Haushamerin angefahren

Fahrer streitet ab - Unfallopfer hat keine Erinnerung

Hausham - Ein 76-Jähriger Haushamer soll eine 84-Jährige angefahren und schwer verletzt haben. Vor Gericht bestreitet der den Zusammenstoß. An der Unfallstelle soll er ihn aber zugegeben haben.

Es war ein nebliger Dezembermorgen im vergangenen Jahr, als eine 84-jährige Frau in Hausham nahe der Bahnschranken zu Fuß die Straße überqueren wollte. Stunden später wachte sie im Agatharieder Krankenhaus auf. Was war passiert? Die Frau konnte sich an nicht mehr viel erinnern, „aber ich weiß, dass ich nicht gestolpert bin“, erklärte sie im Miesbacher Amtsgericht.

Folglich muss sie angefahren worden sein und dadurch das Bewusstsein verloren haben. Aus diesem Grund saß ein 76-jähriger Haushamer auf der Anklagebank. Der jedoch war der festen Überzeugung, die Rentnerin mit seinem Auto nicht berührt zu haben. „Ich habe sie da über die Straße laufen sehen, eine Vollbremsung gemacht und die Frau nicht erfasst“, erklärte der Angeklagte. „Sie muss gestolpert sein.“

Das wollte vor Gericht jedoch niemand so recht glauben. Die Verletzungen der Frau – Platzwunden am Kopf, Rippenfrakturen, ein Schlüsselbeinbruch und etliche weitere – passten nicht zu einem Stolpern. Viel eher könnte eine Kollision diese verursacht haben.

Sicht war gut und Fahrer langsam unterwegs

Als der Unfallfahrer die Polizei alarmierte, als er die Frau regungslos am Boden liegen sah, sagte er laut Protokoll sogar noch, er habe sie angefahren. Bei der Verhandlung im Amtsgericht dann aber die Kehrtwende: „Ich kann sie nicht angefahren haben, weil an meinem Auto keine Beule zu sehen war“, erzählte der 76-Jährige. „Das habe ich damals nur gesagt, weil ich eben davon ausgegangen bin, sie erwischt zu haben, und unter Schock stand.“ Anderer Meinung war da ein Beamter der Polizeiinspektion Miesbach, der sich erinnern konnte, sehr wohl einen Schaden am Unfallauto erkannt zu haben – Lichtbilder bestätigten das.

Es sei zwar unvorsichtig von der Rentnerin gewesen, einfach über die Straße zu gehen, wo doch 30 Meter weiter eine Ampel steht. „Dennoch hätte er die Frau sehen müssen, da der Nebel die Sicht nicht beeinflusst hat“, erklärte der Polizist. Langsam sei der Unfallverursacher auch gefahren, was mehrere Zeugen bestätigen konnten. Trotzdem kam es zu einem Zusammenstoß, was unbestritten ist.

Auf Freispruch plädiert - Geldstrafe bekommen

Erst recht nach der Aussage eines Zeugen. „Die Frau ist sogar kurz durch die Luft geflogen, als das Auto sie mit der Stoßstange berührt hat“, sagte der Augenzeuge vor Gericht aus. Eine weitere Zeugin konnte das bestätigen: „Er hat sie einfach zusammengefahren, obwohl er nicht schnell gefahren ist.“

So eindeutig, wie die Sache klingt, erschien sie Rechtsreferendar Giannini aber gar nicht. Dadurch, dass das Unfallopfer selbst keine genaue Erinnerung an den Vorfall hatte, plädierte er auf Freispruch für den 76-Jährigen. Dem schloss sich der Rechtsanwalt des Haushamers, Dieter Kohlfürst, an.

Richter Walter Leitner sah das Ganze etwas anders und verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 43 Euro. Er sei davon überzeugt, „dass Sie wegen einer Unachtsamkeit einen Verkehrsunfall verursacht haben“, sagte er in Richtung des Beschuldigten. Zumal der Mann kurz danach der Polizei sagte, dass er die Frau angefahren habe. Der Richter beendete die Verhandlung mit den Worten: „Sie saßen quasi in der ersten Reihe des Theaters und wissen schon, was Sie gesehen haben.“

Von Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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