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Der Holländer Alexander Strijkers hat in Miesbach ein Geschäft für Modellbahnen.

Sammler-Börse in Hausham

Virus Modellbahn: Ein Besuch bei den Infizierten

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„Das Feeling, wenn die Bahn fährt, das kann ich gar nicht beschreiben“, sagt einer, der es wissen muss. Wir haben die verrücktesten Modelleisenbahnfans im Landkreis getroffen. 

Hausham – Max Krause aus Holzkirchen beugt sich über den Tisch. Vor ihm sitzt der Lok-Doktor Otto Osiander und schraubt an Krauses „Spur Z“ herum. Die Spur Z, das ist die kleinste Modelllok der Welt. Sonst steht sie bei Krause daheim – er hat einen Bahnhof mit Stellwerk nachgebaut. Das liebt er, seit er fünf Jahre alt ist: Bilder mit den Modellbahnen nachbauen. Wenn er davon erzählt, umspielt ein Lächeln seine Lippen, und seine Augen glänzen. Krause ist dann wieder der fünfjährige Max.

Der Lokdoktor kommt immer dann nach Hausham, wenn der Eisenbahnclub Rosenheim dort seine Modellbahnbörse veranstaltet. Die Besucher können ihre Sammelstücke reparieren und warten lassen. Im Saal des Alpengasthofs Glück auf gibt’s außerdem jede Menge gebrauchte Bahnen und Zubehör zu kaufen. Die meisten nutzen den Tag aber vor allem dazu, um über die gemeinsame Leidenschaft zu plaudern.

Max Krause (r.) schaut begeistert zu, als Lok-Doktor Otto Osiander seine „Spur Z“ wartet.

Die Mini-Lok von Krause muss dringend mal wieder geschmiert werden. „Das muss man ab und zu machen lassen, das wäre ja sonst schade, wenn die nicht mehr fährt“, sagt er. Fahren lässt er seine Bahnen aber sowieso nicht. „Das war irgendwie nie meins“, sagt er. Ihm geht es nur ums Nachbauen. Während seine Lok jetzt aber auf den Testschienen hin und her fährt, nimmt man ihm das nicht ganz ab. Als der Lok-Doktor am Schalter dreht, die Spur Z schneller fährt und sich dabei ein kleiner Propeller dreht, ist Krause so fasziniert, dass das Gespräch mitten im Wort endet.

Ein Virusbehafteter. So nennt sich Wolfgang Gillich (73). Der Rosenheimer gehört zum Vorstand des Eisenbahnclubs. Richtig festgesaugt hat sich der Virus, als er von seinem Vater dessen Bahn erbte. Aber auch schon als Kind war Gillich fasziniert von den kleinen Motoren, der Elektrik, der Echtheit im Mini-Format. Bei ihm ist es genau umgekehrt wie beim Holzkirchner Krause: Gillich hat nur eine Fahrstrecke ohne Landschaft. „Das Feeling, wenn die Bahn fährt, das kann ich gar nicht beschreiben“, sagt er und grinst breit.

Wolfgang Gillich vom Eisenbahnclub Rosenheim

Gillichs Verkaufstisch ist knapp vier Meter lang. Er lacht. „Das ist nur ein bescheidener Bruchteil meiner Sammlung.“ Daheim auf seinem Speicher, da hat er sein Spielzimmer. Und wenn ihm etwas zu sehr am Herzen liege, könne er das auf keinen Fall verkaufen. Deswegen nur ein Vier-Meter-Tisch. Im Moment steht er vor allem auf Modellbahnen aus den USA – Erz- und Kohlewagen. „Von denen aus Erz habe ich 500 gesammelt“, erzählt Gillich stolz. Die Leidenschaft hat er längst an seinen 14-jährigen Enkel vererbt – und auch bei dem gilt wohl: einmal infiziert, immer infiziert.

Eine Poststation, vor der ein Auto parkt. Daneben ein bayerisches Wirtshaus mit Biertischen und blau-weißen Sonnenschirmen. Und drum herum Schienen, Brücken, Tunnel. Und Züge. Alexander Strijkers (77) verkörpert die Leidenschaft fürs fahren lassen und Landschaft aufbauen in einem. Der gebürtige Holländer, sein Akzent ist kaum zu überhören, ist der einzige Verkaufs-Vertreter aus dem Landkreis auf der Modellbahnbörse in Hausham.

Strijkers hat ein Modellbahn-Geschäft in Miesbach, seit zehn Jahren. Dort bastelt er auch eigene Bahnen – aber nicht etwa irgendwelche. Er baut zum Beispiel den Integral der Bayerischen Oberlandbahn nach oder den Heizwagen der Tegernsee Bahn. „Die BOB ist gerade ausverkauft“, sagt er.

Seine erste Bahn hat Strijkers 1953 von seinem Vater bekommen, eine HO Express. Teile davon hat der jetzige Miesbacher noch immer. Nur eine eigene Landschaft hatte er nie. Weil er so oft umziehen musste, wie er erzählt. Dafür baut er aber oft Bahnen und Landschaften für seine Kunden auf. Erst kürzlich war er in Hausham. Dort schuf er auf 40 Quadratmetern eine Landschaft mit Fahrstrecke. Da scheint wohl auch jemand ein Spielzimmer zu haben. Und nicht nur dort. Strijkers ist viel unterwegs. Bei allen, die auch befallen sind vom Modellbahn-Virus.

nip

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