Überlastet: die Notaufnahme im Krankenhaus Agatharied.
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Überlastet: die Notaufnahme im Krankenhaus Agatharied.

Notaufnahme total überlastet

Viele Patienten, wenig Personal: Lage im Krankenhaus „dramatisch“ - Appell an Bürger

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Zu viele Patienten, zu wenig Personal: Die Kliniken in der Region schlagen Alarm. Auch im Krankenhaus Agatharied ist die Lage „dramatisch“. Jetzt folgt ein Appell an die Bürger.

Landkreis – Es gab eine Zeit, da musste das Krankenhaus Agatharied fast schon um Patienten werben. So blieben vor ein paar Monaten teils sogar Menschen mit akutem Herzleiden der Klinik fern. Zu groß war die Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Davon ist mittlerweile nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Von einem Ansturm auf die Notaufnahme wie vor der Pandemie berichtet das Kreisklinikum in einer gemeinsamen Pressemitteilung der kommunalen Krankenhäuser im Rettungsdienstbezirk Rosenheim und Miesbach. In Kombination mit Corona-Fallzahlen wie im Herbst 2021 sowie zwei- bis dreimal so hohen Krankheitsquoten beim Personal ergebe sich eine „schlichtweg dramatische Situation“.

Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden Lage hätten sich die beiden Landräte, der Rosenheimer Oberbürgermeister sowie die Klinikgeschäftsführer zu Krisengesprächen zusammengefunden, heißt es in der Mitteilung. Die Problematik sei überall dieselbe: zu viele Patienten und zu wenig Personal. Um zumindest etwas für Entlastung zu sorgen, nehmen die Verantwortlichen auch die Bürger in die Pflicht und rufen diese dazu auf, die ärztlichen Behandlungswege einzuhalten. Im Klartext: lieber erst zum Hausarzt gehen, anstatt gleich ins Krankenhaus.

Wartezeiten von mehreren Stunden in der Notaufnahme

Tatsächlich müssten die Notaufnahmen aktuell wegen Überlastung bei gleichzeitiger personeller Unterbesetzung immer öfter bei der Rettungsleitstelle abgemeldet werden, heißt es in der Presseerklärung. Es stünden also nur noch Ressourcen für in Lebensgefahr schwebende Patienten zur Verfügung. Alle anderen müssten enorme Wartezeiten von mehreren Stunden in Kauf nehmen. Das gelte auch für die stationäre Versorgung. Obendrein würden derzeit alle planbaren und nicht dringlichen Operationen eingeschränkt oder ganz abgesagt.

Eine Lage also, die der Hochphase der Corona-Pandemie gleicht. Tatsächlich seien auch die Intensivstationen wieder in zunehmendem Maße mit Isolation von Patienten und Schutz der Mitarbeiter belastet, berichten die Verantwortlichen. Erschwerend hinzu kämen die vielen Personalausfälle durch Erkrankung und/oder Corona-Quarantäne. Ein Zustand, den auch niedergelassene Arztpraxen, Rettungsdienste, Pflegeheime und Rehakliniken beklagen würden.

Patienten sollen sich zuerst an Hausärzte wenden

Um trotz der angespannten Situation für jeden Patienten die optimale und gleichzeitig angemessene Betreuung bieten zu können, appellieren Kliniken und Politik an die Bevölkerung, den für ihren Fall passenden Weg einzuschlagen. So sollte man bei Erkrankungen oder Verletzungen, die auch vom Hausarzt behandelt werden können, immer erst die jeweilige Praxis zu ihren Sprechzeiten aufsuchen. In dringenden Fällen stehe auch der Bereitschaftsdienst der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) unter z 116 117 zur Verfügung. Bei ernsten Erkrankungen oder in lebensbedrohlichen Fällen sei aber natürlich der Notruf unter z 112 das Mittel der Wahl.

„Exakt zu wissen, was wann zu tun ist, hört sich banal an, trägt jedoch entscheidend dazu bei, dass die vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden“, betont der Geschäftsführer der RoMed-Kliniken im Kreis Rosenheim, Dr. Jens Deerberg-Wittram. Hier könne jeder ansetzen und seinen Beitrag leisten. Dass „äußerste Eile“ geboten ist, daran hat auch Miesbachs Landrat Olaf von Löwis keinen Zweifel. „Es ist unabdingbar, das Ziel im Auge zu behalten, vor die Lage zu kommen“, sagt Löwis und stellt klar: „Mutige Entscheidungen sind erforderlich.“

sg

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