1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Hausham

Rekordschulden für Wohnungsbau: Hausham nimmt 2022 neue Kredite in Millionenhöhe auf

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Wird saniert: Investitionen in Höhe von 800 000 Euro steckt die Gemeinde Hausham heuer in das Wohnhaus an der Nagelbachstraße 42.
Wird saniert: Investitionen in Höhe von 800 000 Euro steckt die Gemeinde Hausham heuer in das Wohnhaus an der Nagelbachstraße 42. © Thomas Plettenberg

Die Gemeinde Hausham geht bei den Investitionen weiter in die Vollen. Fast zehn Millionen Euro wird die Gemeinde in den Wohnungsbau stecken. Die Folge: eine Rekordverschuldung.

Hausham – Die größten Kostentreiber halten sich heuer noch zurück. Mit nur jeweils 50 000 Euro tauchen die kommunalen Wohnungsbaumaßnahmen am Huberspitzweg und im geplanten Kinderhaus auf dem Grundstück der früheren Argulakirche im Haushalt der Gemeinde Hausham für 2022 auf. Im kommenden Jahr aber schlagen sie in der Finanzplanung voll ein. 7,2 Millionen Euro werden für die 21 Wohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern im Neubaugebiet am Huberspitz fällig, 1,8 Millionen für die fünf Wohneinheiten im Kinderhaus. Rechnet man noch die bereits für 2022 geplante Sanierung des Wohnhauses an der Nagelbachstraße 42 mit ein, wird Hausham gut zehn Millionen Euro in den Wohnungsbau investieren, kündigte Kämmerer Martin Reisberger in seinem ausführlichen Bericht an. Und er machte den Gemeinderäten schonungslos klar, was das für den Schuldenstand bedeuten wird.

Schuldensprung auf 23 Millionen Euro ist erst der Anfang

Der bewegte sich von 2018 bis 2021 relativ stabil zwischen 19 und 20 Millionen Euro. Bereits heuer folgt ein erster Sprung auf rund 23 Millionen. Geradezu katapultartig geht es dann 2023 nach oben: Hier wird Hausham dann mit satten 33,5 Millionen Euro in der Kreide stehen. Der Abbau in den Folgejahren werde hingegen eher mühsam vonstatten gehen, kündigte Reisberger an. So gebe es für den Kommunalen Wohnungsbau zwar Zuschüsse von üppigen 90 Prozent – 60 Prozent davon jedoch nicht als Einmalzahlung, sondern in Form eines zinsverbilligten Kredits. Da man für die damit gebauten Wohnungen lediglich sozialverträgliche und damit verbilligte Mieten verlangen dürfe, müsse die Gemeinde für die Tilgung Eigenmittel zuschießen – jahrzehntelang. „Der Kommunale Wohnungsbau ist also nicht zu 100 Prozent ein Selbstläufer“, mahnte Reisberger.

Nicht nur die Schulden liegen auf Rekordniveau in Hausham. Auch das Haushaltsvolumen als solches erreicht 2022 mit rund 31,4 Millionen Euro ein neues Allzeithoch. Im Verwaltungshaushalt plant Reisberger mit 22,6 Millionen Euro. Der hier anfallende Überschuss von knapp 1,5 Millionen Euro fließt in den mit 8,7 Millionen Euro angesetzten Vermögenshaushalt. Zur Finanzierung der auf insgesamt 7,8 Millionen Euro taxierten Investitionen reicht das aber nicht aus. Auch nicht die nach der Coronazeit erfreulichen Mehreinnahmen von 600 000 Euro bei der Gewerbesteuer (2,5 Millionen Euro). Deshalb muss die Gemeinde heuer gut 4,1 Millionen Euro an Krediten aufnehmen.

Infrastruktur wird weiter verbessert

Spitzenreiter im Investitionsprogramm sind auch heuer zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen (Wasserwerk 1,4 Millionen Euro, Straßenbau 910 000 Euro). Die 1,5 Millionen Euro für die Sanierung der Altdeponie Freudenreich wird zu 100 Prozent bezuschusst. Ferner stehen das neue Drehleiterfahrzeug der Feuerwehr Hausham (800 000 Euro) sowie die Generalsanierung der Tartanbahn auf der Zentralen Sportanlage im Plan. Der weitere Ausbau der Kinderbetreuung wird hingegen erst 2023 so richtig kostenwirksam. Hier wird die Gemeinde 2,9 Millionen Euro in das neue Kinderhaus am Agatharieder Weg investieren und die Kita Regenbogen um einen Anbau für zwei Gruppen erweitern (1 Million Euro).

Die Gemeinderäte stimmten Haushalt und Finanzplan einmütig zu. Der Respekt ob der Dimension des Zahlenwerks schwang aber in allen Wortmeldung mit. Als „wahnsinnig groß“ bezeichnete es Georg Eham (Parteilos), als „gewaltig“ Ria Röpfl (FWG). Man habe alle Projekte einzeln mit Sorgfalt bewertet, dabei aber auch das Ergebnis in Summe immer im Auge behalten, betonte Eham. Auch Harda von Poser konnte keine sinnlosen Ausgaben erkennen und sah die Tilgungsfähigkeit trotz der „aufschreckenden“ Schuldenhöhe gewährleistet. Thomas Danzer (SPD) merkte zumindest perspektivisch an, dass man am ehesten bei „Ortsverschönerungsmaßnahmen“ noch sparen könne.

Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) dankte den Gemeinderäten für das „starke Zeichen“ des einstimmigen Beschlusses. Man werde die Schulden, wie auch die steigenden Baukosten und Energiepreise im Auge behalten. Sollten sich getroffene Entscheidungen als „nicht mehr vertretbar“ herausstellen, werde man diese überdenken. Dennoch sei es gut und richtig, die einmaligen Chancen im kommunalen Wohnungsbau zu nutzen. Insgesamt habe Hausham von 2013 bis 2023 66 Millionen Euro investiert und dafür nur 25 Millionen Euro an Schulden aufgenommen. Zangenfeind versicherte: „Wir investieren, um Gutes zu tun, und sind immer wach unterwegs.“

sg

Auch interessant

Kommentare