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Der aktuelle Rathaus-Chef Jens Zangenfeind (r.) zeichnet Sebastian Gentili (l.) und seinen Vorgänger Hugo Schreiber aus.

Hugo Schreiber ist Altbürgermeister

Ehre für den „Spätzünder“

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Hausham - Zwei Jahre lang hat Hugo Schreiber den Leuten erklärt, dass sie ihn nicht mit „Altbürgermeister“ ansprechen sollen. Jetzt muss er zurückrudern. Bei der Gemeinderatssitzung hat Jens Zangenfeind seinem Amtsvorgänger den Ehrentitel verliehen. 

Hugo Schreiber sitzt auf einer Holzbank im Erdgeschoss des Haushamer Rathauses. Er wartet. Wie alle anderen Gäste, die zur Gemeinderatssitzung gekommen sind. Der nichtöffentliche Teil verzögert sich. Schreiber nimmt’s gelassen. Sechs Jahre lang hat er selbst die Beratungen geleitet, viele Stunden im Sitzungssaal verbracht. Heute ist er privat da. Warum, hat ihm Bürgermeister Jens Zangenfeind nicht verraten. „Er hat mir nur gesagt, ich soll mich schön anziehen, meine Frau mitnehmen und ins Rathaus kommen“, erzählt Schreiber schmunzelnd. „Vielleicht ham’s ja an Leberkäs’ übrig.“

Eine halbe Stunde später zieht sich auch Zangenfeind „schön“ an. Er hängt sich seine silberne Amtskette um den Hals und verleiht Schreiber eine Ehrenurkunde. Und aus dem „ alten Bürgermeister“ ist ein „Altbürgermeister“ geworden. „Jetzt brauch ich die Leute endlich nicht mehr korrigieren“, scherzt Schreiber. So hätten ihn gerade Vereine schon vorher als „Altbürgermeister“ eingeladen. „Da musste ich dann immer die Hand heben“, sagt der 66-Jährige. Mit der großen Ehre habe er eigentlich nicht gerechnet. Schließlich sei er nur sechs und keine 27 Jahre Chef im Rathaus gewesen.

Es sei nicht zuletzt diese Bescheidenheit, die er an seinem Vorgänger so schätze, betont Zangenfeind bei seiner Laudatio. So habe Schreiber in seiner Amtszeit nicht nur millionenschwere Großprojekte wie die neue Turnhalle für die Grund- und Mittelschule, den neuen Bauhof oder die Sanierung des Alpengasthofs Glück Auf angestoßen, sondern auch in seiner Freizeit viel für die Gemeinde getan. Noch heute sammle er bei der von ihm initiierten „Ramadama“-Aktion selbst Unrat im hohen Gras oder liefere mit dem Kleinbus Lebensmittel für die Ferienfreizeiten in die Jugendherberge im italienischen Levico Therme. Zudem habe er ganze 42 Jahre lang die Kasse der damals gut 2000 Mitglieder starken SG Hausham verwaltet. „Und auch heute bist Du immer noch da, wenn man Dich braucht“, lobte Zangenfeind seinen Amtsvorgänger.

Die Zeit im Ruhestand ist knapp bemessen

Ins Rathaus zieht es Schreiber jedoch nicht mehr. „Ich kann sehr gut loslassen“, sagt der Altbürgermeister. Natürlich interessiere er sich noch für seine Gemeinde. Beschlüsse lese er aber keine mehr, versichert Schreiber. Und dreinreden wolle er ohnehin nicht. „Ich sage nur was, wenn ich gefragt werde.“ Und wenn er gerade Zeit hat. Denn die ist bei Schreiber auch im Ruhestand knapp.

Wenn er nicht gerade an seinem Elternhaus werkelt, gartelt oder an seiner Hütte auf der Huberspitz Holz macht, versucht er sich als Handwerker. Stühle, Stellagen, ja sogar ein Holzwagerl hat der 66-Jährige in der Werkstatt eines Freundes schon geschreinert. Und jede Menge Vitrinen für seine Fossilien- und Mineraliensammlung. 1200 Stück hat er zusammengetragen. „Bei uns schaut’s aus wie im Museum“, schimpft da Schreibers Frau Vroni schon mal. Der Altbürgermeister nimmt’s gelassen – und setzt sich aufs Radl. Er gehe auch gerne „flach mountainbiken“, erzählt er schmunzelnd.

Ehrensache für einen Sportler und ehemaligen SG-Fußballer wie ihn. Auch wenn’s damals ein bisschen gedauert habe, bis es für die erste Mannschaft gereicht hat. „Ich war immer spät dran in meinem Leben“, meint Schreiber und lacht. So sei er zu spät auf die Welt gekommen, habe erst mit 30 seinen Betriebswirt bei der Sparkasse gemacht, mit 34 geheiratet und seine Kinder Vroni und Andreas mit 35 beziehungsweise 39 Jahren bekommen. Da macht es Schreiber auch nichts aus, dass er auf den Titel des Altbürgermeisters ein bisschen warten musste. Sein Motto: „Lieber spät als nie.“

Zweite Ehrung: Der „Bürgermeister von Agatharied“

Ein eigenes Rathaus hat Sebastian Gentili nicht. Trotzdem bezeichnen die Agatharieder ihren „Waschd“ liebevoll als „Bürgermeister von Agatharied“. Für sein jahrzehntelanges Wirken im Ort hat Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind den 76-Jährigen nun mit der Ehrenamtsnadel der Gemeinde ausgezeichnet. „Bevor er mir als Bürgermeister Konkurrenz macht, zeichne ich ihn lieber aus“, scherzte der Rathaus-Chef und drückte Gentili die große Urkunde in die Hand. Was sein Engagement für die Vereine betrifft, kann es Zangenfeind mit seinem inoffiziellen Amtskollegen in Agatharied allerdings noch nicht aufnehmen. Von 1962 bis 2000 leistete Gentili aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr. 

Zwischen 1975 und 1993 führte er als Zweiter und später Erster Kommandant Hunderte Einsätze an. In seiner Rolle als Vorsitzender des Feuerwehrvereins sammelte er 40 000 Mark für das Löschfahrzeug LF 8 und 22 000 Euro für den Gerätewagen Logistik. „An den Haustüren, nicht mit einer großen Aktion“, betonte Zangenfeind. Bis heute und damit seit genau 50 Jahren kümmert sich Gentili als „Sterbekassier“ – eine Tradition aus der Nachkriegszeit – um die Hinterbliebenen verstorbener Kameraden. Doch auch für das kulturelle Brauchtum setzte er sich ein – als Vorplattler und Jugendleiter im Trachtenverein Agatharied. Nahezu täglich werkelte er bei der Sanierung von Pfarrhaus und Kindergarten mit. Und auch danach befreite Gentili, der 28 Jahre Mitglied im Pfarrgemeinderat war, den Kirchenweg im Winter von Schnee und Eis, im Sommer von Unkraut und Müll. „Man hat Dich eigentlich immer arbeiten sehen“, lobte Zangenfeind. Einen besseren „Bürgermeister“ kann er sich für Agatharied gar nicht wünschen.

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