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In ihrem Element: Marlies Nowotny mit ihren drei Auszubildenden im Muona Optical Health Centre in der Distrikthauptstadt Nkhotakota in Malawi.

„Der Alltag zieht hier sehr viel Energie.“

Zehn Wochen Malawi: Haushamerin berichtet über ihr Hilfsprojekt

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Zehn Wochen lang arbeitete Optikerin Marlies Nowotny aus Hausham in Malawi. Sie brachte den Armen die Freude des scharfen Sehens – doch  auch ihr selbst wurden die Augen geöffnet.

Hausham – Marlies Nowotny ist sprachlos, als ihr das Ergebnis des Sehtests vorliegt. Minus fünf Dioptrien. „Sie war fast blind“, sagt die Optikermeisterin aus Hausham über die Frau, die ihr bei einer ihrer Fahrten ins arme Hinterland von Malawi begegnet ist. Als sie ihr eine der mitgebrachten Brillen auf die Nase setzt, kann die Frau ihr Glück kaum fassen. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie die Welt, wie sie wirklich ist. „Sie war total happy“, erinnert sich Nowotny. Bis sie ihr den Preis der Sehhilfe mitteilt: 1000 Kwacha – 1,20 Euro. „Das konnte sie sich nicht leisten.“

Geschichten wie diese könnte Nowotny viele erzählen. Zehn Wochen lebte und arbeitete die 24-Jährige im Muona Optical Centre in der Distrikthauptstadt Nkhotakota (wir berichteten). Für ein Hilfsprojekt des Entwicklungsdienstes Deutscher Augenoptiker (EDA) in Zusammenarbeit mit der Fachakademie für Augenoptik München setzte sie sich mit ihrer Kollegin Carina Heimes (24) für eine Verbesserung der augenoptischen Versorgung in dem südostafrikanischen Staat ein, der zu den ärmsten Ländern der Welt zählt.

Nowotnys Hauptaufgabe war die Ausbildung von drei Mitarbeitern – zwei Frauen (27 und 24) und ein Mann (37) – im Augenzentrum. Bisweilen eine echte Herkulesaufgabe. Denn die Lernbedingungen in Malawi haben so gar nichts mit denen in Deutschland zu tun, wie die Haushamerin schnell feststellen musste. Statt um 8 Uhr trudelten die Azubis teilweise erst um 10 Uhr ein. Die Gründe für die vermeintliche Nachlässigkeit erkannte Nowotny, als sie eine der Frauen zu Hause besuchte.

Was sie dort sah, öffnete der Optikermeisterin selbst die Augen: eine Unterkunft, die nur aus zwei winzigen Räumen besteht. Darin ein Klappbett und Plastiktüten als Kleiderschrank. „Zum Wasserholen muss man raus in den Garten“, erzählt Nowotny. Eine stabile Stromversorgung gebe es nicht. „Der Alltag zieht hier sehr viel Energie.“ Energie, die den Menschen zum Lernen fehlt. Es sei schwierig, aus diesem Kreislauf auszubrechen, sagt die 24-Jährige. Erst recht, weil Korruption jede Form von Aufstieg durch eigene Leistungen unterbinde.

Trotzdem seien die Malawier glücklich. Dabei helfe ihnen auch ihr christlicher Glaube. Immer wieder hörten Nowotny und Heimes folgenden Satz: „Gott hat euch zu uns geschickt.“ Und immer wieder erklärten sie den Menschen, dass sie keine Engel seien, und dass auch in ihrer Heimat der Wohlstand nicht vom Himmel falle.

Gerade ihren Azubis ließen sie bisweilen auch die notwendige Strenge angedeihen. Je näher die Prüfung rückte, desto angespannter wurden die beiden Meisterinnen. „Wir wollten ja nicht, dass unser Projekt scheitert“, erklärt Nowotny. Doch so weit ist es nicht gekommen. Zwar liegen die Ergebnisse noch zur Kontrolle bei der Handwerkskammer. „Es schaut aber gut aus, dass sie bestanden haben“, sagt Nowotny.

Mit der Ausbildung in der Tasche dürfen Thokozani Winnie Chirwa, Grace Grace Olipa Lichapa und William Felanji Kuntambila selbst Sehtests durchführen sowie Brillen anpassen und verkaufen. Nowotny hofft, dass sie ihre Fähigkeiten nicht nur nutzen, um möglichst vielen Menschen zum scharfen Sehen zu verhelfen, sondern auch weitere Mitarbeiter für das Muona Optical Centre anwerben. Mit dem 24-jährigen Hopeson Banda habe sich bereits ein Interessent für die Ausbildung gefunden.

Auch die Nachfolger für Nowotny und Heimes stehen fest. Sie werden im August 2018 das Projekt weiterführen. Die Haushamerin wirbt derweil in ihrer Heimat für Spenden. Damit das Team des Muona Optical Centre auch abgelegene Regionen erreichen kann, hat sie ein Sparkonto für den Kauf eines Autos eingerichtet. Ungefähr 2500 Euro werden dafür in Malawi fällig.

Dass man auch mit 1,20 Euro Gutes tun kann, hat Nowotny bei der armen Frau auf dem Land erlebt. Da sie es nicht übers Herz brachte, sie mit ihrer schlechten Sehfähigkeit zurückzulassen, schenkte sie ihr die Brille. Nur eines von vielen Leben, das die 24-jährige in Malawi zum Besseren verändert hat.

Spenden

für das Muona Optical Centre in Nkhotakota sind unter folgender Bankverbindung möglich: Salima Branch Standard Bank, Kontonummer: 9100000446502, BIC: SBICMWMX.

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