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In das ehemalige Sparkassengebäude soll das neue Haushamer Rathaus einziehen.

„Wir sollten die Chance nutzen, so etwas dauerhaft festzuhalten“

Weil sich so viel rührt im Ort: Hausham gibt Video-Chronik in Auftrag

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Wer viel macht, hat auch viel zu erzählen. Die Gemeinde Hausham tut dies künftig in einer Video-Chronik. Den Auftrag für das erste Projekt hat der Gemeinderat bereits ereilt.

Hausham – Geschichtsträchtige Umbrüche stehen in Hausham an. Großprojekte wie der Rathausumzug, die Umgestaltung der Ortsmitte oder das bald fertiggestellte Wohn- und Geschäftszentrum an der Tegernseer Straße werden der Gemeinde ein neues Gesicht verleihen. Mit der Sanierung der Naturfreundestraße und der Verlegung des Bahnübergangs stehen die nächsten Eingriffe bereits vor der Tür. Grund genug, diese Veränderungen auch für die nachfolgenden Generationen zu dokumentieren, findet Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG). Und zwar nicht nur schriftlich oder mit Tonband, sondern in Form von Filmen und Fotos. „Wir sollten das neue Zeitalter so festhalten, damit es der Zeit auch gerecht wird“, sagte Zangenfeind.

Mathias Huber soll Kurzfilme über Hausham drehen.

Als Geschichtsschreiber für die moderne Chronik schlug der Bürgermeister Mathias Huber vor. Der in Hausham wohnhafte Kreisjugendring-Vorsitzende hatte bereits früher einige Videos gedreht, in denen Zeitzeugen aus der Ortsgeschichte berichten. Diese sind mittlerweile nicht nur im Online-Portal Youtube, sondern auch auf der neuen Internetseite der Gemeinde einsehbar und chronologisch sortiert.

2013 habe er mit seinem ersten Film angefangen, erinnerte Huber nun im Gemeinderat. „Damals wussten wir noch gar nicht, auf was wir uns da eingelassen haben“, erzählte er schmunzelnd. Um den „Koloss“ in der Jetzt-Zeit langsam wachsen zu lassen, sei es ratsam, einzelne Aspekte der Ortsentwicklung mit kurzen Filmen zu beleuchten und dabei auch gleich Fakten für eine spätere Chronik zu sammeln. Als Startprojekt hatte Huber den bevorstehenden Rathausumzug auserkoren. In einem sieben Minuten langen Streifen sollen dabei auch daran beteiligte Personen in Interviews zu Wort kommen. Flankierend werde er auch Luftaufnahmen per Drohne anfertigen, so Huber.

Zangenfeind zeigte sich angetan von der Idee. „So können wir Daten sichern, was rückblickend oft viel schwieriger ist“, sagte er. Beim Bergwerk könne man bereits jetzt feststellen, wie wertvoll lebendige Zeitzeugenberichte seien. „Wir sollten die Chance nutzen, so etwas dauerhaft festzuhalten“, meinte der Bürgermeister. Thomas Danzer (SPD) wies darauf hin, dass auch die politische Meinungsbildung in den Filmen berücksichtigt werden sollte. Vor allem beim Rathausumzug müsse das „Pro und Contra“ unbedingt mit rein.

Generell kritisch stand die CSU-Fraktion dem Projekt gegenüber. Die Zugriffsrate auf die bereits bei Youtube eingestellten Videos sei sehr überschaubar, meinte Georg Eham. Rund 2000 Mal seien die 22 Filme angeklickt worden – in eineinhalb Jahren. „Das hat so gut wie keine Außenwirkung“, sagte Eham. Zangenfeind verwies auf die neue Webseite der Gemeinde. „Vielleicht gibt das dem ganzen neuen Schwung.“ Hubert Lacrouts hielt hingegen das – auch im Internet abrufbare – Gemeindeblatt als ausreichende Dokumentation des Haushamer Zeitgeschehens. „Da ist die Resonanz super.“

Lacrouts größter Kritikpunkt bezog sich jedoch auf die Reihenfolge der von der Verwaltung vorgesehenen Abstimmung. Es mache keinen Sinn, über das Projekt abzustimmen, wenn die Kosten erst in nichtöffentlicher Sitzung auf den Tisch kämen. „Da wird das Pferd von hinten aufgezäumt“, sagte Lacrouts. Der Bürgermeister konnte die Aufregung nicht verstehen. Über eine Auftragsvergabe könne man nichtöffentlich entscheiden, erklärte er. Im ersten Beschluss gehe es ja nur darum, ob eine moderne Chronik grundsätzlich gewünscht sei.

Zweiter Bürgermeister Josef Schaftari und Adi Eckmair (beide CSU) störten sich sogar an der Tagesordnung. Da sei nur von einer Projektvorstellung, nicht aber von einer Entscheidung die Rede. „Ich sehe euer Problem nicht“, sagte Zangenfeind. Als Kompromiss bot er an, den Punkt zu vertagen. Die Mehrheit im Gremium entschied sich aber für die sofortige Abstimmung – und dann auch für das Projekt. Nur die CSU war geschlossen dagegen. Wie Zangenfeind auf Nachfrage mitteilt, wurde Huber in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung dann auch mehrheitlich mit der Erstellung der Filme beauftragt.

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