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Sorgen vorbringen und die eigene Haltung erklären: Haushamer Bürger und Vertreter des Landratsamts diskutierten über die neue Asylbewerber-Unterkunft in Tratberg-Nord.

Neue Unterkunft für acht Flüchtlinge in der Straße Tratberg-Nord in Hausham

Info-Treffen zu Asylbewerbern: Eine emotionale Debatte

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Hausham - Es ist so emotional geworden, wie im Vorfeld angenommen: Beim Info-Treffen zur Unterbringung von acht Asylbewerbern in Tratberg-Nord in Hausham monierten Anwohner, Gemeinde und engagierte Bürger, dass sie sich übergangen fühlen. Die Vertreter des Landratsamts mussten sich erklären.

Schnell spricht einer aus, was nahezu alle Anwesenden umtreibt. „Das Landratsamt hat über unseren Kopf hinweg entschieden“, sagt Dieter Graf. Der Haushamer ist einer von 40 Gästen im Sitzungssaal des Rathauses am Montagabend. Die Gemeinde hatte ein Info-Treffen anberaumt, um mit Bürgen und zwei Vertretern des Landratsamts über die Unterbringung von acht neuen Asylbewerbern in Tratberg-Nord zu diskutieren.

Hintergrund: Von den derzeit 32 Asylbewerbern, die in der Turnhalle Tegernsee wohnen, kommen 20 nach Osterhofen und zwölf nach Hausham. Vier ziehen dort in die Unterkunft an der Schöllerstraße, acht in ein Reihenmittelhaus in der Straße Tratberg-Nord. Gemeinde und Anwohner erfuhren davon, als schon alles vereinbart war. Daher die aufgeheizte Stimmung zu Beginn des Abends. „Die Emotionen verstehe ich“, sagte Bürgermeister Jens Zangenfeind. „Was wir fordern, ist ein offenes Miteinanderumgehen.“

Grenzen und Möglichkeiten der Debatte zeigte sogleich Stefan Köck auf, Abteilungsleiter am Landratsamt: „Aus unserer Sicht wird es keine Diskussion in dem Sinne, dass wir alle Planungen über den Haufen werfen werden. Mittelfristig sind wir aber bereit, Lösungen zu finden, um es in Zukunft anders zu gestalten.“ Immerhin sei der Vertrag für das Haus schon unterschrieben – für drei Jahre. „Ich hätte es gerne vor der Unterschrift erfahren, damit man vorher miteinander reden kann“, sagte Zangenfeind. Vor vollendete Tatsachen gestellt fühlte sich auch Max Niedermeier: „Es ist ganz traurig, dass man auch mit mir als Integrationsbeauftragten des Landkreises nicht gesprochen hat. Jetzt ist es zu spät.“ Die Geheimniskrämerei bekamen Anwohner wie Inge Graf übrigens durchaus mit: „Wir haben gemerkt, dass im Haus umgebaut wird, und die Handwerker durften nichts sagen.“

Warum das Landratsamt diese Info-Politik verfolgt hatte, gestand Köck: „Es gibt Gemeinden, die uns gezielt das Leben schwer machen und Unterkünfte torpedieren.“ Zudem stehe die Behörde unter enormem Druck der Regierung. „Wir kratzen jeden Platz zusammen, den wir haben“, sagte er vor dem Hintergrund, dass der Landkreis derzeit 380 Asylbewerber unterbringt.

Sechs Syrer und zwei Afghanen zwischen 15 und 52 Jahren ziehen am morgigen Donnerstag in Tratberg-Nord ein, verkündete Landratsamt-Fachbereichsleiter Wolfgang Zierer. Drei Männer wohnen im Erdgeschoss in einem großen Raum, die übrigen fünf leben im ersten Stock auf drei Räume – mit jeweils zehn oder 15 Quadratmetern – verteilt.

„Wir sind der Meinung, dass acht Leute in einem Haus zu viel sind“, sagte Annette Bisko stellvertretend für fast alle Anwesenden. „Von jedem kam die Ansage: Familien mit zwei bis drei Kindern wären kein Problem“, ergänzte Gerhard Klante, der die Haushamer Asylbewerber betreut. Das Haus sei größer als andere Unterkünfte im Landkreis, entgegnete Köck. Bleibt aber noch die abgeschottete Lage in der Wohnsiedlung. „Ich habe vor der Situation gewarnt“, machte Niedermeier klar. Die Betreuung sei dort für Klante und seine wenigen Helfer nicht zu schaffen.

Daher auch der vom Landratsamt abgelehnte Vorschlag der Gemeinde, die Asylbewerber im Ort anders zu verteilen. Denn man habe nichts gegen die Flüchtlinge, wie Zangenfeind und einige Besucher sagten. Anwohnerin Barbara Stefan regte ein Kennenlern-Treffen an, was in der Runde gut ankam – auch zwei der acht Asylbewerber waren vor Ort. Und die Behördenvertreter sagten zu, an den Kritikpunkten zu arbeiten. Ein versöhnlicher Abschluss einer emotionalen Debatte.

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