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Preis für eine Neu-Haushamerin: Aus den Händen der SPD-Landesvorsitzenden Natascha Kohnen (2.v.l.) nimmt Rosemarie Bus den Franz-Ringseis-Kulturpreis der Haushamer SPD entgegen. Mit dabei: SPD -Kreisvorsitzender Hannes Gräbner (l.) und Ortsvorsitzender Thomas Danzer. 

Kulturpreis der SPD

„Beide Augen zugedrückt“

Marcus H. Rosenmüller hat ihn bekommen, Tobias Öller auch. Jetzt zeichnet die Haushamer SPD eine (neu-)heimische Autorin aus.

Hausham Das Kulturleben liegt der Haushamer SPD besonders am Herzen. Die wird schon daran deutlich, dass die Genossen vor zehn Jahren einen Kulturpreis ins Leben riefen, den sie alle fünf Jahre vergeben. Erster Preisträger war kein Geringerer als Kultregisseur Marcus H. Rosenmüller, bekanntlich ein Haushamer. Auch der Namensgeber des Preises Franz Ringseis, im bürgerlichen Leben Anton Neuhäusler, ist eine Kultfigur im Oberland: Philosophieprofessor und fleißiger bayerischer Mundartdichter. Nach dem Kabarettisten Tobias Öller 2012 war es jetzt wieder an der Zeit, den Preis zu vergeben. Die Wahl fiel auf Rosemarie Bus. Die aus Kaiserslautern stammende Krimi-Autorin ist zwar kein Haushamer Urgestein, vermochte es bei der Preisverleihung aber den Bürgersaal bis auf den letzten Stuhl zu füllen. Das hat selbst den Ortsvereins-Vorsitzenden Thomas Danzer „überrascht“. Ist die SPD doch ganz andere Resonanz auf ihre Angebote gewohnt.

Die politische Richtschnur für die Genossen stammt noch von Mundart-Dichter Ringseis. Seine Tochter Monika Neuhäusler trug im Bürgersaal das Gedicht „Da Maier-Voda“ vor, in dem von Blut an den Händen und Staub-Lungen die Rede ist und es unter anderem heißt: „Da Maier-Voda / war a Koiloda. / Is ind Gruam ganga/vierzg Jahr. / Nix ghabt hot a / Und er war a Rota / Wias hoit unta Tog jeder war.“ Ringseis hat mit dieser Empathie 68 Gedichtbände mit Mundarttexten und dazu noch 18 philosophische Werke veröffentlicht. Zahlen, die die gelernte Journalistin Rosemarie Bus, die in ihrem Beruf weit in der Welt herumgekommen ist und dabei auch leitende Positionen innehatte, tief beeindruckten. Sie lebt noch nicht lange in Hausham, bekennt auch freimütig, dass die teuren Mieten in München für den Wohnortwechsel verantwortlich waren . Aber sie hat schnell Bewunderer gefunden. Hans Pawlovsky etwa, Lebensgefährte von Ringseis-Tochter Monika. „Ihre Sprache ist hervorragend“, sagt er.

Der jüngste Krimi von Bus, „Eisige Engel“, spielt in Schliersee. Tatort ist der magische Wasserfall im Josefstal, mit dem sich auch Ringseis in einem Gedicht befasst hatte. Dort werden zwei Leichen entdeckt.

Eigentlich wollte die SPD „junge Künstler“ auszeichnen. Rosenmüller und Öller waren jeweils in den 30ern, als sie den Preis erhielten. Bus will ihr Alter nicht nennen, dürfte aber beträchtlich älter als ihre Vorgänger sein. Sie sei jedoch dankbar, dass die Genossen in Hausham „beide Auge zugedrückt“ haben.

In diesem Sinne ist auch der Auftritt der SPD-Landesvorsitzenden Natascha Kohnen in Hausham womöglich als symbolische Hilfestellung zu verstehen. Bus und Konen wurden als „starke Frauen“ angepriesen. Die SPD-Landesvorsitzende hielt eine Wahlkampfrede, befasste sich mit politischer und sozialer Gerechtigkeit, die bei jungen Menschen laut Umfragen ein wichtige Rolle spielen soll. Auch der Bundestagsbeschluss zur „Ehe für alle“ wurde kommentiert. Konen: „Die Vernunft hat gesiegt.“ Jetzt müssen gleichgeschlechtliche Paare nicht mehr Ehepaare zweiter Klasse sein. Auch die CSU bekam ihr Fett weg. Ihre Behandlung von Flüchtlingen als „Notwehr“ zu, bezeichnen sei ein politischer „Dammbruch“. Lang anhaltender Beifall.

Nach dem erfolgreichen Abend steht nun ein historisches Projekt im Brennpunkt, die Neugestaltung des Bergwerksmuseums und die Rettung des Förderturms als Zeuge mutiger Arbeiter in der Nazizeit. Passend zum Gedicht vom „Maier-Voda“.

Hugo Molter 

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