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Realistischer Eindruck: Auch einen kleinen Schaustollen zeigt das Bergbaumuseum Hausham. 

Interessenkreis fürchtet längere Schließung

Das Rathaus Hausham zieht um, doch das Bergbaumuseum bleibt - vorerst

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Der Haushamer Rathaus-Umzug ist nur noch wenige Wochen entfernt. Für das dort untergebrachte Bergbaumuseum ist immer noch keine neue Heimat in Sicht. Doch es gibt Hoffnung.

Hausham – Mit jeder Kiste, die in den kommenden Wochen das Haushamer Rathaus verlässt, steigt auch die Nervosität im Untergeschoss. Während die Mitarbeiter in den Stockwerken darüber ihre neuen Büros im umgebauten Sparkassengebäude an der Schlierseer Straße sicher haben, sehen die Mitglieder des Interessenkreises Bergbaumuseum weiterhin kein Licht am Ende des (Schau)stollens. „Stand jetzt gibt es für uns keine neue Heimat“, klagt Schriftführer Herbert Scholl.

Wie berichtet, will die Gemeindeverwaltung bis zum 22. Juli ihr neues Domizil bezogen haben. Was aus dem alten Rathaus wird, steht bereits weitgehend fest. Nachdem sich die Haushamer mit einer Kunstausstellung vom 26. September bis 13. Oktober von dem Gebäude aus den 1930er-Jahren verabschiedet haben, soll dieses verkauft werden und mittelfristig einer Wohnbebauung mit Tiefgarage weichen. Einen Zeitplan gibt es dafür aber noch nicht.

Weitgehend planlos sind auch die Bergbaumuseumsfreunde. Und das macht ihnen Angst, wie Scholl betont. „Wenn wir keine anderen Räume finden, wird das Museum irgendwo eingelagert.“ Nicht weniger als der Super-GAU für die Ausstellung, die sich in den vergangenen Monaten wachsender Beliebtheit erfreut, fürchtet Scholl. „Die Nachfrage ist riesig“. Neben Schulklassen würden auch Vereine und sogar Busunternehmen Führungen wünschen. Schon jetzt habe man mehr Besucher als 2018 gezählt.

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Ihre Sorgen nehmen kann auch Zweiter Bürgermeister Josef Schaftari den Bergbaufreunden nicht. Tatsächlich sei aktuell keine Lösung für das Museum absehbar. „Das ist wirklich eine sehr ungute Situation“, räumt auch Schaftari ein. Trotz intensiver Bemühungen habe die Gemeinde kein geeignetes Objekt gefunden, um die historischen Objekte aus der Tiefe angemessen präsentieren zu können. Anders als die Büros könne man ein Museum mit seinen besonderen Exponaten nicht einfach so woanders wieder aufbauen. „Das ist alles mit viel Aufwand und Geld verbunden.“

Das gilt auch für die Premium-Variante, von der nicht nur die Bergbaufreunde, sondern auch Bürgermeister Jens Zangenfeind seit Langem träumt: den Umbau des Förderturms in ein modernes Museum mit Café und Aufzug zur Aussichtsplattform. Zumindest hier will die Gemeinde bis Ende des Jahres Gewissheit haben. Man habe mit Fördermitteln aus der Alpenmodellregion einen Projektmanager mit der Prüfung aller für die Realisierung notwendigen Voraussetzungen beauftragt, berichtet Zangenfeind. In einer der kommenden Gemeinderatssitzungen werde sich dieser der Öffentlichkeit vorstellen.

Entscheiden wird aber letztlich das Geld, erklärt Schaftari. Dazu brauche man erst mal eine grobe Kostenschätzung. Doch schon jetzt könne man von einem Millionen schweren Projekt ausgehen, vermutet der Vize-Bürgermeister. Eine verlässliche Aussage lasse sich aber mit den derzeit vorliegenden Informationen nicht treffen. „Bis jetzt“, sagt Schaftari, „ist noch vieles nebulös.“

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Für Aufklärung kann Zangenfeind zumindest in einem Punkt sorgen: Bis auf Weiteres müssen die Museumsfreunde nicht ans Kistenpacken denken. Noch habe man sich nicht für einen Käufer des Grundstücks entschieden. So könne die Ausstellung auch nach dem Auszug der Verwaltung bis auf Weiteres im alten Rathaus bleiben. „Ich gehe davon aus, dass dies noch mindestens bis Mitte des kommenden Jahres so sein wird“, sagt Bürgermeister Zangenfeind.

Bis dahin wisse man auch, ob sich das Projekt Förderturm realisieren lässt. Wenn ja, sei die Zukunft des Museums gesichert und man müsse nur die Zeit des Umbaus überbrücken – beispielsweise mit kleineren Ausstellungen. Wenn nein, werde man sich nach einer dauerhaften Alternative umschauen. Auch diese Möglichkeiten prüfe der Projektmanager.

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Eines steht für Zangenfeind fest: Es werde immer ein Bergbaumuseum in Hausham geben und man werde die Ehrenamtlichen, die sich darum kümmern, stets unterstützen. „Wir sind es ihnen und allen, die im Bergwerk gearbeitet haben, schuldig, das Andenken in Würde zu bewahren und die Geschichte lebendig zu halten.“

sg

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