Und im Vollrausch

Verurteilt: Auf der nackten Felge durchs Wohngebiet

Ein Haushamer (22) war im September stock besoffen im Auto unterwegs - in Schlangenlinien und auf einer Felge. Bei der Verhandlung verriet er den Grund für seine Chaosfahrt.

Hausham – Mit 2,57 Promille Alkohol im Blut können die meisten Menschen nicht mehr stehen. Ein 22-jähriger Haushamer setzte sich in diesem Zustand allerdings im September vergangenen Jahres noch ans Steuer seines Autos. Die Fahrt endete für ihn glimpflich, für seinen Fiat weniger. Ein paar Minuten später stand auch schon die Polizei vor seinem Haus, verständigt von den Nachbarn des jungen Mannes – wegen der Lärmbelästigung um 3 Uhr morgens. Nun musste sich der 22-Jährige wegen seiner Trunkenheitsfahrt vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

Der Haushamer räumte die Tat auch ohne Zögern ein. Amtsrichter Walter Leitner interessierten zwei Dinge ganz besonders: Wie viel der Haushamer getrunken hatte und warum er sich danach noch ins Auto setzte. Lediglich auf eine Frage hatte der 22-Jährige eine Antwort. „Es werden schon ein bis zwei Flaschen Wodka und noch ein paar Bier gewesen sein, die ich mit einem Freund getrunken habe“, sagte der Haushamer. „Doch warum ich dann noch in mein Auto gestiegen bin, weiß ich selber nicht.“

In besagter Nacht fuhr er mit seinem Kleinwagen aus seiner Wohnsiedlung hinaus und kehrte nach nur wenigen hundert Metern wieder um. Vermutlich, weil er ein komisches Geräusch an seinem Auto bemerkt haben dürfte: Er war in seinem Vollrausch gegen einen Bordstein gefahren, sodass der vordere rechte Reifen platzte und komplett abfiel. Also begab sich der 22-Jährige auf drei intakten Reifen und einer Felge zurück zu seiner Wohnung und parkte wieder ein. Die nackte Felge verursachte einen solch ohrenbetäubenden Radau, dass der Haushamer die gesamte Nachbarschaft aufweckte.

Als die Polizei kurze Zeit später vor seiner Tür stand, zeigte sich der Haushamer nicht einmal bedingt einsichtig. Im Arztbericht steht: Verhalten aggressiv, Stimmung gereizt, Handschellen. Auch als er sich wieder beruhigt hatte, war mit dem jungen Mann nicht zu reden – bis zum nächsten Morgen, als er seinen Rausch halbwegs ausgeschlafen hatte. Seinen vorläufigen Nachweis über die Fahrberechtigung entzog ihm die Polizei.

Vor Gericht zeigte sich der Haushamer reuig. „An diesem Tag hat meine Freundin Schluss gemacht, und ich habe mich deshalb betrunken. Am nächsten Tag habe ich mich sofort bei allen Nachbarn entschuldigt. So etwas wird sicher nicht mehr vorkommen“, versprach der junge Mann dem Richter.

Aufgrund des hohen Promille-Werts forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 50 Euro sowie eine Sperrung des Führerscheins von insgesamt 15 Monaten seit dem Tattag. Rechtsanwalt Christian Beil war diese Summe zu hoch. Er plädierte auf 65 Tagessätze zu je 40 Euro. „Mein Mandant hat sich gebessert und ist wegen seines hohen Alkoholkonsums zu Beratungsgesprächen bei der Caritas gegangen“, erklärte Beil. Alle Straftaten, die der Haushamer je begangen hat – vier an der Zahl – waren stets in Verbindung mit Alkohol geschehen.

Richter Leitner verhängte letztlich eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 50 Euro gegen den Angeklagten. Seinen Führerschein wird der 22-Jährige auch für weitere neun Monate nicht sehen. Der Richter ergänzte: „Da hätte mehr passieren können. Zum Glück ist keinem Menschen etwas passiert.“

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © dpa

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