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Wird bald abgerissen: die Argulakirche in Hausham.

„Einer meiner schwersten Schritte als Pfarrer“

Letzte Messe vor dem Abriss: Haushamer verabschieden sich von Argulakirche

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Historischer Tag für die evangelische Kirchengemeinde Hausham: Am Sonntag feiern die Gläubigen zum letzten Mal Gottesdienst in der Argulakirche. Dann wird sie abgerissen.

Hausham – Es wird ein historischer Tag für die evangelische Kirchengemeinde Hausham: Am Sonntag um 9.30 Uhr feiern die Gläubigen nach fast 50 Jahren zum letzten Mal Gottesdienst in der Argulakirche. Wie berichtet, wird das Gottesdienst danach abgerissen, um einem Kinderhaus Platz zu machen. Wir haben Pfarrer Erwin Sergel (45) gefragt, was dieser Schritt für das kirchliche Leben in Hausham bedeutet und wie es weitergeht.

Herr Pfarrer Sergel, am Sonntag heißt es Abschiednehmen von der Argulakirche. Ein trauriger Tag?

Erwin Sergel: Selbstverständlich. Es wird ein Tag des dankbaren Erinnerns. Viele Haushamer verbinden etwas mit der Kirche. Sie sind hier getauft worden, haben geheiratet oder um liebe Menschen getrauert. Für mich persönlich ist es einer der schwersten Schritte, den ich in meiner Laufbahn als Pfarrer gehen musste. Aber es ist auch das Ergebnis einer Entscheidung, die wir nach langer Überlegung gemeinsam mit der Kirchengemeinde getroffen haben. Die Vorgeschichte hat sogar schon 2012 begonnen.

Vor sieben Jahren?

Pfarrer Erwin Sergel (45).

Erwin Sergel: Ja. Damals wurde in Hausham die Pfarrstelle gestrichen. Das hat das Gemeindeleben in der Argulakirche natürlich erschwert. Weil wir uns dann von Miesbach aus darum gekümmert haben, haben sich bereits viele Aktivitäten in unser hiesiges Gemeindehaus verlagert.

Der Anfang vom Ende der Argulakirche?

Erwin Sergel: Der hat sich erst 2017 abgezeichnet. Da haben wir festgestellt, dass wir viel Geld investieren müssten, um die Kirche zu sanieren und von Schadstoffen zu befreien. Letztlich konnten wir dann nur noch zwischen einem Neubau oder einem endgültigen Abriss wählen. Langfristig kann die Kirchengemeinde bei sinkenden Mitgliederzahlen aber keine zwei Gemeindezentren finanzieren.

Der Abriss soll noch im Winter erfolgen. Auf dem Grundstück will die Gemeinde dann ein Haus für Kinder bauen. Eine gute Entscheidung?

Erwin Sergel: Auf jeden Fall ein gute Perspektive für Hausham. Und mit der Diakonie als Träger bleibt die evangelische Prägung des Ortes auch erhalten. Das macht uns den Abschied schon ein bisschen leichter.

Wie lässt sich dieser denn liturgisch vollziehen? Muss die Kirche entweiht werden?

Erwin Sergel: In der evangelischen Kirche spricht man von Entwidmung. Diese wird Dekan Martin Steinbach am Sonntag mit einem Gebet vornehmen. Nach dem letzten Abendmahlsgottesdienst tragen die Gemeindemitglieder die liturgischen Gegenstände hinter der Osterkerze her zu unserem neuen Domizil im Bürgersaal. Dort werden wir wie bisher in der Argulakirche alle zwei Wochen Gottesdienst feiern.

Ein würdiger Ersatz?

Erwin Sergel: Ich würde sagen, dass wir damit einen guten Ort gefunden haben. Die Gemeinde Hausham hat uns dabei sehr unterstützt. Wir decken dort einen Tisch als Altar, haben ein Klavier für die musikalische Umrahmung und können nach dem Gottesdienst sogar noch zum Kirchenkaffee zusammenbleiben.

Langfristig wollen Sie aber wieder ein festes Zuhause in Hausham finden? Vielleicht gibt es ja im neuen Haus für Kinder einen geeigneten Raum?

Erwin Sergel: Da würden wir uns natürlich sehr freuen. Aber es gibt noch keine genauen Pläne. Der Raum an sich ist aber eigentlich gar nicht so wichtig. Entscheidend für einen Gottesdienst sind die Menschen, die sich deshalb versammeln.

Auf das Glockengeläut der Argulakirche müssen die Gläubigen aber so oder so in Zukunft verzichten, oder?

Erwin Sergel: Nicht zwangsläufig. Tatsächlich wird gerade geprüft, ob man den Glockenturm woanders wieder aufstellen kann, zum Beispiel am Friedhof.

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