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Helfende Hand in den letzten Stunden: Die meisten Menschen wünschen sich, zuhause sterben zu dürfen.

Hospiz- und Palliativ-Netzwerk klärt auf

Warum zuhause Sterben so wichtig ist

Agatharied - Ein Leben in Würde und ein Sterben in Frieden: Das ist das Ziel des Netzwerks der Hospiz- und Palliativ-Versorgung im Oberland. Aus gutem Grund: Die meisten Menschen wollen zuhause sterben.

Mediziner, Pflegefachkräfte, Regierungsvertreter, Rechtsanwälte, Psychologen, Ehrenamtliche: Beim ersten Netzwerktreffen der Hospiz- und Palliativ-Versorgung im Oberland (OPAL) kamen im Restaurant des Krankenhauses Agatharied viele unterschiedliche Experten zusammen. Alle mit demselben Ziel: Schwerstkranken ein Leben in Würde und ein Sterben in Frieden zu ermöglichen. Das ist auch die Botschaft der dazugehörigen Wanderausstellung „Gemeinsam gehen“, die in den kommenden Wochen im Foyer der Klinik zu sehen ist.

Reger Austausch: Experten unterschiedlicher Fachrichtungen besprachen beim ersten Netzwerktreffen im Krankenhaus Agatharied die weitere Vorgehensweise in der Hospiz- und Palliativversorgung im Oberland.

Benjamin Bartholdt, OPAL-Vertreter und Prokurist in Agatharied, hatte das Treffen initiiert. Es gehe um reale Zusammenarbeit für Menschen, nicht um virtuelle Netzwerke, betonte er. „Kommunikation ist gerade bei unserer Tätigkeit wichtig.“ Thomas Opitz vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege stellte zunächst die wichtigsten Gesetzesneuerungen vor.

Spezialisierte Ambulante Palliativ Teams (SAPV) sind in Bayern inzwischen fast flächendeckend vorhanden. Diese kümmern sich um Schwerstkranke mit besonders komplexen Erkrankungen, die mehr als die normale Palliativmedizin benötigen. Das sind etwa zehn Prozent der Sterbenden. Im Oberland ist das OPAL-Palliativteam seit einem Jahr etabliert. Gesellschafter sind das Krankenhaus Agatharied, die Kreisklinik Wolfratshausen, der Christophorus Hospizverein Bad Tölz-Wolfratshausen und der Hospizkreis im Landkreis Miesbach.

In der Regel kommt das Team innerhalb eines Tages nach Anfrage zur Versorgung nach Hause oder ins Pflegeheim. Bereits im ersten Jahr wurden 238 Patienten erreicht – mehr als die statistisch prognostizierten 220. Der Start vor einem Jahr kam recht unvermittelt. „Darum gab es nur unzureichende Verwaltungs- und Versorgungsstrukturen“, erklärte die leitende Ärztin Dr. Gabriele Fritsch. „Daran müssen wir auch noch einiges verbessern.“ Eine Herausforderung in der Region seien die langen Wege, die nicht nur Sprit, sondern auch Zeit kosten. Im Schnitt hat jeder Helfer fast 20 Kilometer Anfahrt zu bewältigen. Das verlangt eine genaue Planung.

Dass sich die verschiedenen Schnittstellen in besserer Kommunikation üben müssen, forderte Dr. Thomas Straßmüller, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Miesbach. „Früher war der Hausarzt selbstverständlich in die Betreuung eines Kranken auf dessen letztem Lebensweg eingebunden“, erklärte Straßmüller. „Heute muss er selbst nachfragen,wie es ihm geht.“ Andererseits könnten Angehörige nun die das SAPV-Team rufen, was die Notärzte entlaste.

Die Experten bieten nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch eine Krisen-Planung für Angehörige. Damit werden Krankenhausaufenthalte vermieden, der Patient kann durchgehend zuhause betreut werden. Und das ist schließlich der Wunsch der meisten Menschen: Sie wollen nicht im Krankenhaus sterben, sondern Zuhause. Dies ist aber für alle eine Ausnahmesituation. Franziska von Drechsel, erste Vorsitzende des Hospizkreises Miesbach, versinnbildlichte dies wie folgt: „Um in Geborgenheit gehen zu können, braucht man warme Füße. Die hat man am besten in zwei Socken gepackt: einen medizinischen und einen menschlichen.“

Parkinson- oder Demenz-Kranke können davon meist nur träumen, stellte Prof. Dr. Stefan Lorenzl, Chefarzt für Neurologie in Agatharied, heraus. Sie würden im Moment noch durch das Raster der Palliativ-Betreuung fallen, da ihr Krankheitsverlauf deutlich länger ist. Deshalb plädierte Lorenzl dafür, einen Zweig „Best Supportive Care“ zu gründen. „Die Menschen müssen ab der Diagnose begleitet werden“, sagte er. „Forderungen nach Sterbehilfe enden meist, wenn die Patienten in einem Umfeld von Geborgenheit und weniger Schmerzen leben.“

Von Sonja Still

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