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Hat aus seinem strangen Aussehen eine Berufung gemacht: Tolunay Aydin (17) aus Hausham.

Haushamer auf der Fashion Week

Weil er anders aussieht: Albino startet Modelkarriere

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Sein ganzes Leben lang musste sich Tolunay Aydin (17) aus Hausham anstarren lassen – weil er anders aussieht. Jetzt hat er sich seinen Albinismus zunutze gemacht. Als Model.

Hausham – Tolunay Aydin (17) aus Hausham sieht anders aus: sehr helle Haut, hellblaue Augen, weiße Haare, weiße Wimpern, weiße Augenbrauen. Er leidet an Albinismus. Als Leiden empfindet er das aber nicht – beziehungsweise nicht mehr. Spätestens seit der Berliner Fashion Week. Dort lief parallel zur Modenschau die Foto-Ausstellung „old masters project“, für die Aydin auf vier Bildern Modell stehen durfte. Verkaufswert: eine mittlere vierstellige Summe je Foto. Früher noch begafft und sogar gehänselt wegen seines ungewöhnlichen Äußeren, bietet ihm genau das nun eine unverhoffte berufliche Perspektive. Als Model.

„Natürlich werde ich angegafft“

Bislang kannte Aydin nur die negativen Aspekte seines Albinismus. Seine enorm empfindliche Haut, die ihn zwingt, ganze Urlaube unter dem Schirm zu verbringen, während seine beiden Brüder Kerim (14) und Umut (3) in der Sonne braun werden. Oder seine eingeschränkte Sehfähigkeit, wegen der er nicht in seiner Heimat Hausham, sondern am Sehbehinderten- und Blinden-Zentrum Südbayern in Unterschleißheim zur Schule ging. Und nicht zuletzt die Reaktionen der Menschen. „Natürlich werde ich angegafft“, sagt Aydin. „Aber das juckt mich nicht.“ Erst recht nicht, seit er die Chance hat, als Model zu arbeiten. Dank seiner Einzigartigkeit.

„Die meinten, ich könnte modeln, Albinos sind doch momentan gefragt“

Dass es überhaupt dazu kam, das hat Aydin dem Zufall zu verdanken. Oder dem Glück, wie es Papa Aytac Aydin ausdrückt. Mitte April waren die beiden in Rosenheim unterwegs, zum Shoppen. Sie parkten vor einem Geschäft, in dem Onkel Aykut Aydin regelmäßig einkauft. Eine der Angestellten muss den sonderbar hellhäutigen jungen Mann beobachtet und den Onkel darauf angesprochen haben. „Die meinten, ich könnte modeln, Albinos sind doch momentan gefragt.“

In drei Schritten bis zu Fashion Week

Das Ticket zur Fashion Week in Berlin löste Tolunay Aydin mit diesem Bewerbungsfoto.

Der Traum war geboren. Schritt eins: Bewerbungsfotos. Das Team war schnell zusammengestellt. Den Stylisten gab Papa Aydins Cousin Gökhan Avci, als Fotograf stellte sich Arbeitskollege Martin Schönheit zur Verfügung. „Als Location haben wir das Josefstal und den Schliersee ausgesucht“, erzählt Papa Aytac. Schritt zwei: Verschicken. Über Facebook fand der Vater die Handynummer der Münchner Modedesignerin Nina Athanasiou heraus, die schon Albino-Model Shaun Ross entdeckt und trotz Gegenwind aus der Branche auf den Laufsteg geschickt hatte. Aytac Aydin sandte ihr die Bilder zu: „Sie war total begeistert und hat Tolunay zu einem Fotoshooting eingeladen.“ Schritt drei.

„Ich dachte, das werden Fotos mit den Klamotten der Designerin“

Gemeinsam mit seinem Vater und Avci, der erneut das Styling übernahm, fuhr Aydin nach München zu Sylwia Makris, der Haus- und Hoffotografin Athanasious. Das Thema: Gemälde großer Künstler fotografisch nachstellen beziehungsweise neu interpretieren, genannt „old masters project“. „Das war nicht so ganz meine Richtung“, sagt er. „Ich dachte, das werden Fotos mit den Klamotten der Designerin.“ Mit dem Ergebnis ist er trotzdem zufrieden. Zumal er sich am Anfang schwer tat. „Mit der Zeit ging’s aber“, sagt Tolunay. Erst recht als ein weibliches Model dazukam. „Da ist es ihm noch leichter gefallen“, erzählt Papa Aydin lachend.

Berlin war nur der Anfang: Bald darf Aydin nach Hamburg, London und New York

Anders und deshalb gefragt: Model und Schauspielerin Melanie Gaydos hat einen seltenen Gendefekt.

Leicht fiel dem 17-Jährigen auch die erste Kontaktaufnahme mit den Größen der Branche – auf der Ausstellung in Berlin. Melanie Gaydos, ein bekanntes Model, das unter der Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie leidet. „Die ist einfach nur nett“, sagt Aydin. Einziger Wermutstropfen: Auf den Laufsteg musste der Haushamer verzichten – die Abschlussprüfung für den Quali stand an. „Dafür darf ich aber noch zur Fashion Week nach Hamburg, London und New York.“ Dann wohl auch auf den Laufsteg.

„Der Traum wäre, dass er damit auf eigenen Beinen stehen kann“

Aydin will in der Branche Fuß fassen – Athanasiou hat bereits weitere gemeinsame Projekte in Aussicht gestellt. „Der Traum wäre, dass er damit auf eigenen Beinen stehen kann“, sagt Papa Aytac. Bis es soweit ist, wird er ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren und weiter fleißig Bewerbungsfotos verschicken. Und sein Englisch verbessern. „Ich verstehe schon ein paar Sachen, mit dem Sprechen klappt es noch nicht so gut.“

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