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Interview im Wald: Gerhard Klante (l.) lässt sich im Hausham-Film vom mittlerweile verstorbenen Geschichtskenner Martin Steinhilber zum Franzosenstollen führen.

Filmemacher haben schon vier DVDs zusammen

Filmprojekt über Ortsgeschichte: Gemeinderäte gegen Fortsetzung

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Hausham - Haushams geballte Ortsgeschichte auf vier DVDs - das ist das Werk von Gerhard Klante und Mathias Huber. Die würden gern weitermachen. Die Begeisterung der Gemeinderäte hält sich in Grenzen.

Wie ein Höhlenforscher kriecht Gerhard Klante in den alten Franzosenstollen. Mit der Taschenlampe in der Hand tastet er sich in die Geschichte Haushams vor. Ein echter Heimatfilmer scheut eben keine Mühen, um den Zuschauern einen möglichst authentischen Eindruck der Gemeinde zu vermitteln.

Seit mehreren Jahren schon ist Klante mit dem Haushamer Filmemacher Mathias Huber unterwegs, um die Geschichte seines Heimatortes zu dokumentieren. Im Gemeinderat hat der FW-Vertreter nun einen Zwischenbericht über das „Jahrhundertprojekt“ abgegeben – und dabei seinen Kollegen am Ratstisch ein paar Ausschnitte aus „Hausham – Die schwarze Perle des Oberlandes“ vorgespielt.

Schon anhand des sechsminütigen Clips zeigte sich, dass Haushams Geschichte zwar eng, aber nicht nur mit dem Bergwerk verbunden ist. So sind neben Szenen aus dem Film „Die letzte Schicht“ über die Grubenschließung 1966 auch Aufnahmen von waghalsigen Skispringern zu sehen, die sich mit rudernden Armen die Jahnschanze hinunterstürzen. Auch Zeitzeugen, die über verschiedene Ereignissen im Gemeindeleben berichten, lässt Klante zu Wort kommen.

Was zuerst als abgeschlossener Film geplant war, hat sich laut Klante im Laufe der Zeit zu einer Fortsetzungsgeschichte auf vier DVDs ausgewachsen. Die Kamera komplett ausschalten möchte der Berufsschullehrer auch in Zukunft nicht. Ob neues Rathaus, Ortszentrum oder das geplante Wohngebiet in Abwinkl: „Es bewegt sich viel in Hausham“, sagt er. Auch diese Ereignisse gelte es für die nachfolgenden Generationen festzuhalten.

Bürgermeister Jens Zangenfeind (FW) schloss sich Klantes Ansicht an. Er schlug vor, die bisher erstellten Filmbeiträge in einer Mediathek nach Zeitepochen zu katalogisieren und auf der Internetseite der Gemeinde der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ferner empfahl er, Klante und Filmemacher Huber bis 2018 ein Jahresbudget von 4000 Euro zur Verfügung zu stellen. Verbunden mit dem Auftrag, zukünftige Ereignisse – wie zum Beispiel den anstehenden Abriss des alten Alpengroßmarkts – mit der Kamera festzuhalten und zudem einen dreiminütigen Imagefilm inklusive Drohnenflug über Hausham zu erstellen.

Die Begeisterung am Ratstisch hielt sich jedoch in Grenzen. Zwar bescheinigten die Fraktionsvertreter Klante und Huber gute Arbeit, einen neuen Auftrag wollten sie aber noch nicht erteilen. „Mir gefallen die Filme gut, aber leider finde ich sie im Internet nicht mehr“, sagte Georg Eham (CSU). Klante bestätigte, dass die Videos bei Youtube gelöscht wurden. Dies, sagte er, sei aber ausdrücklicher Wunsch des Gemeinderats gewesen. Eham schüttelte den Kopf. „Das ist mir neu.“ Einer Fortführung des Projekts könne erst zustimmen, wenn die Filme wieder auf der Gemeinde-Homepage abrufbar seien. Auch Ehams Fraktionskollege Gottfried Bonleitner wollte „zuerst ein fertiges Ergebnis sehen“.

Einen weiteren Punkt auf die Aufgabenliste der Filmemacher setzte Hubert Lacrouts (CSU). Er wünschte sich ein Gesamtkonzept mit chronologischer Auflistung und Stichwortsuche für die Filmbeiträge. „Nur ins Internet stellen hilft uns nichts“, sagte er.

Der Bürgermeister nahm den Wunsch des Gremiums auf und bot an, die Abstimmung vorerst zu verschieben. Während Klante und Huber ihr bisheriges Material wieder ins Internet einstellen, sollten sich die Gemeinderäte Gedanken machen, in welche Richtung das Filmprojekt künftig gehen soll. „Wir müssen denen schon sagen, was wir genau wollen.“

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