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Begeistert von Stallhofers Entwürfen: Georgine Konrad zeigt zwei der Entwürfe des Agatharieder Künstlers, der sich vor allem mit seinen Kirchenfresken und Lüftlmalereien einen Namen gemacht hat.

Ausstellung im Gasthof Staudenhäusl

Versteckt aber sehenswert: Das macht das Stallhofer-Museum aus

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Entwürfe großer Fresken sind im zweiten Stock des Gasthof Staudenhäusl in Agatharied zu bewundern. Sie sind ein Teil des Lebenswerks von Josef Stallhofer. Ein sehenswertes Museum.

Agatharied – Ein gewisses Maß an Vorstellungskraft ist gefragt, wenn man an den Werken von Josef Stallhofer im zweiten Obergeschoss des Gasthof Staudenhäusl in Agatharied vorbeispaziert. Verschiedenste Entwürfe des 1993 im Alter von 84 Jahren gestorbenen Künstlers aus Agatharied hängen an den Wänden und in den Schaukästen. Mal zeigen sie biblische Szenen in Ölfarben, mal nur die Studie einer Hand oder eines Arms. Bei jedem Bild stellen sich dieselben Fragen: Wie haben die fertigen Fresken oder Wandgemälde ausgesehen? Welche Häuser oder Kirchen zieren sie? Auch Georgine Konrad kennt nicht alle Antworten. Doch genau das macht für die Hobby-Malerin im Kunstkreis Hausham ihre ehrenamtliche Tätigkeit aus. „Ich liebe dieses Museum“, schwärmt Konrad.

Die Schätze

Stundenlang könnte Konrad durch die Papierstapel in den Schubladen im Nebenraum des Museums blättern. Ein Lieblingswerk auszuwählen fällt ihr sichtlich schwer. „Eigentlich ist jedes Bild toll“, sagt sie. Beispielhaft zeigt sie auf das Bleistift-Porträt einer Madonna. Vermutlich eine Vorlage für ein großes Kirchenfresko. Wo Stallhofer dieses letztlich gemalt hat, bleibt ein Geheimnis. Und auch, ob es heute überhaupt noch existiert.

Leichter fällt der Vergleich zwischen Entwurf und fertigem Werk bei der kolorierten Vorlage für das Wandgemälde an der Aussegnungshalle auf dem Haushamer Friedhof. Oder bei der Lüftlmalerei auf der Fassade des Waitzinger Bräu am Miesbacher Stadtplatz. Nachweislich verschwunden sind hingegen die farbenfrohen und exotischen Motive auf einem privaten Wohnhaus in Miesbach. „Das war eine Auftragsarbeit für einen Afrikaforscher“, erzählt Konrad. Größtenteils erhalten sein dürften hingegen die von Stallhofer kunstvoll bemalten Schützenscheiben. Dass die meisten davon nicht im Staudenhäusl hängen, liegt auf der Hand. „So etwas wollen die Leute lieber bei sich zuhause behalten“, erklärt Konrad.

Das Museum

Über einen Mangel an Werken kann sich das Museum trotzdem nicht beklagen. Stallhofer hatte sein Lebenswerk an die Gemeinde vermacht. Dass die Bilder des akademischen Malers seit 2002 im Staudenhäusl zu sehen sind, liegt an einer großzügigen Spende des Ehepaars Kühnen. Eine Million Euro habe der ehemalige Bankier der Gemeinde überwiesen, berichtet Haushams Kulturreferent Hubert Lacrouts. Unter der Bedingung, dass diese das Staudenhäusl kaufe. Ein quasi unschlagbares Angebot. Der Bauhof habe die Räume im zweiten Stock entsprechend eines Gemeinderatsbeschlusses von 1999 für die Ausstellung hergerichtet, erzählt Lacrouts. Sogar eine von Stallhofer mit Engeln bemalte Kassettendecke wurde aus einem Privathaus ins Museum versetzt.

Konrad wacht seit 2008 über die Kunstschätze in Agatharied. Sie ließ sich von ihrer Cousine Ilse Wagner, die das Museum mit eingerichtet hatte, von der Begeisterung für Stallhofer anstecken. „Er war trotz seiner Begabung ein bescheidener Mensch“, erklärt Konrad ihre Faszination. Und heimatverbunden war Stallhofer obendrein. Eine Tuba und eine Gebirgsschützenmontur zeugen in der Ausstellung von seinen vielen Vereinsaktivitäten. Übrigens: Auch die Bürgermeister-Porträts im Sitzungssaal des Haushamer Rathauses stammen aus Stallhofers Feder. Etliche seiner Werke hängen aber auch noch in privaten Wohnzimmern.

Die Öffnungszeiten

So gerne Konrad sich in Ruhe in Stallhofers Werke vertieft: Am meisten freut sie sich, wenn sie interessierte Besucher durch die Ausstellung führen kann. Regelmäßig geöffnet hat das Museum immer am ersten Samstag im Monat von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet einen Euro, Kinder sind frei. Wer zu diesen Terminen keine Zeit hat, kann sich bei Konrad unter 0 80 26 / 92 94 50 melden. „Wenn ich es mir einrichten kann, sperre ich auch wann anders auf“, sagt Konrad. Die Freude an Stallhofers Lebenswerk ist es ihr wert.

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