Mit Schutzanzug und Schuhüberziehern: Geflügelzüchter Christian Schaberl achtet darauf, keine Keime in den Hühnerstall zu bringen – die Sorge vor der Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist groß.
+
Mit Schutzanzug und Schuhüberziehern: Geflügelzüchter Christian Schaberl achtet darauf, keine Keime in den Hühnerstall zu bringen – die Sorge vor der Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist groß.

Vogelgrippe

Züchter wappnen sich für Geflügelpest

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
    schließen

Die Geflügelpest breitet sich in Bayern weiter aus – und bedroht auch das Federvieh im Landkreis Miesbach. Das Veterinäramt hat nun erste Schutzmaßnahmen getroffen. Die Züchter befürchten Vermarktungsprobleme.

Hausham/Landkreis Im Kreis Starnberg besteht bereits Stallpflicht, nachdem dort eine Möwe der Geflügelpest zum Opfer gefallen ist. Ab diesem Samstag müssen auch im Kreis Ebersberg Hühner im Stall bleiben – und Miesbach rüstet sich für den Ernstfall: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Geflügelpest möglicherweise den Landkreis Miesbach erreichen wird. Deshalb wurde bereits reagiert und eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit.

Unter anderem müssen Betriebe ab 1000 Tieren besondere Hygienevorkehrungen treffen und die Ställe sichern. Die Teilnahme an Ausstellungen, Märkten und Geflügelschauen ist verboten. Außerdem ist es nicht erlaubt, Greif- und Wasservögel zu füttern. Eine Stallpflicht besteht noch nicht, allerdings könnte sich das in der kommenden Woche ändern, wie Sprecherin Sophie Stadler betont.

Bei langer Stallpflicht dürfen die Eier nicht mehr als „Freilandeier“ verkauft werden

Für Christian Schaberl ist das nichts Neues. Bereits 2011 hat der Haushamer Geflügelzüchter mit Blick auf die damals neue Geflügelpest einen Wintergarten gebaut – ein mit einem engmaschigen Gitter versehener Freiluftbereich, der den Hühnern Bewegung an der frischen Luft erlaubt, sie zugleich aber vor Kontakt mit Wildvögeln schützt. Seinen Stall betritt er nur im Schutzanzug, Führungen für Interessierte sind nicht möglich. „Wenn man die Geflügelpest im Stall hat, müssen alle Tiere gekeult werden“, erklärt Schaberl. Trotz Schutzvorkehrungen beobachte er mit Sorge, wie die Wildenten allabendlich von der Schlierach kommend über seinen Hof zu ihren Schlafstätten fliegen. „Da ist schon eine gewisse Verunsicherung da.“

Denn ein wirtschaftlicher Schaden kann den Züchtern auch durch eine Stallpflicht entstehen. „Je nach Dauer können die Eier nicht mehr als Freilandeier verkauft werden“, erklärt Rolf Oehler, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, das für die Kreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen zuständig ist. „Das kann Probleme bei der Vermarktung geben.“ Oehler hofft dann auf das Verständnis der Verbraucher. Insbesondere für große Betriebe mit mehr als 1000 Hühnern sei es auch ein Kraftakt, alle Eierschachteln umetikettieren zu müssen.

Oehler zufolge gibt es im Kreis Miesbach 421 geflügelhaltende Betriebe, die insgesamt 20 000 Tiere halten. Im Kreis Tölz sind es 488 Geflügelhalter mit insgesamt 15 000 Stück Geflügel.

Geflügelhaltende Betriebe rüsten sich für die Vogelgrippe

Diese Betriebe werden laut Oehler vom zuständigen Veterinäramt auf dem Laufenden gehalten und rechtzeitig über Schutzmaßnahmen informiert. Allerdings gebe es auch Geflügelhalter, die nur einige wenige Tiere haben. „Streng genommen müssen auch die sich registrieren lassen. Die Frage ist nur, ob sie das auch tun.“ Das Problem sei, dass nur registrierte Halter über Schutzvorkehrungen informiert werden könnten. Daher appelliert Oehler an alle Geflügelhalter, sich registrieren zu lassen.

Mit Schutzanzug und Schuhüberziehern in den Stall

Michael Häsch ist Sprecher des Bayerischen Geflügelhalterverbands. Er versucht, Ruhe zu bewahren: „Wir leben mit der Geflügelpest schon seit mehr als zehn Jahren. Sie kommt jeden Winter, und wir stellen uns darauf ein.“ Zum Beispiel betreten er und seine Mitarbeiter den Stall auf seinem Bertenbauernhof in Dietramszell grundsätzlich nur mit Überschuhen, um keine Keime hinein zu tragen. „Das hat sich besser bewährt als die Desinfektionsmatten, auf denen man zehn Minuten stehen müsste, bis alle Keime abgetötet wären.“ Er hofft, dass alle Regionen mit Stallpflicht diese bald aufheben können – erst nach 90 Tagen Stallhaltung dürften die Eier nicht mehr als Freilandeier verkauft werden. Jeder Tag, an dem die Tiere nicht raus dürfen, muss Häsch zufolge der Landesanstalt für Landwirtschaft gemeldet werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare