+
Die Perspektive steht fest: Das Baugebiet in Hausham-Abwinkl kann kommen.

Baugebiet kann kommen

Nach Bürgerentscheid: Gemeinde will Planung für Baugebiet zügig fortführen

  • schließen

Die Bürger haben ihr Votum abgegeben: Das Baugebiet in Hausham-Abwinkl kann kommen. Wie die Stimmung am Tag nach dem Entscheid aussieht, zeigt unsere Analyse.

Hausham – Bürgerentscheide sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind sie ein hochdemokratisches Mittel, um die Bevölkerung über konkrete Projekte abstimmen zu lassen. Andererseits können sie aber auch zu einer starken Polarisierung in einer Gemeinde führen, die nicht selten tiefe Risse in der Ortsgemeinschaft hinterlässt. Das, ist Bürgermeister Jens Zangenfeind überzeugt, sei in Hausham nicht passiert. Selbst im Stimmbezirk des Alpengasthofs Glück Auf, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft des geplanten Baugebiets an der Huberbergstraße befindet, haben fast 60 Prozent der Wähler für die Wohnhäuser für einheimische Familien und das neue Haus Bambi der Lebenshilfe gestimmt. „Es ist Gott sei Dank zu keiner Spaltung gekommen“, sagt Zangenfeind sichtlich erleichtert.

Die Spannung war groß am Sonntagabend. Wie berichtet, zog sich die Bekanntgabe des Endergebnisses (siehe unten) lange hin. Erst um 20.40 Uhr ging die noch fehlende Meldung aus dem Stimmbezirk Grund- und Mittelschule ein. Gehakt hat es aber nicht an der Auszählung, sondern an der Datenerfassung, erklärt Zangenfeind. Schuld sein wohl ein technisches Problem gewesen. Am Ausgang des Bürgerentscheids haben die ausstehenden Stimmen aber nichts mehr verändert, im Gegenteil: Der Ausschlag ging sogar noch ein Stück weiter Richtung Ratsbegehren.

Mit diesem Ergebnis im Rücken werde die Gemeinde das Bebauungsplanverfahren nun weiter vorantreiben, sagt Zangenfeind. Noch heuer soll der Gemeinderat den Satzungsbeschluss fällen und einen Kriterienkatalog für die Vergabe der Parzellen ausarbeiten. 2021 will Zangenfeind dann das Bewerbungsverfahren durchführen, 2022 könnte die Erschließung der Grundstücke beginnen. Dass sich das Projekt durch die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit samt diverser kritischer Stellungnahmen in die Länge gezogen hat, sieht der Rathauschef auch positiv. „Wir haben schon so vieles durchgekaut und abgearbeitet, dass nicht mehr viel bis zur Genehmigung fehlt.“

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens bleiben da weiterhin anderer Auffassung. „Wir erwarten aufgrund der zahlreichen fachlichen Mängel, die aufgetreten sind, dass sämtliche Unterlagen im Rahmen der Auslegung zu den Bebauungsplänen veröffentlicht werden“, schreibt der Landschaftsschutzverein in seiner Stellungnahme. „Der Bürgerentscheid war ein letztes politisches und demokratisches Mittel, um gegen eine Gemeindepolitik nach Gutsherrenmanier Einfluss zu nehmen.“

Zeilen wie diese schmerzen Zangenfeind trotz des Erfolgs des Ratsbegehrens sehr. In seinen vielen Gesprächen – auch mit den Anwohnern in Abwinkl – habe er aber erfahren, dass man auch mit der großen Mehrheit der Gegner gut und sachlich diskutieren könne. „Das wollen wir auch weiterhin so handhaben.“ Dennoch hätten einige wenige „aggressiv und provokativ“ gearbeitet und versucht, mit bereits widerlegten Fakten Ängste und Unsicherheit zu erzeugen. „Diese Leute“, betont der Rathauschef, „sind aber zum Glück nicht repräsentativ für unseren ansonsten intakten Zusammenhalt in Hausham.“

Die endgültigen Ergebnisse im Detail:

Wegen der späten Bekanntgabe des Endergebnisses konnten wir im gestrigen Bericht über den Haushamer Bürgerentscheid nur mit vorläufigen Zahlen (vier von fünf ausgezählte Stimmbezirke) arbeiten. Hier nun nochmals alle endgültigen Daten: 

Ratsbegehren (pro Baugebiet): Ja: 1586 Stimmen (66,2 Prozent); Nein: 809 Stimmen (33,8 Prozent). 

Bürgerbegehren (gegen Baugebiet): Ja: 912 Stimmen (41 Prozent); Nein: 1312 Stimmen (59 Prozent). 

Stichfrage: pro Baugebiet 1519 Stimmen (63,8 Prozent), contra Baugebiet 863 Stimmen (36,2 Prozent). 

2485 von 6404 Wahlberechtigte haben am Bürgerentscheid teilgenommen. Eine Beteiligung von 38,8 Prozent.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Irrer Kuhglocken-Streit! Frau fühlt sich gestört - Richter knallhart
Der Kuhglockenstreit von Holzkirchen endete nun - kurz nach einem ungewöhnlichen Termin vor Ort. Die Frage, ob es auch GPS statt Glocke täte, sollte geklärt sein.
Irrer Kuhglocken-Streit! Frau fühlt sich gestört - Richter knallhart
Schliersee: Senioren bleiben in Problem-Heim
Die 85 Senioren, die noch in dem von Corona betroffenen Heim in Schliersee leben, sollen vorerst dort bleiben. Wegen zuletzt erheblicher Mängel eine schwere Entscheidung …
Schliersee: Senioren bleiben in Problem-Heim
Im Video-Stream: Musikkabarettist Erich Kogler mit „I möcht einfach nur da sitzen“
Nachdem die ersten beiden Streaming-Events so erfolgreich waren, liefern das FoolsTheater und der Holzkirchner Merkur nach: Musikkabarettist Erich Kogler tritt heute …
Im Video-Stream: Musikkabarettist Erich Kogler mit „I möcht einfach nur da sitzen“
Lockerungen reichen nicht: Schlierseer Kulturherbst abgesagt
Die jüngsten Lockerungen im Kulturbetrieb sind nicht genug. Deshalb ist der Schlierseer Kulturherbst abgesagt. Der Veranstalter erklärt Details.
Lockerungen reichen nicht: Schlierseer Kulturherbst abgesagt

Kommentare