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Willkommen im Datschi-Paradies: Bärbel und Hans Kandlinger präsentieren ihre Varianten der bayerischen Obstkuchenspezialität. Den Abschied von den Sahnetorten bereuen sie nicht.

Neues Café Kandlinger zieht Zwischenbilanz

Nach Neustart: Datschi-Idee muss beim Kunden aufgehen

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Hausham - Es war ein radikaler Neustart, den Bärbel und Hans Kandlinger mit ihrem Café in Hausham hingelegt haben. Die Bilanz nach den ersten Monaten Datschi-Manufaktur fällt geteilt aus.

Nein, die Sahnetorten vermissen die Kandlingers nicht. Mit zucker- und fetthaltigen Kalorienbomben zaubere man den Kunden heutzutage ohnehin kein Lächeln mehr ins Gesicht, meint Bärbel Kandlinger (56) und schiebt ein frisches Blech Zwetschgendatschi in die Auslage. Die alte Kühltheke hat sie mit ihrem Mann Hans (57) Ende 2015 aus ihrem Haushamer Café verbannt – zusammen mit den Sahnetorten. Heute verströmen nicht nur Zwetschgen-, sondern auch Aprikosen-, Dinkel-Kirsch und Apfel-Cranberry-Datschi ihren süßen Duft in der „Datschi-Manufaktur“ an der Naturfreundestraße.

Und doch fehlt den Kandlingers etwas: Das ansteckende Lachen der Gäste an den Kaffeetischen. Das lautstarke Debattieren am Stammtisch. All das, was ihr Café bis vor ein paar Jahren noch ausgemacht hat. Heute erinnert sie das Bimmeln der Bahnschranke, warum sie sich Ende 2015 dazu entschieden, ihrem Laden ein komplett neues Konzept zu verpassen (wir berichteten). Die langen Schließzeiten des Bahnübergangs vor ihrer Haustür und das dadurch immer schlechter laufende Geschäft ließen ihnen keine andere Wahl. Nicht nur die Sahnetorten fielen dem zum Opfer, sondern ganze sieben Monate Öffnungszeit – jedes Jahr.

Dass die Stammkunden das nicht so leicht schlucken würden wie ein leckeres Stück Zwetschgendatschi, damit haben die Kandlingers gerechnet. „Wenn man den Leuten etwas wegnimmt, bleibt das nicht ohne Folgen“, sagt Bärbel Kandlinger. Und das bekamen sie und ihr Mann durchaus zu spüren. Manche Kunden kamen einfach nicht mehr, andere brachten Gerüchte mit zum Datschi-Kauf. „Es wurde sogar erzählt, dass das für uns der schleichende Übergang in den Ruhestand ist“, sagt Hans Kandlinger und schüttelt den Kopf. Tatsächlich ist es für die beiden ein Neustart, den sie genauso aufgehen lassen wollen wie ihren Datschi im Backofen. „Aber das den Leuten zu vermitteln, ist schwierig“, sagt Bärbel Kandlinger. Sie spricht von Angst, aber auch vom Mut zur Veränderung. Und davon haben die Kandlingers eine ganze Menge bewiesen.

Einfach nur noch Datschi in die Theke zu legen, ging ihnen nicht weit genug. Stattdessen machten sie ihre Spezialität zu einer Marke. Das zieht sich von Bärbel Kandlingers Schürze in Zwetschgenlila über die lila Kissen auf den gepolsterten Holzbänken im früheren Stüberl bis zu den beiden Verkaufsständen an der Schlierseerstraße in Hausham und an der Bayrischzeller Straße in Miesbach – natürlich mit lila Hinweisschildern. Um auch im Laden den Gedanken einer Manufaktur zu verwirklichen, hat Hans Kandlinger einen Bildschirm über der Theke installiert, der ein Live-Bild aus der Backstube zeigt. „So ähnlich wie eine gläserne Werkstatt“, erklärt er.

Es war nicht die erste Neuausrichtung des Café Kandlinger. Vor acht Jahren ging es aber genau in die andere Richtung. Der Laden hatte abends bis 21 Uhr geöffnet – ohne Ruhetag. Das Sortiment umfasste neben Kaffee und Kuchen eine umfangreiche Frühstückskarte, ein Mittagsmenü sowie After-Work-Angebote inklusive Wein. Doch auch das konnte die Verluste in der Nebensaison nicht auffangen. Der Stammtisch löste sich wegen des Rauchverbots auf, die Konkurrenz durch Stehcafés in Discountern und Tankstellen wurde immer größer. „Heutzutage wird einem ja fast überall ein Frühstück nachgeschmissen“, sagt Hans Kandlinger. Das Angebot sei austauschbar geworden.

Ein Wettrennen, das die Kandlingers nicht mehr mitmachen wollten. Auch deshalb scherten sie aus, konzentrierten sich auf ihre Spezialität: den Datschi. Bis zu 30 Bleche schieben sie jeden Tag in den Ofen. Im Sommer verkaufen sie einen Großteil selbst, im Winter beliefern sie ausschließlich Gasthöfe und Wirtschaften – von Tegernsee über München bis nach Tutzing. Ihre festangestellte Konditormeisterin in der Backstube konnten sie so weiter beschäftigen. Im Sommer holen sie sich Aushilfskräfte in den Laden. Auch ein paar Asylbewerber arbeiten mit.

Bei aller Datschi-Liebe ist den Kandlingers aber eines wichtig: Ihre Manufaktur ist nach wie vor auch ein Café. Es gibt eine umfangreiche Kaffee- und sogar eine Frühstückskarte. Statt aus fertig zusammengestellten Menüs wählen zu müssen, können sich die Gäste aus einer ganzen Liste an Zutaten ihren Wunschteller zusammenstellen. „Aber auch das müssen die Leute erst verinnerlichen“, sagt Hans Kandlinger.

Er und seine Frau sind sich jedenfalls sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Nicht nur das Bimmeln der Bahnschranke, sondern auch der unvergleichliche Duft der Datschis bestätigt sie in ihrer Entscheidung. Mit Sahnetorten haben sie endgültig abgeschlossen.

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