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In bayerischem Corona-Hotspot: Krankenhaus schildert drastische Lage - „Unser Personal zerbricht daran“

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Von: Jonas Napiletzki

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Die Situation im Krankenhaus Agatharied spitzt sich zu. Wie die Klinik aus dem Corona-Hotspot Miesbach berichtet, ist die Bettenauslastung „am absoluten Rande der Kapazitäten“.

Update vom 2. November: Mit drastischen Worten beschreibt Krankenhaus-Vorstand Michael Kelbel die Lage in Agatharied: „Jetzt geht es mit Corona in den dritten Winter. Unser Personal zerbricht daran, unsere Bettenkapazitäten platzen aus allen Nähten.“ Das betreffe zum einen die Intensivstation, auf der seit Tagen maximal noch ein Bett frei ist und – Stand gestern Nachmittag – acht Corona-Patienten liegen, aber nicht nur die.

Corona-Hotspot in Bayern: Bettenkapazitäten in Krankenhaus platzen aus allen Nähten

„Am Wochenende haben wir die zweite Station als Covid-Bereich definieren müssen – Platz, der dann zwar für Corona-Patienten genutzt werden kann, aber an anderen, nicht minder wichtigen Stellen fehlt“, so Kelbel. „Das schränkt die Handlungsfähigkeit des Krankenhauses massiv ein.“ So habe die Erkältungs- und Grippezeit begonnen, und das gute Wanderwetter beschere dem Krankenhaus viele Unfall-Patienten. Längst sei die Einrichtung so weit, dass sie nur noch Patienten aufnehmen kann, deren Behandlung dringend ist und keinen weiteren Aufschub duldet.

Corona-Lage im Krankenhaus Agatharied: „Drahtseilakt wie nie zuvor“

Kelbel zufolge ist der Betrieb der Betten in diesen Tagen „ein Drahtseilakt wie nie zuvor“. Stets sei darauf zu achten, was die „erschöpfte Mannschaft“ – also Ärzte und Pflegekräfte – überhaupt noch zu leisten imstande ist. Pflegedirektor Sven Steppat fügt an: „Dass auch unser eigenes Personal weder vor der Grippe, noch vor Covid verschont wird, macht die Sache zusätzlich schwierig.“

Große Sorge bereitet dem Krisenstab, dass momentan kein Abflachen der Infektionskurve und somit auch keine Erleichterung der Lage zu erwarten ist. Bei der aktuellen Bettenauslastung bewege sich sein Haus „am absoluten Rande der Kapazitäten“. Insgesamt betreut die Klinik derzeit 30 Covid-Patienten,

Auch die Ärzte in Agatharied beobachten, dass vermehrt geimpfte Personen stationär behandelt werden müssen. Darunter seien aber viele hoch betagte Menschen oder mit vielen Vorerkrankungen, was auch zu einer schlechteren Impfreaktion geführt haben könnte. Auch sei ein allmählich nachlassender Schutz von anderen Impfungen bekannt. Kelbel: „All das spricht für eine schnelle Auffrischimpfung.“

Ursprüngliche Meldung vom 1. November:

Agatharied – Zwölf junge Patienten haben auf der Kinderstation im Krankenhaus Agatharied Platz – eigentlich. Derzeit stehen Ärzte jedoch vor einem paradoxen Platzproblem: Sie bräuchten mehr Betten, können aber auch die zwölf vorhandenen nicht immer voll auslasten. Grund dafür sind nicht etwa Corona-Patienten. Es geht um infektiöse Kinder, die derzeit vermehrt wegen des RS-Virus beatmet werden müssen.

Sonja Bernlochner, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus Agatharied, sagt: „Wir haben derzeit viele Atemwegserkrankte auf der Station.“ Das RS-Virus – kurz für das Respiratorische Synzytial-Virus – sei mit sechs daran erkrankten Kindern für die Hälfte der Belegung verantwortlich. „Die Station ist am Limit“, sagt die Ärztin. Denn: „RS-Erkrankte sind infektiös; wir können zum Schutz anderer nicht immer alle Betten belegen.“

„Alle Kliniken sind am Anschlag“: Mehr Patienten wegen fehlenden Virusaustauschs

Dominik Ewald, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, bestätigte: „Alle Kliniken sind am Anschlag.“ Problematisch sei derzeit, dass sich Kinder viele Infekte in Folge einfingen und dann zu geschwächt seien, um dem RS-Virus noch viel entgegensetzen zu können. Diese Entwicklung sei jedoch nicht überraschend. Durch den Lockdown habe es „keinen Austausch der Infektionen“ unter den drei Jahrgängen gegeben, die jetzt wieder aufeinandertreffen. „Die machen jetzt alle auf einmal das durch, was normalerweise nur ein Jahrgang durchmachen würde“, sagte Ewald. Deshalb gebe es jetzt dreimal so viele Erkrankte.

+++ Lesen Sie auch: Die Gefahr, sich mit dem RSV-Virus anzustecken, steigt im Winter. In diesem Jahr melden Ärzte bereits jetzt erschreckend oft schwere Krankheitsverläufe. +++

Die Folge: Bernlochner und ihre Kollegen müssen „oft Eltern mit ihren Kindern abweisen“, bestätigt die Ärztin. Agatharied sei kein Einzelfall. „RS-Patienten hatten wir schon immer, aber heuer sind sie besonders früh dran – und besonders viele.“ Ewald zufolge sei die Versorgung jedoch noch nicht gefährdet.

Versorgung trotz Engpass nicht gefährdet - Kindern kann RS-Virus dennoch gefährlich werden

Das RS-Virus kann auch Erwachsenen zu schaffen machen, ist aber besonders für Frühgeborene, Säuglinge und Kleinkinder gefährlich. Sie können schwere Lungenentzündungen bekommen. Laut Robert-Koch-Institut sterben 0,2 Prozent der erkrankten Kinder ohne bekanntes erhöhtes Risiko, gut ein Prozent der erkrankten Frühgeborenen und mehr als fünf Prozent der betroffenen Kinder mit angeborenem Herzfehler.

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Eine weitere Viruserkrankung ist in Deutschland gerade auf dem Vormarsch. Besonders betroffen sind davon Kleinkinder. Ein Arzt aus Augsburg schlägt Alarm.

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