+
Gut vorbereitet für Afrika: Die Optikermeisterinnen Marlies Nowotny (r.) und Carina Heimes freuen sich auf ihren Hilfseinsatz in Malawi.

Brillen für Malawi

Warum diese Optikermeisterin nach Ost-Afrika geht

  • schließen

Ohne Brille keine Schule, ohne Schule keine Zukunft. Diesen Teufelskreis in Malawi will Marlies Nowotny (24) durchbrechen. Am 1. August bricht die Haushamerin nach Nkhotakota auf.

Hausham – Fast 12 000 Augenoptiker gibt es in Deutschland. In Malawi gibt es genau zwei. Nicht, weil die Menschen im Südosten Afrikas so gut sehen. „Da ist Fehlsichtigkeit genauso verbreitet wie bei uns“, sagt Marlies Nowotny (24). Das Problem ist viel gravierender: Die Mehrheit der gut 14 Millionen Einwohner lebt von weniger als einem Dollar pro Tag. „Die können sich keine Brillen leisten“, erklärt die Optikermeisterin aus Hausham. Ein Handicap, vor allem für Schulkinder. Sie tun sich deutlich schwerer im Unterricht, was ihnen auch die Chancen auf eine berufliche Zukunft verbaut. „Ein Teufelskreis“, sagt Nowotny.

Hezekia Pumbwa - diesen Mann werden sie unterstützen.

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer. Seit 2002 untersucht das Muona Optical Centre in der Distrikthauptstadt Nkhotakota die Augen der dort lebenden Bevölkerung, schleift Gläser und verkauft Brillen. Aufgebaut und betreut wird das Projekt durch den gemeinnützigen Verein Entwicklungsdienst deutscher Augenoptiker (EDA). Dank einer Partnerschaft mit der Fachakademie für Augenoptik München dürfen sich Hezekia Pumbwa, Manager des Muona Optical Centre, und seine Mitarbeiter auf weitere Unterstützung aus Deutschland freuen. Am 1. August fliegt Nowotny mit ihrer Kollegin Carina Heimes aus Landshut für drei Monate nach Malawi.

Der Traum, einmal selbst Entwicklungshilfe zu leisten, begleitet Nowotny schon seit der Schulzeit. Eigentlich wollte sie schon nach ihrem Realschulabschluss ins Ausland gehen. „Aber das wäre schwierig geworden, weil ich da noch keine 18 Jahre alt war“, erzählt die Haushamerin. Also fing sie zuerst eine Lehre bei einem Optiker in Grassau am Chiemsee an. An der Berufsschule suchte sie dann erneut nach einem Hilfsprojekt. Drei Mal bewarb sie sich für ein Waisenhaus in Afrika – ohne Erfolg. „Der Andrang an Erziehern war zu groß“, sagt Nowotny. Als angehende Optikerin hatte sie da keine Chance. „Da habe ich mir schon gedacht, ich gebe es auf“, meint die 24-Jährige schmunzelnd.

Bis sie an der Meisterschule im Sozialkundeunterricht mit Hilfsprojekten speziell für Optiker in Kontakt kam – darunter auch das Malawi-Engagement des EDA. Nowotny und Heimes waren sofort begeistert. Die Idee zu einer Partnerschaft war geboren. Zusammen mit dem EDA bereiteten die beiden Meisterschülerinnen ihren dreimonatigen Auslandseinsatz vor.

Ihre Hauptaufgabe in Malawi wird es sein, zwei junge Frauen in einer mithilfe der deutschen Handwerkskammer eigens entwickelten Kurzausbildung samt Prüfung für den Einsatz im Muona Optical Centre vorzubereiten. Manager Pumbwa werden Nowotny und Heimes hingegen in erster Linie in Sachen Betriebsführung schulen. „Langfristig soll sich das Zentrum selbstständig tragen können“, erklärt Nowotny. Dank Second-Hand-Ware sollen auch die Ärmeren an Brillen kommen können.

Dass ihr Einsatz in Nkhotakota kein Selbstläufer wird, ist der Haushamerin klar. „Das wird schon ein Kulturschock“, sagt sie. Wohnen werden sie und Heimes in Apartments im Versorgungszentrum und im benachbarten Krankenhaus. Über das Internet bleiben sie mit Deutschland in Kontakt. „Das funktioniert dort besser als Strom und Wasser“, meint Nowotny und lacht.

Dort werden sie im Muona Optical Centre in Nkhotakota arbeiten.

Die technische Ausstattung des Optical Centre können die beiden Meisterinnen dank einiger Sachspenden von Firmen noch etwas verbessern. Auch an ihrer Schule haben sie gut 400 Euro gesammelt. Zudem hoffen sie auf weitere Spenden, um die Transportkosten für das Material bezahlen zu können. Für ihre Flugtickets kommen Nowotny und Heimes selbst auf.

Zurück nach Hause geht es am 17. Oktober. Keine zwei Wochen später steigt die 24-Jährige im Betrieb ihrer Eltern in Hausham ein. Aus den Augen verlieren will sie ihre Kollegen in Malawi nicht. „Vielleicht“, meint Nowotny, „kann ich ja sogar einen unserer Azubis für das Hilfsprojekt begeistern.“ Unterstützung ist im Muona Optical Centre immer gerne gesehen. Die deutsche Bedeutung von „Muona“ klingt dabei wie ein Versprechen an die Bevölkerung: „Du wirst sehen.“

Spenden

für das Malawi-Projekt des EDA sind möglich unter folgender Bankverbindung: IBAN: DE51 7106 1009 1162 89, BIC: GENODE1AOE, VR meine Raiffeisenbank Altötting. Auch eine Sachspende in Form einer Spaltlampe wird noch gesucht.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Herbaria erhält Wirtschaftspreis
Die Firma Herbaria Kräuterparadies aus Fischbachau ist Träger des Wirtschaftspreises 2017 des Landkreises Miesbach. Das wurde soeben beim Wirtschaftsempfang auf Gut …
Herbaria erhält Wirtschaftspreis
Stümpfling und Sutten-Lifte fahren nicht mehr
Wanderer aufgepasst: Auf die beiden Sessellifte der Alpenbahnen Spitzingsee-Tegernsee darf ab jetzt nicht mehr gezählt werden. Die Lifte haben bis auf weiteres …
Stümpfling und Sutten-Lifte fahren nicht mehr
Dramatisches Ende einer Bergfreundschaft: Mann stirbt vor Augen seines Kameraden
Sie kannten sich seit Jahren und gingen immer gemeinsam in die Berge: So stiegen auch am Dienstag zwei Münchner (75 und 77) zur Rotwand auf. Nur einer kam lebend zurück.
Dramatisches Ende einer Bergfreundschaft: Mann stirbt vor Augen seines Kameraden
In Miesbacher Bar: Mann schlägt Burschen bewusstlos - mit Folgen
Es ist nicht das erste Mal, doch er kann sich nicht stoppen: Ein Miesbacher (28) wird rabiat, schlägt einen 23-Jährigen in einer Miesbacher Bar bis zur Bewusstlosigkeit. 
In Miesbacher Bar: Mann schlägt Burschen bewusstlos - mit Folgen

Kommentare