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Auf gutes Gelingen: Der Vorsitzende der Betriebsgenossenschaft Staudenhäusl, Tobias Greil (M.), stößt mit (v.l.) Koch Marko Vorzic, den Pächtern Vlade Tabula und Bruno Vincek und Mitarbeiterin Tamara Perkovic auf die Wiedereröffnung der Gaststätte in Agatharied an.

Ab 19. März geht's los

Neue Pächter: Kroatische Küche im Staudenhäusl

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Agatharied - Na da schau her: Ab diesem Wochenende dampfen im Staudenhäusl in Agatharied wieder die Kochtöpfe. An Herd und Schänke stehen: Kroaten. 

Vlade Tabula (60) kann auch Schweinsbraten. Und natürlich wird’s eine bayerische Brotzeitkarte geben, verspricht der neue Pächter des Gasthofs Staudenhäusl in Agatharied. „Er hat auch schon Spanferkel gemacht“, sagt der gebürtige Kroate und deutet auf seinen Koch Marko Vorzic. Der stellt zum Beweis eine Kostprobe auf den Stammtisch. „Das schmeckt sogar kalt“, sagt Leonhard Reischl. Der Geschäftsführer der Betriebsgenossenschaft (BG) Staudenhäusl, die das Haus von der Gemeinde gepachtet hat, klingt erleichtert. 

Nach vier Monaten kehrt ab diesem Wochenende das Leben in den Gasthof zurück. An sich keine große Überraschung. Wohl aber, dass die BG einem kroatischen Pächter den Zuschlag gegeben hat. Hatte sie sich doch seit dem Abschied des mittlerweile verstorbenen Italieners Eustachio Manzo vor knapp vier Jahren stets vehement für eine bayerische Dorfwirtschaft eingesetzt. Selbst als die Nachfolgewirte Christian Wieser und Miroslav Vido im November 2015 das Handtuch warfen, wollte die BG nicht davon abrücken (wir berichteten). Nun also doch. Ein Sinneswandel? 

Nein, betont Vorsitzender Tobias Greil. „Unsere Aufgabe war und ist der Erhalt einer Gaststätte für die Ortsvereine.“ Und das habe man mit Tabula und seinem Geschäftspartner Bruno Vincek (44) erreicht. Die beiden Herren hätten ein interessantes Konzept, einen guten Koch und würden sich sicher schnell in die Dorfgemeinschaft integrieren. „Wir wollten die Tradition des Staudenhäusls mitnehmen, aber auch etwas Besonderes bieten“, erklärt Greil. 

Deshalb habe man sich mit der Pächtersuche Zeit gelassen. Bestimmt 20 Bewerber hätten er und Reischl durchs Haus geführt. Manche sagten wegen der Lage direkt an der Straße von sich aus ab, anderen gab die BG einen Korb. „Es ist manchmal schon merkwürdig, wer sich da alles vorstellt“, sagt Reischl. Anders bei Tabula und Vincek, die sich Mitte Januar gemeldet hatten. Da sei gleich ein Vertrauen da gewesen. Trotzdem habe man sich mit der Entscheidung sechs Wochen Zeit gelassen. „Dann war uns klar, dass sie hierher passen“, sagt Greil. 

In der kroatisch-internationalen Küche sieht er eine Chance für das Staudenhäusl. So musste auch die BG einsehen, dass der Markt bei bayerischen Gaststätten weitestgehend verteilt ist. Mit Tabula und Vincek habe man aber eine Nische entdeckt. Neben kroatischen Spezialitäten aus dem Meer wollen die neuen Wirte viel Fleisch auf die Speisekarte setzen. „Da sind die Unterschiede zur bayerischen Küche gar nicht mehr so groß“, sagt Greil. 

Seit zwei Wochen werkeln Tabula und Vincek im Staudenhäusl. Sie haben geweißelt und die Polster auf Bänken und Stühlen ausgetauscht. Beide sind ausgebildete Gastronomen. Tabula lebt und arbeitet seit 40 Jahren in Deutschland, führte zuletzt ein kroatisches Lokal in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck). Vincek ist erst vor Kurzem aus Zagreb gekommen. Neben Koch Vorzic haben sie zwei weitere Küchen- und zwei Servicekräfte mitgebracht. Die Wirte wohnen im Obergeschoss, die Lagerräume im zweiten Stock bleiben den Vereinen vorbehalten. 

Auch sonst werden die neuen Wirte nicht viel am Staudenhäusl verändern. 60 Gäste haben im Gastraum mit Schänke und im benachbarten Jägerstüberl Platz, im Sommer öffnet der Biergarten. Wenn es gut läuft, meint Tabula, werde er vielleicht mal einen dalmatischen Keller einrichten. Das Herzstück bildet aber weiterhin der Saal für die Vereinsveranstaltungen und Familienfeiern. Ob Taufe, Hochzeit oder Beerdigung: „Wir machen alles“, sagt Tabula. Auf Bestellung auch mit Schweinsbraten.

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