Gut vorbereitet: Laut Schulleiter Markus Rewitzer (r.) haben die Schüler in Hausham bereits zu Präsenzzeiten den digitalen Unterricht geübt.
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Gut vorbereitet: Laut Schulleiter Markus Rewitzer (r.) haben die Schüler in Hausham bereits zu Präsenzzeiten den digitalen Unterricht geübt.

Nach Brandbrief des BLLV

Selbsttests an Schulen im Landkreis Miesbach: Schulleiter-Sprecher fordert mehr Sensibilität

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Selbsttests sollen die Infektionsgefahr an Schulen bannen. Doch die praktische Umsetzung erfordert viel Sensibilität, sagt der Schulleiter-Sprecher im Landkreis Miesbach.

Hausham - Für eine regelmäßige Corona-Reihentestung aller damit einverstandenen Schüler reiche die bisherige Lieferung an Selbsttestkits noch nicht aus, sagt Rektor Markus Rewitzer für seine Schule, die Grund- und Mittelschule Hausham. Deshalb habe er die ersten Exemplare vorerst zur Erprobung an die 40 Lehrkräfte und weiteren Schulbediensteten ausgegeben. Das Fazit zur Handhabung: „Nicht schwierig, aber schon mit einem gewissen zeitlichen Aufwand verbunden.“

An diesem Punkt hakte nun auch der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) ein. Die Tests müssten „zwingend durch Fachpersonal durchgeführt werden oder zuhause von den Eltern. Die Lehrkräfte könnten dies nicht auch noch leisten“, schreibt BLLV-Vorsitzende Simone Fleischmann in einem „Brandbrief“ an Ministerpräsident Markus Söder. Wichtig zu wissen: Die Schüler führen die Tests durch Abstriche im vorderen Nasenbereich selbst durch. Die Beteiligung der Lehrer beschränkt sich auf Aufsicht und mündliche Hilfe.

Rewitzer teilt als Schulleiter-Sprecher des BLLV Oberbayern die Sorge einer zusätzlichen Belastung der ohnehin stark geforderten Lehrer. Dennoch ist er um eine „pragmatische Vorgehensweise“ bemüht. Es sei wichtig, der Selbsttestlösung eine Chance zu geben und damit den Schülern die Möglichkeit, sich darauf einzulassen. Ihnen die Testkits mit nach Hause zu geben, sieht er kritisch: „Wer garantiert uns, dass sie wirklich durchgeführt wurden?“

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Deutlich sensibler als das Testen selbst sieht der Rektor den Umgang mit einem möglichen positiven Ergebnis – auch unter dem Stichwort Datenschutz. Mit dem Hinweis des Kultusministeriums, man solle auf jeden Fall „Ruhe bewahren“, kann Rewitzer nicht viel anfangen. Niemand könne ausschließen, dass die Klasse aus Angst vor dem betroffenen Kind zurückweicht und dieses sich damit ausgegrenzt fühlt. Auch hier komme es wieder sehr auf das Gespür und die richtige Vorbereitung durch die Lehrkräfte an.

Berichte aus anderen Landkreisen, wonach Eltern gegen die Tests Sturm laufen, kann Rewitzer weder bestätigen, noch nachvollziehen. „Es gibt keine Pflicht, und ohne Einwilligung der Eltern wird kein Kind getestet“, stellt er klar.

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Voll auf der Seite des BLLV steht der Rektor bei der Forderung, dass bis nach den Osterferien alle Lehrkräfte ein Impfangebot erhalten haben sollen. „Das ist der Fürsorgeauftrag unseres Dienstherrn.“ In Hausham hätten bislang nur die Grundschullehrer Termine bekommen, das Mittelschulkollegium nicht. Da entstehe ein Gefühl der „Zwei-Klassen-Gesellschaft“, so Rewitzer. Viele seiner Mittelschullehrkräfte würden sehnsüchtig auf ein Impfangebot warten. Kein Wunder, gehöre das Schulpersonal doch zu den Berufsgruppen mit den meisten Kontakten und der höchsten Infektionsgefahr. Rewitzer: „Nur wenn wir alle Sicherheitsvorkehrungen treffen, bleibt Präsenzunterricht möglich.“

sg

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