Linienbus angefahren und geflüchtet

Linienbus angefahren und geflüchtet
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Auch wenn das Schild im Schaufenster anderes verrät: Die Datschi-Manufaktur von Bärbel und Hans Kandlinger wird im Juni nicht mehr in Betrieb gehen. Das Café bleibt geschlossen.

Sie hatten keine Wahl

Trotz Neustart vor drei Jahren: Beliebtes Datschi-Café sperrt endgültig zu - mit traurigem Grund

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Der jahrelange Kampf hat nicht gefruchtet: Die Haushamer Datschi-Manufaktur von Bärbel und Hans Kandlinger kehrt nicht mehr aus dem Winterschlaf zurück. Das sind die Gründe.

Hausham – Unzählige Male hat Bärbel Kandlinger (57) am Sonntagabend ihr Café zugesperrt. Am 28. Oktober 2018 brachte sie es fast nicht übers Herz. Zwei Stunden lang zögerte sie, ehe sie den Schlüssel doch umdrehte. Sie wusste: Dies ist kein normales Saisonende der Haushamer Datschi-Manufaktur. Es ist das Ende eines Traditionsbetriebs, der seit 1938 in Familienhand war. Schon beim Abschließen kämpfte Kandlinger mit den Tränen. Bei der Heimfahrt nach Miesbach brachen die Emotionen dann voll aus ihr heraus. „In Agatharied hab ich geweint.“

Nicht nur für die Gäste kam das Aus des beliebten Cafés im Herzen Haushams überraschend. Auch Hans und Bärbel Kandlinger selbst hätten nicht damit gerechnet, dass sie 2018 ihre letzten Datschi-Bleche in den Ofen schieben. Deshalb sprechen sie auch nicht von einem geplanten Abschied oder einem ersehnten Eintritt in den Ruhestand. „Es ist keine geordnete Situation“, sagt Hans Kandlinger (59) leise und schluckt. „Und wir fühlen uns auch nicht wohl damit.“ Kein Wunder nach 44 Jahren als Konditor und 33 Jahren Selbstständigkeit.

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Ein Bauchgrummeln hatte das Ehepaar aber schon vor der Entscheidung, das Café nach Saisonende endgültig aufzugeben. Wie berichtet, hatten die langen Schließzeiten des Bahnübergangs, der sich direkt vor der Haustür befindet, den Kandlingers das Geschäft zunehmend erschwert. So sehr, dass sie sich Ende 2015 zu einem mutigen Neustart durchrangen und ihr Café in eine „Datschi-Manufaktur“ mit Saisonbetrieb im Sommer verwandelten. Als weitere Standbeine bauten sie sich zwei Verkaufsstände und einen Lieferservice an Gastronomen auf.

Der Kandlinger Datschi wurde so zur Marke – doch auch das reichte nicht. Selbst die so einfallsreichen Kandlingers spürten langsam aber sicher eine gewisse „Ausweglosigkeit“, wie Hans Kandlinger erzählt. Verstärkt wurde dieses Gefühl von der Unsicherheit über die bevorstehende Baumaßnahme zur Verlegung des Bahnübergangs (siehe Kasten). Der ohnehin schwächer werdende Zustrom von Ausflüglern ins Café könnte damit weiter abebben, fürchtete Kandlinger.

Auch beim Liefergeschäft könne man durch den Preisdruck kaum fehlende Einnahmen auffangen – geschweige denn attraktive Löhne zahlen. Das sei aber ungemein wichtig, um Fachkräfte für Backstube und Service anzulocken, betont Kandlinger. Zumal dies in einer Saison von nur fünf Monaten ohnehin schwierig sei.

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Zu wenig Zutaten für einen schmackhaften Datschi, fanden die Kandlingers. Was es brauche, sei ein komplett neuer Ansatz. Vielleicht eine Tagesbar, wo sich die Leute unkompliziert treffen können, meint Hans Kandlinger. Oder ein Bio-Restaurant mit Laden. „Da sind wir aber zu alt dafür“, findet Bärbel Kandlinger. Und zu erschöpft nach dem langen Kampf.

Sang- und klanglos verabschieden wollen sich die Datschi-Spezialisten aber nicht. Sie haben eine „Ideen-Hotline“ für einen Neustart in den 250 Quadratmeter großen Geschäftsräumen im Erdgeschoss ihres Hauses an der Naturfreundestraße ausgerufen. Neben einer Verpachtung denken sie über einen Verkauf nach, räumt Hans Kandlinger ein. „Wir waren früher selbst einmal Pächter und haben auch die Schattenseiten dieses Modells erlebt.“ In jedem Fall wollen sie ihren Nachfolgern einen guten Start ermöglichen.

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Eines müssen diese aber selbst mitbringen, betont Bärbel Kandlinger. Sie müssen ihre Idee leben. So, wie die Kandlingers für ihren Datschi gebrannt haben. „Unsere Augen waren oval wie Zwetschgen.“

Die Ideen-Hotline

der Kandlingers ist unter 0 80 26 / 82 00 erreichbar. Interessierte Nachfolger können auch unter hkandlinger@t-online.de Kontakt aufnehmen.

Naturfreundestraße: Bürgermeister sieht „Licht am Horizont“

Mit dem Café Kandlinger schließt ein weiterer Traditionsbetrieb an der Naturfreundestraße in Hausham. Das tut auch Bürgermeister Jens Zangenfeind leid. „Ich bedauere das sehr, habe aber vollstes Verständnis für die Kandlingers“, sagt er. Die beiden hätten viel gekämpft, immer wieder neue Ideen entwickelt und so ihre Spuren im Ort hinterlassen. Der Bürgermeister verleugnet nicht, dass sich die Lage am Bahnübergang durch die 2019 startenden Bauarbeiten weiter erschweren dürfte (Details sollen bei einer Infoveranstaltung folgen). 

Nach Abschluss der Verlegung 2020 rechnet Zangenfeind aber mit einer spürbaren Aufwertung des Standorts. Er verweist dabei auch auf den geplanten Neubau des Pfarrzentrums und den Umzug des Rathauses. „Es gibt Licht am Horizont“, sagt der Rathauschef. So könnte das Haus der Kandlingers bald wieder seine Premiumlage zurückerhalten.

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