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Höchste Konzentration: Wenn Tobias Hartmann an der Kreissäge steht, gibt es für ihn nur das Holz, die Maschine und sich.

Er hat einen ganz normalen Arbeitsplatz

Tobi hat Downsyndrom und arbeitet an der Kreissäge

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Tobias Hartmann (22) arbeitet in einer Schreinerei. Dass er das Downsyndrom hat, macht das zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Ein Treffen an der Kreissäge.

Hausham/Dürnbach – Tobias Hartmann (22) läuft durch die Massivholz-Abteilung der Schreinerei Eham in Hausham. Er geht nicht, er läuft. Von einer Maschine zur anderen, zu jeder kann er etwas erzählen. An der Kreissäge bleibt Hartmann stehen. Es ist seine Lieblingsmaschine. Er zieht Handschuhe aus der hinteren Hosentasche. „Da muss man sich schützen“, sagt er. Hartmann packt ein Stück Holz und legt los.

Seit über einem Jahr arbeitet der 22-Jährige in der Schreinerei. Zuvor war er in den Oberland Werkstätten in Miesbach beschäftigt – jetzt hat er einen Außenarbeitsplatz (siehe unten). Er ist einer von neun Menschen mit Behinderung im Landkreis, die einen solchen Platz bekommen haben. Hartmann hat das Downsyndrom, eine kognitive Beeinträchtigung. Weitere Arbeitsplätze gibt es beispielsweise in der Jugendherberge in Kreuth, bei der Firma Herbaria in Fischbachau oder auch beim Fraunhofer-Institut in Oberlaindern. Hartmann wollte unbedingt zur Schreinerei. „Holz liegt mir“, sagt er. „Der Duft hat mir sofort gefallen.“

Wenn Hartmann an der Kreissäge steht, schaut ihm ab und zu Markus Trinkl über die Schulter. „Der Tobi ist in meinem Team.“ Dort wird das Holz für die Schreiner vorbereitet. Hobeln, schneiden, fräsen – Hartmann wird überall eingesetzt. „Wir versuchen immer, sein Arbeitsfeld zu erweitern“, sagt Trinkl. Mittwochs den ganzen Tag und freitags bis Mittag arbeitet Hartmann bei ihm mit. Und wenn mal nichts zu tun ist, dann schnappt er sich aus freien Stücken einen Besen und kehrt die Arbeitsplätze. Einfach weil ihm das Arbeiten Spaß macht. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt Hartmann und boxt Trinkl leicht auf die Schulter.

Es ist nicht immer einfach, einen geeigneten Außenarbeitsplatz zu finden. Silvia Reimann, die sich bei den Oberland Werkstätten in Miesbach darum kümmert, sagt: „Die Arbeitsplätze, die wir brauchen, gibt es oft nicht.“ Entweder das Unternehmen hat nicht die Möglichkeit, einen solchen Platz anzubieten. Oder für den Arbeiter passt es nicht, zum Beispiel, wenn er einen langen und komplizierten Arbeitsweg hat. Bei Hartmann ist das kein Problem. Er wohnt in Dürnbach und fährt an einem Tag mit dem Bus, am anderen fahren ihn seine Eltern.

Mit einer Woche Praktikum hat Hartmann in der Schreinerei begonnen, es folgte eine zweite. Und schließlich die dauerhafte Anstellung. Reimann war zu Beginn mit dem 22-Jährigen gemeinsam dort. „Wir haben Altholz entnagelt“, sagt sie und lacht. Mittlerweile wüssten in der Firma alle, was sie Hartmann zumuten können. Reimann braucht schon lange nicht mehr mitzugehen.

Alles sei schon sehr gut eingespielt, bestätigt Werkstattmeister Peter Jakobi. „Wir haben geschaut, welche Stärken Tobi hat.“ Jetzt könnten sie seine Hilfe gut gebrauchen. Trotzdem haben alle erst lernen müssen, mit Hartmanns Behinderung umzugehen. „Wenn du da keinen familiären Bezug hast, dann ist das Thema ganz weit weg“, gibt Jakobi zu. Wenn er nun mit Hartmann am Brotzeittisch sitzt und scherzt, ist von Berührungsängsten nichts zu sehen. Hartmann ist für ihn ein Mitarbeiter, wie es seine zwölf Lehrlinge auch sind. Nicht mehr, nicht weniger.

Tobias Hartmann blickt das Holz an, das er an der Kreissäge bearbeitet hat. „Wenn ein Auftrag kommt, erfülle ich den“, sagt er und klingt wie ein Geschäftsmann. Er rückt sein FC-Bayern-Halstuch zurecht. Neben dem Holz ist das die zweite Leidenschaft des 22-Jährigen. Robert Lewandowski ist sein Lieblingsspieler. Mit Fußball befasst sich der 22-Jährige nach Feierabend – jetzt wird erst einmal gearbeitet. Hartmann zeigt auf einen Stapel Holz. „Die müssen alle noch zugeschnitten werden.“ Dann macht er sich an die Arbeit.

nip


Über Außenarbeitsplätze

Außenarbeitsplätze sind in Firmen und Betriebe ausgelagerte Werkstattplätze für Menschen mit Behinderung. Sie sind bei den Oberland Werkstätten aber weiterhin angestellt, dort versichert und werden darüber bezahlt. Somit soll die Teilhabe am Arbeitsleben gewährleistet werden. Im Raum Miesbach gab es einen solchen Arbeitsplatz zum ersten Mal im Jahr 2010. Mittlerweile sind es insgesamt neun Plätze. Es gelang bereits, drei Mitarbeiter dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Raimund Weindl, Betriebsleiter der Oberland Werkstätten in Miesbach, sagt: „Wir sind immer am Akquirieren von Praktikums-Plätzen.“ Denn daraus entsteht oft eine feste Stelle.

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