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Wahrzeichen und Identitätsstifter: Der Förderturm am Klenzeschacht in Hausham.

In Planungen kommt Bewegung

Neues Bergbaumuseum in Hausham: „Jetzt oder nie“

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Der Haushamer Betonförderturm ist stummer Zeuge einer wirtschaftlich glorreichen Epoche. In das bedeutende Denkmal des Kohlebergbaus soll dereinst das Bergbaumuseum einziehen. Jetzt kommt Bewegung in die Planungen.

Hausham – Für den Ort ist der 70 Meter in den Himmel ragende Betonförderturm Wahrzeichen und Identitätsstifter zugleich. Ist doch die Geschichte Haushams untrennbar mit dem Pechkohle-Bergbau verwoben, der der Gemeinde über 100 Jahre lang einen gewissen Wohlstand sicherte.

Damit dieses prägende Kapitel auch künftig in Erinnerung bleibt, kümmert sich bekanntlich der Interessenskreis fürsorglich um das im Eigentum der Gemeinde befindliche Bergbaumuseum, das den einst harten Arbeitsalltag der Kumpel in der Tiefe erlebbar macht.

Da das Rathaus, in dem das Museum aktuell untergebracht ist, jedoch nach dem geplanten Umzug der Gemeindeverwaltung in das Sparkassengebäude verkauft werden soll, braucht das Museum eine neue Bleibe. Diese könnte – so ein bereits Jahrzehnte alter Wunsch – im Förderturm entstehen. Bestrebungen, das einzige in Oberbayern noch erhaltene Denkmal der Bergbau-Epoche zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen, gibt es schon sehr lange. Jetzt scheint in die Planungen mehr Schwung zu kommen, wie jüngst bei der Hauptversammlung des Museumsvereins deutlich wurde. Wie dessen Vorsitzender Wolfgang Grützner mitteilt, habe eine gemeinsame Besichtigung des Schachtgebäudes mit Vereinsmitgliedern, Turmeigentümer, Bürgermeister und dem mit den Planungen beauftragten Architekten Johannes Wegmann einige handfeste Ergebnisse zutage gefördert.

Demnach arbeite eine Planungsgruppe an der „Vision“, ein Erlebnis-, beziehungsweise Museumsbergwerk in dem Gebäude zu eröffnen. Zentrale Punkte der Überlegungen sind Grützner zufolge etwa ein Eingangsbereich mit Museumsshop, ein Schaubergwerk, eine Fläche für Großgeräte im Erd-, sowie eine Museumsfläche im ersten Obergeschoss. Zudem könnte in der zweiten Etage eine Event-Gastronomie entstehen.

Eigentümer Markus Kurzmann habe laut Grützner bereits signalisiert, eventuell auf die von ihm als Schreinerei genutzten Flächen zugunsten eines Museums verzichten zu wollen. „Sofern er andere kriegt“, sagt der letzte verbliebene Betriebsingenieur, der noch selbst in die Grube eingefahren ist.

Vieles sei längst nicht spruchreif, bremst Jens Zangenfeind die Erwartungen. Dennoch: „Es sind Gedankenspiele, aber keine Träumereien.“ Zwar habe er bereits Gespräche mit dem Eigentümer geführt. „Er hat aber noch keine Entscheidung getroffen.“ Zudem stehe da etwa der entscheidende Faktor Finanzierung. Wie viel Sanierung und Ausbau des Turms verschlingen werden, hängt dem Architekten Wegmann zufolge – er rechnet aktuell mehrere Varianten durch – freilich an der letztlich zur Verfügung stehenden Fläche. Allein die Turmsanierung würde nach einer rund zwölf Jahre alten Kostenschätzung sicherlich um die 1,2 Millionen Euro kosten. Exklusive Preissteigerung und Innenausbau.

Ein großer Teil der benötigten Summe könnte, so zumindest Grützners Hoffnung, vom Entschädigungsfonds kommen. Zudem könne man gegebenenfalls einige kleinere Fonds und Stiftungen anbohren. Die Gemeinde müsste dann in einer Größenordnung investieren, die wenigstens Grützner zur Erhaltung eines Wahrzeichens für durchaus vertretbar hält.

An seiner Bereitschaft mangele es jedenfalls nicht, betont Zangenfeind, der vom Förderturm als „schillerndem Denkmal“ schwärmt. „Es wird aber nur gehen, wenn wir eine Institution im Hintergrund haben.“ Außerdem dürfe man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Man arbeite inzwischen erfreulich engmaschig und zielorientiert an dieser Riesenchance. „So weit waren wir noch nie.“ Jetzt gelte es, den eingeschlagenen, aber durchaus noch sehr weiten Weg weiter zu beschreiten und das Projekt „bestenfalls mit der Verwirklichung abzuschließen“. Die Devise laute: „Jetzt oder nie.“

Ob der Traum nun Wirklichkeit wird oder nicht, sagen die Beteiligten, zeige sich gewiss in den nächsten Monaten. Nach Jahren des Redens sei die Zeit für eine Lösung reif. Zangenfeind: „Ich bin kein Freund von Dauerprojekten.“

ah

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