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Nichts mehr zu sehen ist von dem Müll, den die Gemeinde Hausham und die Stadt Tegernsee in den 1960er-Jahren an der Tegernseer Straße kurz vor dem Ortsausgang Richtung Ostin verfüllt haben.

Altlasten unter der Erde

Überschrittene Grenzwerte: Gemeinde lässt alte Mülldeponie untersuchen

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Zu sehen ist nichts mehr von der alten Mülldeponie an der Tegernseer Straße in Hausham. Ärger macht sie trotzdem. Wegen überschrittener Grenzwerte wird jetzt eine Sanierung geprüft.

Hausham – Aus dem Auge, aus dem Sinn. Ein Motto, das früher auch in der Abfallentsorgung zur Anwendung kam. Die Folgen der ehemaligen Müllhalden schlummern noch heute in etlichen Gemeinden unter der Erde. Nicht immer werden sie entdeckt, doch wenn sie Probleme machen, wird es schnell richtig teuer. Auch in Hausham gibt es so einen Fall. Allerdings nicht am Brenten, sondern an der Tegernseer Straße kurz vorm Ortsausgang Richtung Ostin. Auf Antrag des Vorsitzenden des Landschaftsschutzvereins, Peter Weber, wurde das Thema nun bei der Haushamer Bürgerversammlung erstmals öffentlich behandelt.

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Mehr oder weniger durch Zufall habe er erfahren, dass auf dem Grundstück westlich des Nagelbachs, auf dem sich neben Garagen auch eine Gartenbaufirma befindet, Untersuchungen im Gange seien, erklärte Weber. Diese hätten ergeben, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte auf der früheren Mülldeponie teilweise deutlich überschritten werden. „Da leben seit 60 Jahren Leute“, sagte Weber kopfschüttelnd. „Warum wird das erst jetzt geprüft?“

Bürgermeister Jens Zangenfeind bestätigte die Messungen. Diese seien auch in der Vergangenheit regelmäßig durchgeführt worden. Die Gemeinde habe bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Das ist kein Geheimnis“, betonte er. Voraussichtlich im Herbst würden Bohrungen auf dem Gelände durchgeführt werden, um Zählwerke und Messstationen anzubringen. Diese sollen dann über den konkreten Sanierungsbedarf Aufschluss geben. Die Gemeinde müsse maximal 60 000 Euro an Kosten übernehmen, sagte Zangenfeind. Den Rest würde die halbstaatliche Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) mittels Zuschüssen abdecken.

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Um eine dauerhafte Mülldeponie hat es sich bei dem 14 800 Quadratmeter großen Grundstück ohnehin nicht gehandelt, erklärt Landratsamts-Pressesprecher Birger Nemitz auf Nachfrage unserer Zeitung. Vielmehr hätten die Gemeinde Hausham und die Stadt Tegernsee das Gelände zwischen 1960 und 1968 zum „Niveauausgleich“ mit Gewerbe- und Hausmüll verfüllt und so ein Plateau geschaffen. Dokumente über die Art und Menge der abgelagerten Materialien würden nicht vorliegen. „Unsere Experten vom Fachbereich Wasser, Abfall und Bodenschutz vermuten jedoch, dass Hausmüll mengenmäßig den Hauptteil darstellt“, berichtet Nemitz. Früheren Recherchen zufolge dürften aber auch Kunststoffabfälle der Firma WMF und Schlacken aus dem Haushamer Heizkraftwerk verfüllt worden sein.

Seit 1973 seien immer wieder Untersuchungen auf dem Gelände durchgeführt worden. Zuerst vom Landratsamt selbst, dann von verschiedenen Fachbüros. Seit 2009 seien mehrere „Detail-Erkundungen“ erfolgt, Ende 2016 sei zudem eine Oberboden-Untersuchung zur abschließenden Gefährdungsabschätzung veranlasst worden. Bei einem Abstimmungstreffen zwischen Landratsamt und Gemeinde im Januar 2018 habe man dann vereinbart, dass die Gemeinde eine Sanierungsuntersuchung durchführt. Die Fachbehörden sowie das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hätten zahlreiche Stellungnahmen verfasst.

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Das Ergebnis: Als „grenzwertüberschreitende Schadstoffe“ seien insbesondere Schwermetalle wie Zink, polycyclische, aromatische Kohlenwasserstoffe und Mineralöl-Kohlenwasserstoffe ermittelt worden, so Nemitz. Mit Blick auf die früheren Erkundungen würden die Experten aber davon ausgehen, „dass die Schadstoffe im Boden nicht vom Mensch aufgenommen werden.“

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