Danielle Döbbener, Leiterin des vhs Zentrums Hausham-Schliersee-Fischbachau
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Danielle Döbbener, Leiterin des vhs Zentrums Hausham-Schliersee-Fischbachau.

Aktion zu 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

„Meet a Jew“ : vhs will mit Online-Treffen Begegnungen mit jüdischer Kultur fördern

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Mangelndes Wissen mündet oft in Vorurteilen. Um diese gegenüber der jüdischen Kultur abzubauen, möchte die Volkshochschule Begegnungen ermöglichen - mit der Aktion „Meet a Jew“.

Hausham – Höchstens in der Schule oder im Museum sind die meisten Landkreisbürger der jüdischen Kultur begegnet. Ansonsten verbindet man oft nur Schlagworte wie Antisemitismus oder den Nahost-Konflikt mit dieser Weltreligion. Wie Juden eigentlich leben und was ihre Kultur ausmacht, können Interessierte nun bei einer persönlichen Begegnung in einer Online-Veranstaltung unter dem Titel „Meet a Jew“ (zu Deutsch „Treffe einen Juden“) am Mittwoch, 16.  Juni, aus erster Hand erfahren. Organisiert wird der Austausch vom Volkshochschulzentrum Hausham-Schliersee-Fischbachau. Wie die Idee dazu entstanden ist und was sie sich davon verspricht, erklärt die Leiterin des vhs-Zentrums, Danielle Döbbener, im Interview mit unserer Zeitung.

Frau Döbbener, wie gut kennen Sie sich mit der jüdischen Kultur aus?

Danielle Döbbener: Ehrlich gesagt hatte ich bislang kaum Berührungspunkte damit. Ich bin in einem katholischen Teil Frankreichs aufgewachsen. Und auch hier im Oberland ist der jüdische Glaube bekanntlich nicht sehr präsent. Deshalb bin ich auch sehr neugierig auf „Meet a Jew“.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, diesen Punkt ins Programm des vhs-Zentrums Hausham-Schliersee-Fischbachau aufzunehmen?

Danielle Döbbener: Ausgangspunkt war das Jubiläumsjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, das heuer überall mit besonderen Angeboten gewürdigt wird. Auch die Volkshochschulen beteiligen sich daran. Über eine Recherche im Internet bin ich dann auf die Aktion „Meet a Jew“ des Zentralrats der Juden gestoßen. Da habe ich Kontakt aufgenommen und auch sehr schnell eine positive Antwort bekommen. Die Planung selbst war dann aber schon ziemlich ungewöhnlich.

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Inwiefern?

Danielle Döbbener: Weil die Sicherheitsvorschriften sehr streng sind. So erfahren wir beispielsweise erst kurz vorher, wer bei der Veranstaltung als Referent auftritt. Da es sich ganz bewusst um keine Prominenten, sondern um Privatpersonen handelt, werden die Namen vorab nicht veröffentlicht. Hätten wir das Treffen wie ursprünglich geplant in Präsenz abgehalten, hätten den genauen Ort nur die angemeldeten Gäste erfahren. Man sieht, wie sehr die jüdischen Menschen in unserem Land auch heute noch um ihre Sicherheit fürchten müssen. Das ist schon sehr bedenklich.

Die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts hat nicht gerade geholfen, die Situation zu entspannen.

Danielle Döbbener: Leider ja. Aber umso mehr braucht es Formate der Begegnung wie „Meet a Jew“, die den kulturellen und religiösen Austausch auf ungezwungene Weise ermöglichen und so dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Vieles entsteht durch falsches oder zu wenig Wissen. Solche Missverständnisse wollen wir mit unserer Veranstaltung ausräumen.

Wird die aktuelle Politik auch ein Thema sein?

Danielle Döbbener: Nein, ganz bewusst nicht. Ziel der Aktion ist es, zu zeigen, dass es viel mehr Themen als Antisemitismus, die Shoah oder den Nahost-Konflikt gibt, über die wir miteinander sprechen können. Und das sind Inhalte, die eine persönliche Begegnung besser vermitteln kann als tausend Bücher zusammen.

sg

Anmeldungen zur Online-Veranstaltung „Meet a Jew“

am Mittwoch, 16. Juni, von 19 bis 20.30 Uhr im Programm der Volkshochschule Oberland sind möglich unter 0 80 24 / 46 78 930, per E-Mail an hausham@vhs-oberland.de oder über die Internetseite www.vhs-oberland.de. Die Teilnahme ist gebührenfrei.

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