Eine von vielen Baumaßnahmen 2021: die Verlegung des Haushamer Bahnübergangs läuft.
+
Eine von vielen Baumaßnahmen 2021: die Verlegung des Haushamer Bahnübergangs läuft.

Haushalt 2021 beschlossen

Schuldenstand knackt 20 Millionen Euro-Grenze: Hausham muss erneut Kredite aufnehmen

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Die Gemeinde Hausham braucht einen weiteren Kredit. Nur so lässt sich das auch 2021 üppige Investitionsprogramm schultern. Der Schuldenstand wächst damit weiter.

Hausham – Kämmerer Martin Reisberger baute schon mal vor: Bereits in den vergangenen Jahren habe das Landratsamt bei der Prüfung des Haushamer Haushaltes immer wieder hingewiesen, „dass man sich auf die Pflichtaufgaben konzentrieren sollte und frei werdende Mittel vorrangig für den Schuldenabbau zu verwenden sind“. Und auch heuer, sagte Reisberger im Gemeinderat, werde man diesen Satz wohl wieder zu hören bekommen.

Kein Wunder, legt die Gemeinde 2021 auf ihren seit 2018 stetig angewachsenen Kreditberg noch eine Schippe drauf. Mit einer geplanten Nettoneuverschuldung von 1,33 Millionen Euro wird Hausham Ende des Jahres voraussichtlich mit 20,93 Millionen Euro in der Kreide stehen. Jeder Bürger hat damit theoretisch 2422 Euro Miese, deutlich mehr als der durchschnittliche Bayer (728 Euro).

Viele Investitionen in die Wasserversorgung

Grund ist laut Reisberger auch heuer ein mit 7,65 Millionen Euro üppiges Investitionsprogramm, für dessen Finanzierung selbst der Verkauf des alten Rathaueses für 3,7 Millionen Euro alleine nicht ausreicht. Schaut man sich die Einzelposten an, sind es nicht einige wenige Großprojekte, die die Ausgaben nach oben schrauben. Vielmehr stellt sich die Gemeinde auch heuer wieder breit auf, um in den unterschiedlichsten kommunalen Aufgabenbereichen wichtige Anschaffungen zu tätigen. Den größten Anteil hat mit rund 2,5 Millionen Euro aber das Wasserwerk.

Wie Bauleiter Sepp Schreder ausführte, muss neben diversen Leitungssanierungen der 40 Jahre alte, kleine Hochbehälter am Brentenspitz ausgetauscht werden. „Das Gesundheitsamt hat ihn bereits 2019 beanstandet“, berichtete Schreder. Indirekt wirken sich auch die zahlreichen Bauprojekte im Ort auf das Wasserwerk auf. Aktuell kommen stehen vor allem die neuen Rohre in der Schlierseer und der Industriestraße auf der Liste, die im Zuge der Verlegung des Bahnübergangs in den Untergrund eingebracht werden.

Baumaßnahmen nehmen größten Anteil ein

Überhaupt nehmen Baumaßnahmen mit 6,29 Millionen Euro erneut den Löwenanteil im Haushalt ein. 1,39 Millionen Euro fließen davon ins Haushamer Straßennetz. Das neue Kinderhaus auf dem Areal der früheren Argulakirche taucht heuer (noch) nur mit einer Restsumme für den Grundstückskauf (370 000 Euro) und Planungskosten (80 000 Euro) auf. Weiterhin werden 2021 die Grund- und Mittelschule bedacht (270 000 Euro, vor allem für Digitalisierung), die beiden Sportanlagen (260 000 Euro für die Sanierung des Sportstüberls und der Tennisplätze sowie die Errichtung eines Fitness-Parcours an der Zentralen Sportanlage und LED-Flutlicht am Fußballplatz an der Schlierseer Straße) sowie der Bauhof (260 000 Euro für einen neuen Kran-Lkw und eine Schneefräse).

Die Corona-Krise habe die Gemeinde bis dato verhältnismäßig gut weggesteckt, berichtete Reisberger. Die Einbrüche bei Gewerbe- und Einkommensteuer in Höhe von insgesamt rund 360 000 Euro habe man durch eine Ausgleichszahlung vom Freistaat in Höhe von 308 500 Euro weitgehend auffangen können. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, resümierte der Kämmerer. Da man nicht wisse, ob die Unterstützung auch 2021 zu erwarten ist, plane man bei der Gewerbesteuer aber heuer nur mit Einnahmen von 1,9 statt 2,1 Millionen Euro im Vorjahr.

Gemeinderäte mahnen zu Schuldenabbau

Zu mehr Zurückhaltung riet auch Hubert Lacrouts (CSU). Ihm ging es aber vor allem um den hohen Schuldenstand. „Wir müssen den über mehrere Jahre hinweg konsequent abtragen“, forderte Lacrouts und appellierte an seine Ratskollegen, auch mal den Mut zu haben, die eine oder andere nicht zwingend notwendige Maßnahme zurückzustellen. Thomas Danzer (SPD) lenkte den Blick lieber auf die Einnahmen. Vor allem bei der Einkommensteuerbeteiligung liege Hausham stets unter dem Landesschnitt. „Wir brauchen mehr höherwertige Arbeitsplätze im Ort“, fand Danzer, und sprach dabei auch das Krankenhaus Agatharied als einen der größten Arbeitgeber im Landkreis an. „In der Pflege hat sich leider immer noch nichts verbessert.“

Am Ende segneten die Gemeinderäte das Zahlenwerk einstimmig ab. Zangenfeind bezeichnete es als soliden Investitionshaushalt. „Ohne angezogene Handbremse, aber auch ohne goldene Wasserhähne.“ Der Überschuss von knapp 947 000 Euro im Verwaltungshaushalt zeige, dass die Gemeinde gut wirtschafte. Nur durch Investitionen könne man Hausham attraktiv machen für junge Familien. „Und das sind unsere Steuerzahler von morgen.“

sg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare