Das Krankenhaus Agatharied verzeichnet fünf Covid-Patienten auf der Intensivstation.
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Das Krankenhaus Agatharied verzeichnet fünf Covid-Patienten auf der Intensivstation

Klinik hat Ausweichplan erarbeitet

Wegen steigender Corona-Zahlen: Krankenhaus nahe Miesbach kommt an Kapazitätsgrenzen

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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  • Bettina Stuhlweißenburg
    Bettina Stuhlweißenburg
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Im Krankenhaus Agatharied im Landkreis Miesbach wird es langsam eng. Fünf Corona-Patienten liegen momentan auf der Intensivstation. Das belastet Ärzte, Pfleger und Kapazitäten.

Update 12. April, 11.30 Uhr: Krankenhaus appelliert an Bevölkerung

Agatharied – Wegen der Belastung durch Corona-Patienten hat das Krankenhaus Agatharied an die Landkreis-Bürger appelliert, Ansteckungen zu vermeiden. „Niemand weiß, wie der eigene Körper auf eine Covid-Erkrankung reagiert“, sagt eine Sprecherin. „Ob milder Verlauf, Intensivpflichtigkeit oder gar Langzeitschäden lässt sich leider nie vorhersagen. Leichtsinnig mit der Infektionsgefahr umzugehen wäre wie ein Spiel mit dem Feuer.“

Die Lage

Wie berichtet, hat sich die Belegung der Intensivstation mit Corona-Patienten im Krankenhaus vergangene Woche der derzeitigen Kapazitätsgrenze genähert. Diese könne zwar erhöht werden, betont die Klinik. Beispielsweise könnte beatmungserfahrenes Personal aus dem OP-Saal Covid-Patienten versorgen. Dies koste aber immer anderswo Kapazitäten – im Beispiel könnten weniger OPs durchgeführt werden.

Seit vergangener Woche hat sich die Lage in Agatharied entspannt. Damals lagen fünf Covid-Patienten auf der Intensivstation, vier von ihnen wurden beatmet. Derzeit sind laut Intensivregister zwar weiter fünf Covid-Patienten auf der Intensivstation. Es werden aber nur zwei von ihnen invasiv beatmet. Vier von insgesamt 26 Intensivbetten sind frei. Damit kann das Krankenhaus Notfälle verarzten. Trotzdem erzählen diese Zahlen nur einen Teil der Geschichte.

Die Belastung

Die wahre Belastung des Krankenhauses verrät ein genauerer Blick in die Zahlen. Die Intensivstation Agatharied besteht aus zwei Teilen: einem sogenannten „High Care“-Bereich mit 14 Betten für die schwersten Fälle und einem „Intermediate Care“-Bereich mit zwölf Betten als Zwischenstufe von Normalstation und High Care. Intermediate Care-Plätze versorgen Patienten etwa nach OPs, Schlaganfällen und Herzinfarkten. Sie haben keine Beatmungsgeräte. Diese gibt es an High Care-Plätzen, ebenso wie die die Möglichkeit zur für Corona-Patienten wichtigen Bauchlagerung – dem höheren Personalschlüssel sei Dank.

Das Problem: Corona trifft den High Care-Bereich stärker. Hier lagen laut der Sprecherin am Freitag vier Patienten, im Intermediate Care-Bereich nur einer. Das hat zwei Folgen: Einerseits fordern High Care-Betten das Personal besonders. Die zusätzlichen Geräte müssen bedient, die Patienten versorgt und kontrolliert werden. Schlägt Corona hier durch, schwitzen Pfleger und Ärzte doppelt. Andererseits bleiben durch die vielen Covid-Patienten im High Care-Bereich weniger Betten für andere Notfälle.

Die Notlösung

Sollte die Zahl der Corona-Patienten auf der High Care-Station höher steigen als am Freitag, wäre das Krankenhaus vorbereitet: Während der ersten Corona--Welle hat es die zwölf Intermediate Care-Betten so umgebaut, dass sie kurzfristig zu Beatmungsbetten aufgerüstet werden können. So könnte es schnell neue Kapazitäten für mehr schwere Fälle schaffen.

