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Generalprobe geglückt: Beim Probeanzapfen in der Klosterbrauerei Reutberg brauchte Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (vorne l.) nur zwei Schläge. 

Nachfeier soll 2020 steigen

Volksfest Hausham: Partnergemeinde schwänzt Jubiläum - der Grund überrascht

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60 Jahre Gemeinde-Partnerschaft mit Levico: Das hätten die Haushamer gern auf dem Volksfest gefeiert. Doch die Italiener kommen nicht. Der Grund: die Politik.

Hausham– 60. Volksfest, 60 Jahre Gemeinde-Partnerschaft mit Levico. Nicht nur wegen der stimmigen Zahlen hätten die Haushamer diese beiden Ereignisse gern gemeinsam gefeiert. Die Pläne dafür liegen schon in der Schublade, berichtet Bürgermeister Jens Zangenfeind auf Nachfrage unserer Zeitung. Er selbst hätte dafür sogar Schlegel und Zapfhahn aus der Hand gegeben. „Die Idee war, dass mein italienischer Kollege den Bieranstich auf dem Volksfest übernimmt.“ Doch daraus wird nichts. Der Grund: Michele Sartori ist nicht mehr Bürgermeister von Levico.

Der Rathauschef sei zusammen mit seinen Stellvertretern zurückgetreten, erklärt Zangenfeind. Was hierzulande nach einem kommunalpolitischen Erdbeben klingt, sei in Italien zumindest keine Ausnahmeerscheinung, weiß Zangenfeind. Da die Gemeinderäte dort – ähnlich wie das Parlament in Rom – aus vielen kleinen Parteien bestehen würden, hätten Umbrüche in der großen Politik entsprechend starke Auswirkungen auf die Lokalebene. „Das gehört da fast zum Tagesgeschäft“, meint Zangenfeind schmunzelnd.

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Da ein neuer Bürgermeister in Levico erst parallel zur Europawahl am 26. Mai gewählt wird, sind die Jubiläumsvorbereitungen in der Partnergemeinde ins Stocken geraten, berichtet Christian Baur, Vorsitzender des Gewerbevereins Hausham, der das Volksfest organisiert: „Aktuell sind dort alle Aktivitäten eingefroren.“ Die Haushamer versuchten sich also mit italienischer Gelassenheit und teilten ihr großes Fest in zwei kleine auf. Heuer lassen sie es beim 60. Volksfest krachen, 2020 stoßen sie dann auf die Partnerschaft mit Levico an. „Keine Energie war umsonst“, betont Zangenfeind. Und auch am guten und freundschaftlichen Verhältnis zu den Italienern ändere das derzeitige Machtvakuum nichts.

Irgendwie passt es da ganz gut, dass auch die Geschichte des Haushamer Volksfests mit Umbrüchen gespickt ist. 1951 fand die erste Ausgabe auf einer Grünfläche beim Haus Berggeist statt, heißt es in der Chronik. Der Bierpreis: eine Mark pro Mass. In den Folgejahren glich das Volksfest dann einem Wanderzirkus. Einmal stand das Zelt südlich des Haushamer Hofs, dann an der Geißstraße, und noch später auf der Mairhofer Wiese. Von 1955 bis 1965 wechselten sich Hausham und Miesbach mit der Ausrichtung ab. 1974 zog das Volksfest auf seinen bis heute angestammten Platz an der Schlierach. 60 000 Mark hatte der Gewerbeverein zuvor in den Umbau des alten Sportplatzes investiert.

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Auch sonst engagierten sich die Gewerbetreibenden stark für ein attraktives Volksfest-Programm. Boxkämpfe, Hundevorführungen und Verlosungen wechselten sich ab. Es gab aber auch wirtschaftliche Tiefschläge. 2002 blieb der Verein nach einem Eintrittkartenbetrug im Rahmen des Konzerts der Country-Band Truck Stop auf einem hohen finanziellen Schaden sitzen. Weil auch der Bierumsatz immer weiter zurückging, entschlossen sich die Organisatoren zur Aufgabe des Zeltbetriebs. Dieser lag künftig in den Händen der Wirte.

Ein Erfolgsrezept, das sich über die Jahre bewährt hat. Seit 2008 kümmert sich nun Hans Seidl ein erfahrener und im Ort fest verwurzelter Gastronom um Bier, Hendl und andere Schmankerl. Besonders praktisch: sein Stammhaus, der Alpengasthof Glück Auf, liegt nur einen Dosenwurf vom Festzelt entfernt. „Damit haben wir einen Wirt, der seinem guten Ruf jedes Jahr aufs Neue gerecht wird“, schwärmt Rathauschef Zangenfeind.

Für einen voll besetzten Fuhrpark hat auch heuer wieder der Gewerbeverein gesorgt. Vorsitzender Baur verspricht eine gute Mischung für alle Altersklassen. Von Babyflug und Kinderkarussell über Wurf- und Schießbuden bis hin zu Autoscooter und dem rasanten Überkopf-Wirbler Phoenix ist für jeden Geschmack etwas dabei. Eine Überraschung ist noch mit dem nach wie vor tapfer durchhaltenden Schneeberg auf der benachbarten Wiese geplant. Sofern die weiß-braunen Massen bis zum Auftakt am 24. Mai überleben, werden sie auf jeden Fall ins Volksfest eingebaut, versprechen Zangenfeind und Baur. Ob als Schneebar oder Igludorf, wird sich zeigen.

Ein Hingucker wohl auch für die Besucher aus Italien. Denn trotz der politischen Unruhen wird eine Gruppe Radler aus Levico nach Hausham fahren, kündigt Zangenfeind an. Der „Glück Auf-Gletscher“ ist ihnen die Mühe der Alpenüberquerung wert.

Das gesamte Volksfest-Programm

finden Sie auf der Homepage des Gewerbevereins Hausham.

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