Verhandlung am Amtsgericht

Einbruch: Drogen nicht bezahlt

Hausham - Den Einbruchdiebstahl in eine Haushamer Wohnung im Dezember 2014 ist aufgeklärt: Die beiden Angeklagten erwartet eine Strafe von einer Woche Dauerarrest sowie eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten.

So unschuldig, wie sich ein 28-jähriger Rosenheimer noch vor einem Monat bei der ersten Verhandlung vor dem Miesbacher Amtsgericht gegeben hatte, war er wohl doch nicht. Bei einem Wohnungseinbruchdiebstahl im Dezember 2014 in Hausham hat er gar die tragende Rolle gespielt. Dem Mitangeklagten, einem schon im Vormonat größtenteils geständigen Tölzer (19), wies das Gericht um Amtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid nur eine Mittäterrolle zu.

Zur Aufklärung des Falls konnte nun vor allem der Geschädigte (26) beitragen. „Ein Nachbar hat mir geschrieben, dass da Leute in meine Wohnung einbrechen wollen“, berichtete er dem Gericht. Zum Tatzeitpunkt war er selbst nicht in seiner Wohnung. „Ich bin aber sofort nach Hause gefahren. Dort habe ich den jüngeren der beiden Angeklagten erkannt.“

Dies verwunderte den Vorsitzenden Richter, denn bei der polizeilichen Vernehmung hatte der 26-jährige Haushamer angegeben, beide Täter erkannt zu haben. „Entweder haben Sie jetzt vor Gericht gelogen oder bei der Polizei“, stellte Schmid fest. „Ich dachte damals, dass der Ältere dabei gewesen sein muss, weil die zu der Zeit viel gemeinsam gemacht haben“, erklärte der Haushamer. Eingeschüchtert worden sei er von dem Rosenheimer jedoch nicht.

Andere Aussagen überführten den Rosenheimer

Nach weiteren Zeugenaussagen stellte sich der Ablauf für Richter und Staatsanwältin so dar: Die Angeklagten verabredeten sich mit zwei bis drei weiteren unbekannten Personen vor der Tür des Haushamers, der den Tätern 700 Euro aus Drogengeschäften schuldete. Da er nicht zu Hause war, fasste der 28-Jährige den Plan, einzubrechen. Er schlug die Glastür ein, stieg mit den Unbekannten in die Wohnung – der 19-jährige Tölzer stand Schmiere. Als ein Fernseher, eine Spielekonsole und Bargeld aus der Wohnung getragen wurden, wurde der Tölzer aktiv: Er trug den Fernseher ins Auto, was ihn zum Mittäter machte.

Als der Tölzer und die unbekannten Mittäter das Diebesgut zu einem ahnungslosen Bekannten nach Rosenheim schafften, hielt sich der angeklagte Rosenheimer raus und fuhr nicht mehr mit. Somit dachte er, keiner würde ihm auf die Schliche kommen. Doch durch die Aussagen des Haushamers bei der Polizei und die des Tölzers vor Gericht, „die sehr glaubwürdig erschienen“, wie die Staatsanwältin anmerkte, wurde der Rosenheimer überführt.

Weil er bereits fünf Einträge im Bundeszentralregister vorzuweisen hat, forderte die Staatsanwältin eine zehnmonatige Bewährungsstrafe für den Rosenheimer – der Tölzer solle einen einwöchigen Dauerarrest absitzen. Der Verteidiger des 28-Jährigen plädierte dagegen auf Freispruch für seinen Mandanten: „Die Anklage beruht nur auf Vermutungen.“ Der Anwalt des Tölzers erklärte, sein Mandant habe aus Angst vor den anderen den Fernseher ins Auto getragen, und forderte, nur Jugendstrafrecht anzuwenden. Dem kam Schmid nicht nach. Er verhängte einen Freizeitarrest gegen den 19-Jährigen. Seinen Mitangeklagten erwarten dagegen sieben Monate Haft auf Bewährung.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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