere Option für uns gibt.

Und eine Ertüchtigung des Haus Bambi war nie ein Thema?

Das wäre einfach in keinem vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis gestanden. Warum nicht, zeigt unsere aktuelle Situation. Weil sich die Planung des Neubaus immer weiter verzögert, müssen wir nun notgedrungenerweise das alte Haus Bambi übergangsweise umgestalten und ertüchtigen.

Warum?

Weil sich die Bedürfnisse unserer jungen Bewohner geändert haben und sich daraus auch Auflagen der Aufsichtsbehörde ergeben. Autistische Kinder brauchen Einzelzimmer, weshalb wir einige Doppelzimmer aufgegeben haben. Damit haben wir aber einen festen Platz und drei Kurzzeitplätze und einen festen Platz verloren.

Inga Kockerols (53), Geschäftsführerin Lebenshilfe Miesbach

Das bedeutet?

Eine schlimme Zeit vor allem für Familien, deren Kinder mit Behinderung noch zu Hause leben. Sie sind auf die Entlastung durch die Kurzzeitbetreuung dringend angewiesen, um wenigstens ein- oder zweimal pro Jahr neue Kraft schöpfen zu können. Aber auch die Beschäftigungsangebote drinnen und draußen reichen im Haus Bambi nicht mehr aus. Das Gebäude ist eigentlich auf immobile Kinder und Jugendliche ausgelegt. Unsere jetzigen Bewohner haben dagegen einen größeren Bewegungsdrang. Ach ja: In den Aufzug und die Brandschutzvorrichtungen müssen wir auch noch investieren.

Wie viel?

Insgesamt werden wir rund 250 000 Euro ins Haus Bambi stecken. Sehr viel Geld für eine Übergangslösung. Und eine Menge Planungs- und Verhandlungsaufwand mit den verschiedenen Fachstellen und Behörden, den ich ehrlich gesagt lieber in unseren Neubau in Hausham investieren würde.

Fürchten Sie, dass sich der Zeitplan durch ein Bürgerbegehren weiter verzögern könnte?

Aktuell bin ich noch relativ ruhig. Ich gehe davon aus, dass dieses Instrument mit Bedacht eingesetzt wird und es weiterhin bei einem sachlichen Argumentationsaustausch bleibt. Sollte es aber wirklich auf einen Bürgerentscheid zulaufen, könnte es sein, dass sich das Verfahren noch länger als die jetzt schon von uns kalkulierten sechs Jahre hinzieht. Sollte das wirklich passieren, weiß ich nicht, wie wir es im Haus Bambi noch länger aushalten sollen und wie lange wir noch Kompromisse mit den Aufsichtsbehörden finden können.

Das Gespräch führte Sebastian Grauvogl.

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