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Im Alpengasthof feierten die stellvertretende Kreisbäuerin Andreas Rieder (l.) und Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (r.) mit rund 250 Gästen den Landfrauentag. Zum Festvortrag kam Staatsministerin Michaela Kaniber.

Im Dialog bleiben

Rund 250 Bäuerinnen und Gäste feiern Landfrauentag - So macht Ministerin Michaela Kaniber Mut

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Rund 250 Bäuerinnen und Gäste kamen in den Alpengasthof Glück Auf, um den Landfrauentag zu feiern. Der Höhepunkt war der Festvortrag von Ministerin Michaela Kaniber. Sie machte den Frauen Mut.

Hausham – Was steckt eigentlich hinter einem Dialog? Mit dieser Frage hat sich Kreisbäuerin Marlene Hupfauer in ihrer Rede zum Landfrauentag gestern im Alpengasthof Glück Auf in Hausham befasst. Etwa 250 Bäuerinnen und ihre Gäste füllten den Saal. Hupfauer sprach über Wertschätzung und Respekt, die individuelle Interpretation, die in Gesagtes gesteckt wird, und Vertrauen.

Ihrem Publikum gab die Kreisbäuerin mit auf den Weg, in Gesprächen auch auf die Sichtweisen der anderen einzugehen, sich gegenseitig wertzuschätzen und zu respektieren und sich Aufmerksamkeit zu schenken. „Setzt Mund, Ohren und auch das Herz ein“, sagte sie. „Das haben wir ja nicht umsonst vom Herrgott gekriegt.“

Ehe Hupfauer den besonderen Gast des Tages, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, begrüßte, verdeutlichte sie die aktuelle, nicht ganz einfach Situation der Bäuerinnen. „Wir üben eigentlich gerne unseren Beruf aus“, sagte sie. „Ich sag ,eigentlich‘, weil viele Auflagen unsere Arbeit erschweren.“ Und spielte damit auf die Wasserschutzzone, das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und die Anbindehaltung an.

Damit, dass das Motto „Im Dialog bleiben“ gut getroffen sei, eröffnete schließlich Ministerin Kaniber ihren Festvortrag. „Erhebt die Stimme für den ländlichen Raum“, forderte sie die Bäuerinnen auf. Auch sie ging auf die Themen ein, mit denen die Landwirte derzeit zu kämpfen haben. „Was ist denn nur passiert?“, fragte Kaniber in den Raum und brachte dabei die Streitigkeiten um Kuhglocken und Gülle zur Sprache. „Auf der einen Seite sind wir für Tierwohl“, sagte sie. „Auf der anderen Seite lehnen wir große Laufställe ab.“

Laut der Landwirtschaftsministerin gebe es nun zwei Möglichkeiten. „Entweder wir stellen uns in die Ecke und kommen da nicht mehr raus“, sagte sie. „Oder wir marschieren mutig, pragmatisch und mit Fleiß voraus und setzen uns an die Spitze der Bewegung.“ Und ergänzte: „Sie müssen vor allem im Dialog bleiben – auch mit der Politik.“

Bei allem Mut musste Kaniber aber auch eingestehen: „Der emotionale Tiefschlag war das Volksbegehren“, sagte sie und kassierte dafür Applaus. „Das war ein Schlag ins Gesicht.“ Sprach aber davon, dass der Satz „Rettet die Bienen“ genial gewesen sei, und genau den richtigen Nerv bei den Bürgern getroffen habe. „Wir haben das Volksbegehren zu respektieren“, sagte sie und verdeutlichte aber auch, dass die Landwirtschaft alleine das Artensterben nicht aufhalten kann. „Es kann nicht sein, dass man alles auf die Bauern abwälzt.“

Die Landwirtschaftsministerin sprach auch die Lebensmittelverschwendung sowie den Flächenverbrauch an. Egal bei welchem Thema, Kaniber wollte immer wieder auf das gleiche Ziel hinaus: „Macht die Kommunikation zu eurer Chefsache“, sagte sie. „Redet mit Stolz über Eure Arbeit.“ Und sie machte den Landfrauen auch Mut. „Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie nicht alleine sind.“

Der Applaus für Kanibers Rede war lang. Auch Kreisbäuerin Hupfauer war begeistert. „Es tut gut, wenn mal wieder jemand positiv redet.“ Damit die Landwirtschaftsministerin die Anliegen der Bäuerinnen im Landkreis nicht vergisst, hat sie einen Rucksack samt Sorgensteinen mit Themen, die diese bedrücken, geschenkt bekommen. Hupfauer: „Wir Bauersfamilien können die Last nämlich nicht alleine tragen.“

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tas

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