Das wäre aber eher eine Notlösung: Erstens fehlten dann Betten auf der Intermediate Care-Station. Zweitens müsste das Krankenhaus Pfleger und Ärzte aus anderen Bereichen abziehen, um den höheren Personalbedarf der Beatmungsbetten zu decken. Dies würde den OP-Betrieb weiter einschränken, unter Umständen sogar bei dringlichen Operationen wie der Tumorentfernung.

„Je mehr Covid-Intensivpatienten, desto weniger Kapazitäten für OP-Möglichkeiten und invasive Vorsorgeuntersuchungen für Nicht-Covid-Patienten“, fasst die Sprecherin zusammen. Botschaft: Der Tausch ist möglich. Aber man sollte ihn vermeiden.

Originalartikel, 10. April: Wegen steigender Corona-Zahlen: Krankenhaus nahe Miesbach kommt an Kapazitätsgrenzen

Agatharied – Das Krankenhaus Agatharied kommt an seine Grenzen: Fünf Covid-19-Patienten liegen derzeit auf der Intensivstation, vier von ihnen müssen invasiv beamtet werden. „Unsere Personalkapazitäten und die Belegungskalkulation erlauben eine Unterbringung von maximal sechs Covid-19-Patienten auf der Intensivstation“, teilte Pressesprecherin Melanie Speicher auf Nachfrage mit.

Corona im Landkreis Miesbach: Operationen stark reduziert - Pro Tag kann ein Patient operiert werden

Bis zu diesem Maße könnten die OP-Säle weiter betrieben werden – wenn auch nur mit einem schon jetzt stark reduzierten Operationsprogramm. Bei dringenden, planbaren Eingriffen werde bei der Einbestellung berücksichtigt, ob im Anschluss eine intensivmedizinische Versorgung notwendig sei. Pro Tag könne derzeit nur einer dieser Patienten operiert werden.

Vor Ostern hatte die Klinik nur einen Covid-Patienten auf der Intensivstation. Der Anstieg auf fünf liegt laut Speicher an den steigenden Infektionszahlen insgesamt: „Mit dem Anstieg der Covid-19-Fälle in der Region steigt auch die Zahl der Fälle, die eine intensivmedizinische Versorgung brauchen.“ Allerdings lasse sich aus der Inzidenz keine Prognose für die Auslastung der Intensivstation ableiten: „Das Testverhalten hat sich verändert, dazu kommen die unterschiedlichen Mutationen.“ Ein Großteil der Risikogruppen sei bereits geimpft.

Corona-Zahlen im Landkreis Miesbach steigen: Krankenhaus hat Ausweichplan erarbeitet - „Notfallversorgung jederzeit gesichert“

„Ob es vermehrt zu schweren Verläufen kommt oder ob zwar die Zahl der Neuinfektionen steigt, dies sich aber in überschaubarem Maße auf das Krankenhaus auswirkt, bleibt abzuwarten.“ Für den Fall eines weiteren Anstiegs hat das Krankenhaus einen Ausweichplan erarbeitet. Eine Normalstation könnte dann zur Intensivbehandlung umfunktioniert werden. Bereits im vergangenen Sommer hat die Klinik die dafür notwendigen technischen Vorkehrungen getroffen. „Trotz der angespannten Situation ist die Notfallversorgung jederzeit gesichert“, betont Speicher.

Das Landratsamt ist über das Plus von 35 Neuinfektionen am Donnerstag nicht überrascht: „Über die Feiertage wurde weniger getestet, viele Praxen und Apotheken waren geschlossen“, teilte die Behörde mit. Das Contact Tracing Team sei dabei, die Kontakte nachzuvollziehen. Bisher scheint es sich weiter um ein diffuses Infektionsgeschehen zu handeln.  

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