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Philipp Lahm ist seit August 2017 alleiniger Eigentümer der Haushamer Firma Sixtus.

„Ich glaube, die müssen erst mal durchschnaufen.“

Sixtus-Chronologie: Die spannende Geschichte von Philipp Lahms Firma

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Nein beim Bürgerentscheid in Schliersee, Einstieg von Philipp Lahm, Absage an Fischbachau: Sixtus hat aufreibende Jahre hinter sich. Wir haben die Ereignisse zusammengefasst.

Die Neuausrichtung der 1931 in Schliersee gegründeten Sixtus Werke beginnt zunächst hinter den Kulissen. Nach dem Ausstieg der Gebrüder Becker erwirbt Ende 2012 Franz Kroha, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Miesbacher Verpackungsfirma, 75 Prozent der Anteile an Sixtus und bewahrt das angeschlagene Unternehmen so vor dem Aus. Kroha setzt Petra Reindl als Geschäftsführerin ein. 

2014 folgt der Neustart der Marke. Sixtus verpflichtet erfolgreiche Landkreis-Sportler als Botschafter. Der prominenteste Neuzugang wird 2015 auf der Münchner Sportartikelmesse ISPO präsentiert: Fußball-Weltmeister Philipp Lahm steigt bei Sixtus ein. Bald werden Pläne bekannt, dass das Unternehmen aus Hausham nach Schliersee zurückkehren könnte. Nach einer für beide Seiten aufreibenden und monatelangen Debatte kommt es im Oktober 2016 zum Bürgerentscheid. Mit dem Ergebnis, dass die Ansiedlung von Sixtus abgelehnt wird

Das Unternehmen reagiert enttäuscht, macht sich aber bald auf die Suche nach einem neuen Standort für die geplante Erlebniswelt. 30 Grundstücke in ganz Deutschland lässt die Firma prüfen. Am Ende bleiben drei Gemeinden im Landkreis übrig: Fischbachau, Irschenberg und Hausham. Die Idee mit Irschenberg wird jedoch bald nicht mehr weiterverfolgt, berichtet Bürgermeister Hans Schönauer auf Nachfrage. Sixtus sei eine sympathische Firma, aber ein weiteres Event-Konzept im Gewerbegebiet Wendling wäre wegen der dort etablierten Kaffeerösterei Dinzler nicht vorstellbar gewesen. Zu dieser Einsicht seien letztlich beide Seiten gelangt. In Hausham hingegen bringt Bürgermeister Jens Zangenfeind eine Ansiedlung von Sixtus unter dem Motto eines „Gesundheitszentrums“ beim Krankenhaus Agatharied ins Spiel. 

Doch auch daraus wird nichts: Im März 2017 gibt Sixtus bekannt, ein Konzept für Fischbachau entwickeln zu wollen. Bürgermeister Josef Lechner steht voll hinter der Idee, eine Erlebniswelt zum Thema Kräuter in seiner Gemeinde zu schaffen. Unermüdlich stellt er die touristische Attraktivität heraus, von der beide Seiten profitieren würden. Die Gespräche zwischen Kroha, Reindl und ihm seien durchweg positiv verlaufen, sagt Lechner im Rückblick. 

Mit dem Ausstieg Krohas und der vollständigen Übernahme von Sixtus durch die Lahm Holding im August 2017 wird es plötzlich ruhiger um die Ansiedlungspläne. Während sich die Firma selbst bedeckt hält, gibt Lechner auf der Bürgerversammlung Ende 2017 den genauen Standort in Aurach bekannt. Die Kontakte mit Sixtus seien zuvor nur noch „sporadisch“ erfolgt, so Lechner. Wohl ein erstes Signal für schwindendes Interesse, das im Dezember noch verstärkt wird. 

Zu Lechners Überraschung bestätigt Roman Grill, Geschäftsführer der Lahm Holding GmbH, Gespräche mit der B&O-Gruppe von Ernst Böhm, dem mehrere Flächen im Gewerbegebiet in Bad Aibling gehören. Reindl verrät ferner, dass Sixtus angeboten worden sei, das bislang gemietete Gelände in Hausham kaufen zu können. Diese beiden Optionen sind dem Vernehmen nach auch nach der Absage an Fischbachau weiter aktuell. 

Wie das Unternehmen weiter vorgeht, kann auch der Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach, Alexander Schmid, nicht sagen. Sollte Sixtus aber weitere Optionen wünschen, sei man gerne bei der Suche behilflich. Selbstverständlich sei es im Sinne der SMG, dass die Firma im Landkreis bleibe. Schmid räumt aber ein, dass die für eine Erlebniswelt im Sinne des Markenkerns von Sixtus geeigneten Flächen in der Region rar gesät sind. „Da hätte Fischbachau schon gut gepasst.“ Sollte Sixtus analog zu Bad Aibling mit einer Fläche in einem Gewerbegebiet einverstanden sein, täte man sich natürlich leichter. Auch mit einem Verbleib in Hausham hätte Schmid aus Landkreis-Sicht kein Problem. 

Genauso wenig der Bürgermeister. „Sie sind bei uns nach wie vor willkommen“, sagt Zangenfeind. Er habe aber das Gefühl, dass sich Sixtus erst darüber klar werden müsse, wie die langfristige Philosophie tatsächlich aussehen soll. Erst dann würden Gespräche über Standorte wieder einen Sinn machen. Zangenfeind: „Ich glaube, die müssen erst mal durchschnaufen.“

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