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Die Uniform sitzt so gut wie vor 25 Jahren: Fritz Wirth aus Hausham führt heuer letztmals den Faschingszug der Crachia an.

„Das muss man einfach im Blut haben“

Seit 25 Jahren Faschingszug-Leiter: Crachia-Urgestein im Interview

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Seit 25 Jahren führt Fritz Wirth als „Sieben-Sterne-Generalfeldmarschall“ den Faschingszug der Crachia Hausham an. Was er da alles erlebt hat, erzählt er im Interview.

Hausham – Heuer hat der 62-Jährige, der in seinem Berufsleben als Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr München gearbeitet hat, seinen letzten Auftritt. Im Interview erzählt er, was seine schönsten Faschingswagen waren – und wie er zu seinem außergewöhnlichen Titel gekommen ist.

-Herr Wirth, Sie tragen sieben Sterne an Ihrem Kragen. Wie haben Sie die denn gesammelt?

Fritz Wirth: Die hab ich auf einen Schlag bekommen. Als mir unser Präsident 1993 die Hoheit über den Haushamer Faschingszug zugesprochen hat, habe ich natürlich einen entsprechenden Titel gebraucht. Weil ich ein riesiger Fan von Michael Schumacher bin, hat man mir sieben Sterne zugesprochen. Also genau so viele wie auf Schumis roter Kappe. Einer für jeden Weltmeistertitel. Auf den Generalfeldmarschall bin ich übrigens selbst gekommen. Das ist eine Anlehnung an Friedrich den Großen.

-Dann haben Sie sich ja zwei große Vorbilder ausgesucht.

Fritz Wirth: Freilich. Als Anführer eines Faschingszugs muss man schon was darstellen. Deshalb hab ich mich auch kostümtechnisch ins Zeug gelegt. Den Rock hab ich mir damals für 500 Mark in Schwabing gekauft, die Stiefel und den Stab bei der Karnevalsmesse in Köln. Ich habe da schon einen ziemlichen Vogel.

-Wo kommt der her?

Fritz Wirth: Mei, den Fasching muss man einfach im Blut und in der Birne haben. Als gebürtiger Gmunder hab ich schon vor 40 Jahren Wagen für den Umzug der Seegeister gebaut. Als gelernter Maler hab ich da ein gewisses Talent mitgebracht. Übers Weggehen in Hausham bin ich dann vor 30 Jahren zur Crachia gekommen. Als Zugleiter konnte ich mich da natürlich voll austoben.

-Wie viele Faschingswagen haben Sie denn in Ihrer 25-jährigen Karriere bei der Crachia gebaut?

Fritz Wirth: Gezählt hab ich sie ehrlich gesagt nie. Aber da waren schon ein paar Granaten dabei. Ich erinnere mich zum Beispiel an das Motto „Cäsar und Kleopatra“, das wir auf einen Tieflader verwirklicht haben. Oder den Aladdin-Wagen mit einer übergroßen Wunderlampe. Da haben wir eine Nebelmaschine reingestellt, dann hat sie sogar richtig geraucht. Toll war aber auch der Wagen mit lauter Figuren aus den Disney-Filmen. Das war damals schon viel Arbeit, und heute ist der Aufwand sogar noch erheblich größer.

-Warum?

Fritz Wirth: Weil die Sicherheitsvorschriften drastisch verschärft wurden. Früher durften auch Schrottautos ohne Kennzeichen beim Umzug mitfahren, das ist heute undenkbar. Selbst bei modernen Lkw oder Traktoren mit Anhänger müssen wir beim Aufbau einiges beachten. Zum Beispiel müssen die Seitenwände aus stabilem Holz sein, und die Verkleidung muss bis knapp über den Boden reichen, damit kein Kind unter den Wagen laufen kann. Und bei Frontladern darf niemand mehr in der Schaufel sitzen.

-Sie klingen ein bisschen wehmütig.

Fritz Wirth: Ehrlich gesagt, hab ich da zwei Herzen in der Brust. Einerseits sind die Vorschriften wichtig, damit beim Zug nichts passiert. Andererseits wird es dadurch immer schwerer, Vereine oder andere Gruppen zum Bau eines Wagens zu motivieren. Das merkt man auch an den Zugnummern. Heuer haben sich 15 Wagen angemeldet, früher waren es manchmal fast doppelt so viele. Man muss aber schon sagen, dass sich die Qualität erhöht hat. Auch heuer sind wieder ein paar tolle Großprojekte dabei. Durch den Drei-Jahres-Rhythmus, den ich vor ein paar Jahren eingeführt habe, bleibt auch genug Zeit zur Vorbereitung.

-Stichwort Motivation: Wie halten Sie die Wagen-Bauer bei der Stange?

Fritz Wirth: Am wichtigsten ist natürlich die Begeisterung für den Fasching. Die bringen sowieso alle mit. Wir haben uns aber noch ein paar zusätzliche Zuckerl ausgedacht. Zum Beispiel verteilen wir die Einnahmen aus dem Getränke- und Essensverkauf im Rahmenprogramm des Zugs an die teilnehmenden Gruppen. Und jeder bekommt später ein Dankesschreiben und eine DVD mit den schönsten Bildern. Ganz viel wert ist aber natürlich auch der Zuspruch von den Zuschauern.

-Die kommen ja nicht zuletzt wegen der Süßigkeiten, die von den Wagen herabregnen.

Fritz Wirth: Das stimmt. Und da scheuen wir wirklich keine Kosten. Auch heuer haben wir wieder zwischen 600 und 800 Kilo Guttis aus Köln für die beiden Umzüge in Hausham und Miesbach bestellt. Die Konfettis haben wir dagegen ziemlich zurückgefahren. In Miesbach sind sie ja eh verboten.

-Der Auftritt am Faschingsdienstag in der Kreisstadt ist auch Ihr letzter als Zugleiter. Wie groß wird Ihr Abschiedsschmerz?

Fritz Wirth: Nicht allzu groß, denk ich. Mit 62 darf man das Zepter durchaus an einen Jüngeren übergeben. Und es hat ja auch sein Gutes: Wenn ich das ganze organisatorische Zeug los bin, hab ich wieder mehr Zeit für den Bau der Wagen. Da gehen mir die Ideen so schnell nicht aus.

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