1. Startseite
  2. Lokales
  3. Miesbach
  4. Hausham

Sauber in 35 Sekunden: Top-Technik für erste öffentliche Toilette in Hausham

Erstellt:

Von: Sebastian Grauvogl

Kommentare

Referenzobjekt: eine Bioline-Automatiktoilette am Busbahnhof in Braunau (Oberösterreich). .
Referenzobjekt: eine Bioline-Automatiktoilette am Busbahnhof in Braunau (Oberösterreich). © Bioline

Komplett sauber in nur 35 Sekunden: Das erste öffentliche WC in Hausham soll vor Technik nur so strotzen. Über die Außengestaltung gingen die Meinungen aber im Gemeinderat auseinander.

Hausham – Frauen und Rollstuhlfahrer zahlen für den Toilettengang, Männer pieseln gratis. Eine barrierefreie WC-Zelle mit Münzeinwurf und vier frei zugängliche Pissoirs hatte Ingenieur Sepp Schreder dem Haushamer Gemeinderat für die geplante öffentliche Toilettenanlage auf dem P+R-Parkplatz am Bahnhof vorgeschlagen. Unfair, fand das Gremium und bat um weitere Varianten. Die legte Schreder kürzlich in der Sitzung vor – in durchaus beeindruckender Detailtiefe. „Man merkt, dass Sie sich in das Thema reingekniet haben“, witzelte Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) nach der Präsentation des Ingenieurs.

Mehrere Ausstattungsvarianten für WC

Die drehte sich um zwei verschiedene Anlagen der Firma Bioline. Die kleinere Lösung beinhaltet laut Schreder eine barrierefreie WC-Zelle für alle (samt Wickeltisch) und ist schon für 60 000 Euro zu haben. Die größere für 100 000 Euro verfüge zudem über eine zweite, nicht behindertengerechte Einheit. Allen Klos gemeinsam sei eine wartungsarme und vandalensichere Innenausstattung komplett aus Edelstahl. Nach jedem Toilettengang werde die komplette Anlage vollautomatisch mit Hochdruckwasser, Desinfektionsmittel und Lufttrocknung gereinigt – in nur 35 Sekunden. Der Technikraum sei über einen separaten Eingang zu erreichen. Der Zugang zum WC erfolge per Münzeinwurf, wobei sich Gebühren zwischen 20 Cent und zwei Euro nach Wunsch festlegen lassen. Bei einem Defekt könne man sich per Fernalarm benachrichtigen lassen.

Lesen Sie auch: Trinkbrunnen auf Haushamer Bahnhofsvorplatz geplant

Noch flexibler sei die Gemeinde bei der Außengestaltung. Standardmäßig verfüge die Toilette über eine Fertigbetonfassade, die sich aber in allen erdenklichen Farben individualisieren lasse. Auf Wunsch seien aber auch verschiedene Holz- oder Metallverschalungen möglich. Die Lieferzeit betrage aktuell rund zwei Monate. Da sämtliche Leitungen am Bahnhofsplatz bereits vorhanden seien, sei ein Betonfundament die einzige Installationsvoraussetzung. Obendrein sei eine Förderung der Anschaffungskosten von 50 Prozent möglich. Die Obergrenze liege aber bei 45 000 Euro.

„Jetzt müssen wir nur noch wissen, was unser Klo können soll“, leitete der Bürgermeister in die Diskussion über. Er selbst plädierte für die kleinere Version. Da es nur eine Toilette für die spontane Notdurft sei, brauche man keine Warteschlangen befürchten. Dem schlossen sich die Gemeinderatsmitglieder an. „Ein Gesunder kann ja auch aufs Behindertenklo gehen“, meinte etwa Marlies Fellermeier-Liebl (FWG).

Auch interessant: Öko-WC als Lösung für Wanderwege?

Bei der Außengestaltung gingen die Meinungen auseinander. „Auf keinen Fall glänzender Edelstahl, sonst muss man da auch noch putzen“, fand Harda von Poser (Grüne). Ihr Fraktionskollege Willi Halletz fürchtete den Pflegeaufwand bei einer Holzverschalung, während Tom Leidgschwendner (CSU) diese natürliche Patina einer schnöden Betonoptik vorzog. Letztere würde zudem zum Schmieren und Graffiti-Sprühen verleiten. Elisabeth Leidgschwendner (CSU) konnte sich derweil die Außenfarbe Blau gut vorstellen. Dies würde gut zur benachbarten Raiffeisenbank passen. Zangenfeind warnte jedoch schmunzelnd vor einer zu großen Ähnlichkeit. „Nicht dass die Leute das Klo noch für einen Geldautomaten halten.“

Experte: Männer zahlen nur ungern fürs kleine Geschäft

Letztlich einigte sich das Gremium darauf, verschiedene Angebote für die kleine WC-Variante einzuholen. Der Ingenieur versprach, diese zeitnah vorzulegen, verteidigte aber nochmals seinen ursprünglichen Vorschlag. Die Praxis habe gezeigt, dass Männer nur ungern fürs Urinieren bezahlen: „Bevor sie das tun, gehen sie lieber hinters Haus.“

Nicht mehr weiter zur Sprache kam die Toilettenanlage auf dem Haushamer Volksfestplatz. Man werde dazu in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen mehrere Kostenberechnungen vorlegen, kündigte Zangenfeind an. Auch für die Ausführung durch den Haushamer Bauhof. Zuvor aber stehe noch ein Termin mit Vertretern der Regierung von Oberbayern an, um Fördermöglichkeiten für die Anlage auszuloten. Zudem wolle man das Thema WC nicht überstrapazieren: „Eine Toilettenanlage pro Sitzung reicht.“

sg

Auch interessant

Kommentare