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Martin Schmid vom Barbaraverein Leitzachtal entdeckte die Geschichte der Strecke beim Studium alter Bergbauunterlagen.

Großes Jubiläum

So lief es vor 150 Jahren: Wie die Eisenbahn Hausham erschuf

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Vor 150 Jahren fuhr die erste Eisenbahn von Miesbach nach Hausham. Die Linie brachte der Region wirtschaftlichen Aufschwung, Hausham gäbe es ohne sie nicht. Eine verrückte Geschichte.

Miesbach – Martin Schmid sitzt an seinem Schreibtisch, vor ihm ein Stapel alter Bergbau-Unterlagen. Der 76-Jährige ist Bergbauhistoriker aus Leidenschaft, arbeitete selbst achteinhalb Jahre im Bergwerk Hausham. Jetzt entdeckte Schmid etwas, dessen Bedeutung weit über den Landkreis hinaus geht: Vor 150 Jahren fuhr die erste Eisenbahn auf der Strecke Miesbach-Hausham. Die Linie brachte der ganzen Region wirtschaftlichen Aufschwung und prägte den Landkreis nachhaltig.

Nur wenige Jahre vorher, um das Jahr 1860, stand der Bergbau in Miesbach am Scheideweg. „Damals“, erklärt Schmid, „überstiegen die Transportkosten den Verkaufserlös. Das brachte das Bergwerk an den Rande des Ruins.“ Vor dem Anschluss an das Bahnnetz karrte man die Kohle unter Tage mühselig nach Bad Aibling, von dort mit dem Pferd nach Rosenheim und dort auf Schiffe. „Man brauchte eine billigere, flexiblere Lösung“, sagt der Experte.

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Die kam mit dem Anschluss Miesbachs an das Bahnnetz. „Die Bergbaugesellschaft hatte dafür ihren Einfluss genutzt“, weiß Schmid. Ab 1861 rollten Züge von der Kreisstadt bis München, brachten die Kohle an neue Kunden. Die Nachfrage stieg, „auch weil die Bahn selbst Kunde der hiesigen Bergwerke wurde – die Dampfloks brauchten Kohle.“ Schnell kam man in der Miesbacher Grube mit der Produktion nicht mehr nach.

Wieder stand der Bergbau am Scheidweg. „Zwar hatte man auch im heutigen Hausham ein Vorkommen entdeckt, doch dort fehlte der Bahnanschluss“, erklärt Schmid das Dilemma. Um auch den Transport der Haushamer Kohle zu erleichtern, beantragte man die Verlängerung der Bahnstrecke. „Auch die Einwohner Schliersees wollten ihren Ort an das Schienennetz anbinden, um mehr Touristen anzuziehen“, erläutert Schmid.

Beide Argumente zusammen überzeugten den bayerischen König Maximilian II., der die Bahnstrecke über Hausham bis Schliersee 1862 in Auftrag gab. Planung und Bau dauerten sechs Jahre, 1868 ging das Teilstück nach Hausham in Betrieb. Ein Jahr später folgte die Strecke bis Schliersee.

In der Folge professionalisierte sich der Bergbau, „wie es ohne Bahnanbindung undenkbar gewesen wäre, entwickelte sich zum Wirtschaftsmotor der Region“, urteilt der Experte. „In Hausham erfolgte die Aufbereitung und Vermarktung der Kohle, wofür die neue Strecke entscheidend war.“ Die Belegschaft im Haushamer Bergwerk wuchs auf bis zu 1600 Mitarbeiter. Auch Hausham selbst gewann an Bedeutung, wurde sogar Namensgeber der Gemeinde, die vorher Agatharied hieß.

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Ab 1868 rollten auch Personenzüge über die Schienen. Täglich vier Verbindungen nach München standen im ersten Fahrplan, brachten die Haushamer so näher an die Landeshauptstadt.

Bahn und Kohle trugen auch entscheidend zu einem Höhepunkt der Miesbacher Geschichte bei. Als Oskar von Miller 1882 als erster Mensch Gleichstrom über eine größere Entfernung übertrug, nutzte er dafür die Telefondrähte der Bahn. Miesbacher Kohle trieb den bergwerkeigenen Generator an, damals eine technische Hochleistung. „Ohne die Bahnlinie hätte sich das Bergwerk nicht derart führend etablieren können und die Wahl für die historische Übertragung wäre wohl nicht auf Miesbach gefallen“, meint Schmid. „Diesen Platz in den Geschichtsbüchern verdankt Miesbach also auch der Haushamer Bahnstrecke.“

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