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Moderne Diagnose: Per Videobrille kann Neurologe Prof. Dr. Stefan Lorenzl nun im Krankenhaus Agatharied feststellen, ob seine Schwindelpatienten einen Schlaganfall erlitten haben oder nicht.

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Nur Schwindel oder doch Schlaganfall? Videobrille soll Diagnose erleichtern

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Nur jeder dritte Schlaganfall mit Schwindelsymptomen wird richtig erkannt. Das Krankenhaus Agatharied will die Diagnose nun verbessern - mit einer Videobrille.

Agatharied – Harmlos oder gefährlich? Beim Schwindel ist beides möglich. Unterschätzen sollte man die Volkskrankheit, an der jeder dritte Deutsche im Schnitt einmal im Leben leidet, aber auf keinen Fall. Sie kann nämlich auch ein Vorbote für einen Schlaganfall sein – oder sogar dessen einziges Symptom. Letzteres ist tückisch, denn die richtige Diagnose ist dann besonders schwierig. So erhält nur jeder dritte Schwindelpatient auf Anhieb die richtige Behandlung. Sogar jeder dritte Schlaganfall mit Schwindelsymptomen wird nicht erkannt. Mit einer hochmodernen Videobrille soll die Untersuchung im Krankenhaus Agatharied nun deutlich besser werden. Wie die Klinik mitteilt, beteiligt sie sich deshalb am neuen telemedizinischen Projekt „TeleSchwindelTriage“ der Klinik München-Harlaching.

Seit einem Jahr bereitet sich das Kreiskrankenhaus auf den Einsatz der neuen Diagnosetechnik vor. Harlachinger Neurologen haben das Personal im Umgang mit der rund 15 000 Euro teuren Brille geschult. Diese zeichnet subtile Augenbewegungsstörungen bei den Patienten auf und macht sie sichtbar. Die Videobrille ist an eine mobile Telemedizinstation angeschlossen, die die Bilder live in die angeschlossenen Zentren in Harlaching, Regensburg und Altötting überträgt. Dort leitet ein Experte die Untersuchung an, überprüft die Daten und stellt direkt aus der Ferne die richtige Diagnose.

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„Es freut mich sehr, dass wir nun per Telemedizin die Möglichkeit haben, diese Expertise in die Fläche zu tragen“, sagt Projektleiter Dr. Peter Müller-Barna vom Klinikum Harlaching. Neben 19 Partnerkliniken aus dem TEMPiS-Netzwerk (Telemedizinisches Projekt zur integrierten Schlaganfallversorgung in der Region Süd-Ost-Bayern) beteiligen sich auch die Schlaganfallzentren in München Harlaching und der Universitätsneurologie Regensburg sowie die Schwindelzentren in Harlaching und der Kreisklinik Altötting. Das Bayerische Gesundheitsministerium fördert das Projekt mit 252 000 Euro – zunächst für zweieinhalb Jahre. Bei rund 800 der jährlich 7000 telemedizinischen Beratungen im TEMPiS-Netzwerk werde die Brille zum Einsatz kommen, schätzen die Experten. Ziel ist es, Patienten ortsunabhängig schnell Expertenhilfe zukommen zu lassen – egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

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Am Krankenhaus Agatharied, das seit 2015 Mitglied im Netzwerk ist, freut man sich über eine deutliche Verbesserung der Diagnosequalität im Haus. „Da Schwindel ein häufiges Symptom in der Notaufnahme darstellt und viele Ursachen haben kann, ist diese neue Untersuchungsmethode sehr hilfreich“, sagt Professor Dr. Stefan Lorenzl, Chefarzt der neurologischen Abteilung des Kreiskrankenhauses.

Wie wichtig schnelle Hilfe bei einem Schlaganfall ist, zeigt folgende Zahl: 1,9 Millionen. So viele Nervenzellen sterben ohne Behandlung ab – pro Minute. Die Videobrille soll dabei helfen, diese folgenschwere Zeit zu minimieren. Oder Patienten mit harmlosem Schwindel ein beruhigendes Gefühl geben.

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