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„Einzig machbare Lösung“: Bürgermeister verteidigt neuen Bahnübergang in Hausham

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Von: Sebastian Grauvogl

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Bahnübergang Hausham Luftbild Autos Stau
Seit Jahrzehnten ein verkehrstechnisches Nadelöhr: der Haushamer Bahnübergang. Bis Ende 2021 soll er um rund 70 Meter nach Norden verlegt werden. © Thomas Plettenberg

Eine Menge Kritik erntete die geplante Verlegung des Bahnübergangs Hausham. Zu unrecht, findet Bürgermeister Jens Zangenfeind. Im Interview erklärt er, warum.

Hausham – Fast 35 Jahre lang mussten die Haushamer auf eine Lösung für die Verkehrsprobleme am Bahnübergang warten. Jetzt, wo der Beginn des 5,5 Millionen-Euro-Großprojekts kurz bevorsteht, hagelt es immer mehr Kritik aus der Bevölkerung. Die Verlegung sei teuer und bringe kaum eine Verbesserung. Manche Gegner sprechen sogar von noch längeren Wartezeiten und bezeichnen die Maßnahme als „verkehrspolitische Fehlentscheidung“. Vorwürfe, die Bürgermeister Jens Zangenfeind nicht unkommentiert lassen möchte. Im Interview erklärt er, warum es keine machbaren Alternativen gibt – auch wenn ihm selbst eine andere Variante deutlich lieber gewesen wäre.

Herr Zangenfeind, glaubt man den Kritikern, hat Hausham mit der Verlegung des Bahnübergangs die sprichwörtliche Katze im Sack gekauft. Hätten Sie besser die Finger von dem Projekt lassen sollen?

Jens Zangenfeind: Das wäre gar nicht möglich gewesen. Die Bahn hat klargemacht, dass sich an der Situation in den kommenden Jahren etwas ändern muss. Spätestens mit der Elektrifizierung der Gleisstrecken muss der Bahnübergang technisch ertüchtigt werden. Die Alternative wäre eine dauerhafte Schließung.

...die mancher im Ort tatsächlich für sinnvoller hält.

Jens Zangenfeind: Ich nicht. Man stelle sich nur mal die Auswirkungen vor. Hausham wäre auf einer Länge von mehr als einem Kilometer zerschnitten. Eine Katastrophe für das Leben im Ort – und für den Verkehr sowieso. Dann nämlich würde sich alles auf die Spinne im Norden konzentrieren. Mit dem Ergebnis, dass wir damit neue Staus auf der ohnehin schon überlasteten B 307 provozieren würden. Rettungsdienst und Feuerwehr kämen nicht mehr schnell genug zum Einsatzort. So etwas kann sich kein Haushamer wünschen!

Jens Zangenfeind, Bürgermeister der Gemeinde Hausham.
Jens Zangenfeind, Bürgermeister der Gemeinde Hausham. © Thomas Plettenberg

Auch nicht testweise?

Jens Zangenfeind: Einen Probebetrieb gibt es nicht. Wenn die Schranken einmal weg sind, ist das Thema durch. Die Bahn hat unmissverständlich klargemacht, dass keine neuen Übergänge mehr gebaut werden. Wir in Hausham fallen mit der Verlegung noch unter den Bestandsschutz. Wenn wir diesen Status aufgeben, ist er für immer verloren. Das wäre ein risikoreiches Experiment, das ich niemals eingehen würde.

Lesen Sie auch: Wird die Verlegung des Bahnübergangs auf 2021 verschoben?

Außer, wenn dafür eine Unterführung kommen würde...

Jens Zangenfeind: Das wäre natürlich die Premiumlösung gewesen. Nur mit einem Tunnel beziehungsweise Trog unter dem Gleis hätten wir die Situation dauerhaft verbessern können. Da hätten wir auch gern nochmals fünf Jahre länger gewartet. Aber leider hatte diese Variante wegen der hohen Kosten absolut keine Chance auf Realisierung. Ich persönlich finde das sehr schade. Wir in Deutschland denken gerade bei Infrastrukturprojekten meist zu klein und sind zu zögerlich. Wir haben Schienen und Straßen auf steinzeitlichem, bestenfalls auf mittelalterlichem Niveau. Da reicht es nicht, nur an der Fassade herumzuspachteln. Es bräuchte eine gänzlich andere Substanz.

Die Verlegung des Bahnübergangs ist also lediglich die B-Lösung?

Jens Zangenfeind: Sie ist die einzig machbare Lösung! Wer sich mit den Fakten auseinandersetzt, wird zum Ergebnis gelangen, dass sich die Situation gegenüber der jetzigen verbessert. Vergleichen wir doch mal die Wartezeiten an der Schranke. Aktuell sind es zwölf Minuten, wenn der Zug aus Miesbach kommt, und drei Minuten aus Richtung Schliersee. Bei einem Halbstundentakt wären wir bei einer Schließzeit von 30 Minuten pro Stunde. Am neuen Bahnübergang sind die Schranken grundsätzlich vier Minuten zu, maximal also 16 Minuten pro Stunde.

Dann sind da aber noch die Ampeln, die sich auch auf den Verkehr auswirken, der die Gleise gar nicht überqueren will.

Jens Zangenfeind: Richtig. Ich habe auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich kein Freund von Ampeln bin. Tatsächlich aber sind die Rotphasen nur dafür da, den Kreuzungsbereich des Bahnübergangs vor der Schließung der Schranken zu räumen. Sind die erst mal unten, schalten die Signale für den Durchgangsverkehr wieder auf Grün. Die Abbiegesituation von der Schlierseer- in die Naturfreundestraße werden wir mit einer eigenen Spur verbessern.

Klingt alles sehr komplex.

Jens Zangenfeind: Das ist es auch. Deshalb wirken wir beim Straßenbauamt und den Fachplanern als Projektträger seit Monaten auf eine Infoveranstaltung für die Bürger hin. Die Einladung erfolgt so bald wie möglich. Gerne kann man uns auch Fragen ins Rathaus schicken. Wir beantworten sie entweder selbst oder geben sie an die zuständigen Planer weiter. Eines kann ich aber schon jetzt versichern: Alle wollen die bestmögliche Lösung für Hausham erreichen.

sg

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