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Hier kommt das neue Ärztezentrum hin: der Haushamer Bahnhof.

Entsorgung kostet viel Geld

Wegen Kohleresten: Ärztehaus am Haushamer Bahnhof verzögert sich

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Der Baubeginn für das neue Ärztezentrum am Haushamer Bahnhof verzögert sich. Das liegt an der Kohle – in doppelter Hinsicht: Altlasten aus der Bergwerkszeit verteuern das Vorhaben.

Hausham – Mit Kohle kennt man sich bei der Raiffeisenbank im Oberland eigentlich aus. Die Bergwerksüberreste, die bei Probebohrungen für die Tiefgarage des geplanten Ärztezentrums am Haushamer Bahnhof aufgetaucht sind, haben Vorstandsvorsitzenden Hubert Stehr und sein Team allerdings kalt erwischt. Oder besser gesagt die Vorschriften, die für die Entsorgung des Aushubs für die Tiefgarage gelten. „Das hat uns um Monate zurückgeworfen“, erklärt Stehr auf Nachfrage unserer Zeitung.

Wie berichtet, hätten die Arbeiten ursprünglich bereits im ersten Halbjahr 2018 starten sollen. Durch die große Nachfrage seitens der Ärzte entschied sich die Raiffeisenbank allerdings zu einer größeren Variante und änderte die Pläne nochmals ab. So soll nun nicht nur das bestehende Gebäude an der Bahnhofstraße 4 von zwei auf drei Etagen aufgestockt und durch einen zweigeschossigen Zwischenbau mit dem bestehenden Haus an der Bahnhofstraße 2 verbunden werden, sondern auch noch ein Neubau im Norden entstehen. Die Tiefgarage soll von 15 auf 90 Stellplätze erweitert werden.

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So soll das neue Ensemble am Haushamer Bahnhof aussehen: Das Bestandsgebäude (r.) wird über einen Zwischenbau mit dem dann aufgestockten Nebenhaus verbunden. Nördlich davon soll ein Neubau entstehen (l.).

Daran hält die Raiffeisenbank weiter fest, betont Stehr. Allerdings habe es zwischendurch so ausgesehen, als müsse man erneut den Stift ansetzen. Grund ist der Abraum des früheren Haushamer Bergwerks, der unter dem Grundstück und damit im Bereich der Tiefgarage schlummert. Vor zehn Jahren wäre die Entsorgung noch kein Problem gewesen, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Mittlerweile aber hätten sich die Auflagen geändert, und der Aushub müsse „extrem teuer“ als Altlast entsorgt werden. „Das hat uns den ganzen Sommer über stark beschäftigt.“

In Absprache mit der Gemeinde habe man das gesamte Vorhaben nochmals überdacht, sei dann aber letztlich von einer nochmaligen Überplanung – die wohl zu einer Verkleinerung der Tiefgarage geführt hätte – abgekommen. Auch, weil der vorgelegte Gestaltungsentwurf im von der Gemeinde ausgerufenen Ideenwettbewerb gut angekommen sei. Die Wünsche und Anregungen der Bürger hätten sich hingegen eher auf die Fachrichtung der Ärzte bezogen. Da sei der Einfluss allerdings begrenzt, erklärt Stehr. „Die Zulassungsbehörde macht keinen Unterschied zwischen den einzelnen Fachärzten.“

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In jedem Fall aber dürfen sich die Haushamer auf ein gut gefülltes Praxiszentrum freuen. Die ersten Mietverträge seien bereits unterschrieben, verkündet Stehr. Mindestens acht Ärzte würden in die Gebäude der Raiffeisenbank ein- oder dorthin umziehen. Zudem wird die bestehende Apotheke erweitert, und auch ein Café ist weiterhin geplant. Details kann Stehr dazu aber noch nicht nennen.

Bürgermeister Jens Zangenfeind freut sich schon jetzt auf das neue Ärztezentrum. Nicht nur die Mediziner, sondern in erster Linie auch die Patienten könnten so von kurzen Wegen zwischen den einzelnen Praxen sowie zur Nähe zum Krankenhaus Agatharied profitieren. „Damit ist Hausham bestens versorgt“, sagt Zangenfeind. Obendrein könne ein solches Zentrum auch junge Ärzte, die sich erst eine eigene Praxis aufbauen wollen oder sich für eine Gemeinschaft interessieren, in den Ort locken.

Erst mal muss das Projekt überhaupt verwirklicht werden. Laut Stehr muss die Raiffeisenbank dazu noch einen Vertrag mit der Gemeinde über ein Unterbaurecht für den Aushub der Tiefgarage schließen. Diese nämlich werde zum Teil unter öffentlichem Grund liegen. Zangenfeind steht dem positiv gegenüber. „Wir warten nur noch auf grünes Licht aus dem Vorstand der Bank.“ Die hat bereits mit den Ausschreibungen der Arbeiten begonnen. Läuft alles nach Plan, könnten im Frühjahr die Bagger anrollen, so Stehr. Vorausgesetzt, es tauchen keine weiteren Kohle-Probleme mehr auf.

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