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Wird es in Hausham nicht geben: Zwei Mitglieder einer Sicherheitswacht in Augsburg.

„Keine unausgebildeten Aufpasser auf die Leute loslassen“

Sicherheitswacht: Klares Nein aus Hausham

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Schon 2011 hatte der Gemeinderat Hausham der Idee einer Sicherheitswacht eine Absage erteilt. Auch diesmal blieb das Gremium seiner Linie treu - und forderte stattdessen eine Aufstockung der Polizei.

Hausham – Alles andere als ein leichtes Heimspiel hatte die Leiterin der Polizeiinspektion Miesbach, Katharina Schreiber, bei ihrem Besuch im Haushamer Gemeinderat. Das lag jedoch nicht an ihr als Person, sondern am Thema. Die in Hausham wohnhafte Polizei-Chefin war in den Sitzungssaal gekommen, um für die Einrichtung einer Sicherheitswacht zu werben.

Schreiber ahnte wohl schon, dass die Idee auch in ihrer Heimatgemeinde nicht auf offene Türen stoßen wird. So hatte der Gemeinderat bereits 2011 eine Unterstützung der Polizei durch Ehrenamtliche abgelehnt. Trotzdem appellierte die Inspektionsleiterin an die Ratsmitglieder, dem Projekt „eine Chance zu geben“. Dass sich der Schlierseer Gemeinderat bereits mehrheitlich dagegen ausgesprochen hat (wir berichteten), sei „schade“ gewesen. Die Erfahrungen aus anderen Dienststellen hätten gezeigt, dass eine Sicherheitswacht durchaus positive Effekte haben könne.

In Hausham könnten die Ehrenamtlichen beispielsweise an der Zentralen Sportanlage Streife gehen, erklärte Schreiber. Wie berichtet, hatte es hier zuletzt wiederholt Fälle von Vandalismus gegeben. Ein „Sicherheitswachtler“ könnte verdächtige Beobachtungen per Funk an die Polizei melden und damit auch das „subjektive Sicherheitsgefühl“ im Ort erhöhen. Den von Kritikern wiederholt vorgebrachten Begriff des „Hilfspolizisten“ wies Schreiber zurück. „Es geht nur um eine Unterstützung in Bereichen, wo die Polizei nicht immer präsent sein kann.“

Die Gemeinderäte überzeugte Schreibers Plädoyer jedoch nicht. „Ich halte das für eine Farce“, sagte Adi Eckmair (CSU). Statt Ehrenamtliche zu rekrutieren, sollte das Innenministerium lieber beim Objekt- oder Personenschutz zurückfahren. Thomas Danzer (SPD) stieß ins selbe Horn. „Die öffentliche Sicherheit ist eine hoheitliche Aufgabe des Staates“, sagte er. Dieser solle lieber die Polizei stärken, anstatt „unausgebildete Aufpasser auf die Leute loszulassen“. Gerhard Klante (FWG) erinnerte daran, dass auch ohne Sicherheitswacht jeder Bürger die Polizei verständigen könne.

Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) schloss sich der einhelligen Meinung am Ratstisch an. Zwar sei es nicht ungewöhnlich, dass der Staat Aufgaben an Ehrenamtliche übertrage. Dies sei jedoch etwas anderes. Zudem würde die Sicherheitswacht für die ohnehin unterbesetzte Polizei sogar mehr Arbeit bedeuten. „Da tun wir euch keinen Gefallen“, sagte Zangenfeind. Die einstimmige Ablehnung wollte er aber nicht als negatives Votum gegenüber der Polizei verstanden wissen: „Ihr leistet gute Arbeit, und wir fühlen uns sehr sicher.“

Auch im Miesbacher Stadtrat hat die Sicherheitswacht für eine kontroverse Diskussion gesorgt.

Unser Autor Dieter Dorby ist der Meinung, dass Sicherheit nichts fürs Ehrenamt ist.

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