Vergewaltigung in der Ehe: Einen solchen Fall verhandelte jetzt das Schöffengericht in Miesbach (Symbolbild)
+
Vergewaltigung in der Ehe: Einen solchen Fall verhandelte jetzt das Schöffengericht in Miesbach (Symbolbild)

Keine Verurteilung

Ehefrau vergewaltigt? Gericht spricht Mann frei - weil sie nicht deutlich genug „Nein“ sagte

Weil er seine Ehefrau vergewaltigt haben soll, stand ein 43-Jähriger in Miesbach vor Gericht. Es stand Aussage gegen Aussage. Letztlich wurde er freigesprochen.

Hausham – Das Ehepaar, das heute in Scheidung lebt, bewohnte im Dezember 2019 ein gemeinsames Haus in Hausham. Dort soll der inzwischen am Tegernsee wohnende 43-Jährige seine heute 34-jährige Frau vergewaltigt haben. Laut Anklageschrift hatte er die Frau im Ehebett an Brust und Beinen berührt. Sie habe ihn weggedrückt. Mit Gewalt habe er daraufhin ihre Hände hinter ihrem Kopf zusammengehalten. Obwohl seine Frau es schaffte, sich mit einer Hand zu befreien, habe sich der 43-Jährige nicht abbringen lassen.

Ehefrau vergewaltigt? Mann bestreitet Tat - „Würde ihr nie etwas antun“

Dass es an besagtem Tag zum ungeschützten Verkehr zwischen ihm und seiner Frau kam, stritt der 43-Jährige vor Gericht gar nicht ab. Es sei aber einvernehmlich gewesen. „Wenn sie eine Abwehrhandlung vorgenommen oder gesagt hätte, dass sie es nicht will, dann hätte ich doch sofort aufgehört“, beteuerte der Angeklagte. „Ich würde ihr doch nie etwas antun.“ Dass sich seine Frau, wie in der Anklageschrift festgehalten, mit einer Hand befreit und versucht habe, ihn wegzudrücken, erklärte er so: „Sie hat mich nicht weggedrückt – wir haben uns beim Sex eben gerne an den Händen gehalten.“ Die Schäferstündchen seien eben immer sinnlich gewesen – nur in der Zeit vor dem Vorfall nicht mehr regelmäßig.

Schon länger hatte es in der Ehe offenbar gekriselt. Auch an besagtem Tag gab es Streit, wegen angeblich anzüglicher Bilder „von ihr und einem anderen Mann, die ich auf ihrem Handy gefunden habe“, sagte der 43-Jährige. „Trotzdem habe ich die Beziehung irgendwie retten wollen.“

Hausham: Mann wegen Vergewaltigung von Ehefrau vor Gericht - „ein echter Schock“

Was in den frühen Morgenstunden jenes Tages Ende Dezember passierte, nachdem seine Frau spät von einem Bekannten heimgekommen sei, schilderte der Angeklagte als Versöhnung. Sie habe erst auf der Couch geschlafen, man sei dann aber gemeinsam ins Bett. „Sie saß sogar auch auf mir – das ist doch keine Vergewaltigung.“

Die 34-Jährige konnte sich an diese Episode so nicht erinnern, umso genauer aber daran, dass es kein Einvernehmen gegeben habe. „Ich wollte das nicht“, sagte die Haushamerin vor Gericht. Sie schilderte den Vorfall so, wie in der Anklageschrift aufgeführt. „Er hat es dann halt irgendwie geschafft, in mich einzudringen, und ich habe es über mich ergehen lassen.“ Wortlos. Ein „Hör auf“ oder ein „Lass mich schlafen“ habe sie nicht ausgesprochen. Die Situation sei für sie aber „ein echter Schock, eine wahre Demütigung“ gewesen. Besonders wegen der zwei gemeinsamen Kinder habe sie dennoch die starke Frau und Mutter spielen wollen und sich nichts anmerken lassen. Als sie ihren Mann noch am selben Tag auf die Vergewaltigung angesprochen habe, habe der zu ihr wörtlich gesagt: „Anders komme ich ja nicht mehr an dich ran.“

Für Staatsanwalt Jungwirth lag auf der Hand, dass es sich um eine Vergewaltigung handelte. „Was Sie uns hier erzählt haben, war hoffnungslos widersprüchlich“, sagte er zum Angeklagten. Dass die Frau oben gesessen sein soll, „das sagen Sie uns nach eineinhalb Stunden Vernehmung“, hielt der Staatsanwalt fest. „Das kann ich mir nur so erklären: Es ist nicht die Wahrheit. So etwas sage ich zu meiner Verteidigung ganz am Anfang.“ Er wollte den 43-Jährigen für drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis schicken.

Vorwurf der Vergewaltigung: Gericht spricht Ehemann frei

Dessen Rechtsanwältin Birgit Schwerdt forderte dagegen Freispruch. Der Ex-Haushamer habe nicht wissen können, „dass seine Frau an dem Tag keinen Sex mit ihm haben wollte – auch, weil sie nichts sagte.“

Auch Richter Walter Leitner war das Ergebnis von fünf Stunden Beweisaufnahme zu wenig für eine Verurteilung. Die „Kardinalfrage“ sei: „Hat er erkannt, dass sie es nicht will?“ Das Tatopfer müsse „den Widerwillen deutlich zum Ausdruck bringen“. Das sei nicht eindeutig erkennbar, „denn Sie haben bis zum Schluss nicht ein Wort gesagt“, wandte sich Leitner an die Noch-Frau des Angeklagten. „Wenn das Festhalten der Hände das Einzige ist, das am Schluss stehen bleibt, dann kann das Gericht dafür keine Freiheitsstrafe verhängen.“ Das Gericht sprach den 43-Jährigen frei.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen.

hph

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion